# taz.de -- UVB-Studie zum Wohnungsbau: „Das wird das bedeutendste Thema für die Wahl sein“
> Der Wirtschaftsverbandschef Alexander Schirp hält 100.000 zusätzliche
> Wohnungen für möglich.
(IMG) Bild: Der Wirtschaftsverband UVB drängt darauf, die seit 1990 vervierfachte Zahl der Bauvorschriften zurückzuschrauben
Das hatten sich die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) als
Spitzenverband der regionalen Wirtschaft anders vorgestellt. Zum
üblicherweise nachrichtenarmen Jahresstart wollten sie eine Studie
vorlegen, die durchaus Potenzial für eine Titelgeschichte hat: Denn 100.000
zusätzliche Wohnungen über die bisherigen Planungen des Senats hinaus hält
der Verband in den nächsten zehn Jahren für machbar.
Doch 2026 startete nicht nachrichtenarm, sondern mit dem Zerfall der
SPD-BSW-Koalition in Brandenburg und dem Blackout. Und kaum ist der vorbei,
arbeiten sich die Medien daran ab, dass Regierungschef Kai Wegner (CDU)
[1][eine Stunde Tennis spielte], statt sich sofort im vermeintlichen
Katastrophengebiet zeigen.
Und deshalb muss UVB-Hauptgeschäftsführer Alexander Schirp auch ein paar
Fragen zu ebendiesen Themen beantworten. Etwa, wie er das Krisenmanagement
Wegners bewertet. Die Reparatur der Stromkabel nach dem Anschlag in vier
Tagen hinzubekommen, „war eine ganz hervorragende Leistung“. Nicht wegreden
will er, dass sich manches besser hätte darstellen lassen.
Aber das lässt Schirp nach eigenen Worten nicht daran zweifeln, dass die
Landesregierung in jetziger Konstellation anstehende Aufgaben wie den
Wohnungsbau hinbekommt. „Das wird das bedeutendste Thema für die Wahl
sein“, sagt Schirp über den Wohnungsmarkt mit Blick auf die
Abgeordnetenhauswahl am 20. September.
## 36.000 Wohnungen über Supermärkten möglich
Die UVB-Studie hält 100.000 zusätzliche Wohnungen auf folgende Weise für
möglich: 36.000 oberhalb von Supermärkten, 30.000 in bisherigen Büros und
26.000 durch bisher zweckentfremdete und nicht ordnungsgemäß vermiete
Wohnungen. Hinzu kommen 7.000, die durch Aufstockung möglich sein sollen,
und 5.000 am Rande des Tempelhofer Feldes. Letztere, meint Schirp, würden
für die Nutzung des Feldes „kaum eine Einschränkung bedeuten“.
Schirp und Maren Kern, die Chefin des regionalen
Wohnungsunternehmensverbands BBU, kritisieren in dem Pressegespräch auch
eine seit 1990 auf 20.000 vervierfachte Zahl an Bauvorschriften, die
Wohnungsbau bremse. Kern hat dazu ein konkretes Beispiel parat: Für eine
Stahlbetondecke reichen nach ihren Worten ohne Stabilitätsverlust statt der
vorgeschriebenen 18 Zentimeter auch 14 aus. Das würde nicht nur günstigeres
Bauen ermöglichen, sondern auch CO₂-Emissionen verringern.
Neu ist das nicht unbedingt. Eine Umwandlung von Büro-Leerstand hatte Ende
November auch Bettina Jarasch vorgeschlagen, die Fraktionschefin der Grünen
und Co-Spitzenkandidatin für die Abgeordnetenhauswahl. Und über eine
Supermarkt-Überbauung sei man mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
schon im Gespräch gewesen, als deren Chefin von 2016 bis 2020 noch Katrin
Lompscher von der Linkspartei war, räumt Schirp ein. Versuchen mag man es
trotzdem noch mal und drängt dabei auf weniger bürokratische Hindernisse.
„Der Lebensmitteleinzelhandel ist bereit, seinen Beitrag zu leisten“, heißt
es in der Studie.
In Enteignung – als Folge des Volksentscheids dazu von 2021 – sieht Schirp
auch am Donnerstag genauso wenig einen Weg zu mehr Wohnungen wie Maren
Kern. Dass die Linkspartei, die auf Enteignung drängt, durchaus Chancen
hat, nach der Abgeordnetenhauswahl die Landesregierung anzuführen, ist
durchaus ein Thema für die UVB.
Von einer Schicksalswahl mag Schirp auf eine entsprechende taz-Frage hin
nicht reden, wohl aber von einer Richtungsentscheidung – wobei das
eigentlich bei jeder Wahl so sei. Wohnungsverbandschefin Kern ist da klarer
mit Blick auf eine Linkspartei-Regierung: „Investoren würde das
abschrecken.“
8 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Stefan Alberti
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