# taz.de -- Biathlon und Klimawandel: Wintersport verschoben
> Letztmals findet der Biathlon-Weltcup in Oberhof zu Jahresbeginn statt.
> Wegen des Klimawandels wird er verlegt. In Thüringen begrüßt man das.
(IMG) Bild: So winterlich wie lange nicht mehr: Oberhof im Januar 2026
Oberhof ist tief verschneit. Für den am Donnerstag beginnenden
Biathlon-Weltcup sind Minustemperaturen vorausgesagt und es wird noch mehr
Schnee erwartet. Es dürfte also beim seit gut drei Jahrzehnten
traditionellen Start ins Biathlon-Jahr, der zuletzt immer wieder von
schwierigen Bedingungen wie Matschschnee, Regen und dem häufig präsenten
Nebel überschattet wurde, so winterlich wie lange nicht mehr zugehen.
Trotzdem werden Franziska Preuß und Co zum letzten Mal zu diesem Zeitpunkt
vor insgesamt mehr als 50.000 Zuschauern auftreten. Ab 2027 wandert das
Biathlon-Highlight in Thüringen nämlich ins dritte Saison-Trimester. Wird
also voraussichtlich erst im März nächsten Jahres stattfinden.
Der Hauptgrund dafür ist der Klimawandel. Der Biathlon-Weltverband IBU und
die Uni Innsbruck haben in einer Studie untersucht, wie die Zukunft von 38
wichtigen Wettkampforten bis 2050 ausschaut. Dabei wurden Szenarien bis zu
einer Erwärmung von 3,1 Grad untersucht. Das Kern-Ergebnis: Weltcup-Orte in
Zentraleuropa wie Oberhof oder auch das tschechische Nové Město, Le Grand
Bornand/Frankreich oder Ruhpolding sind zunehmend gefährdet. Am besten sind
die Aussichten dort künftig in der zentralen Winterzeit. Also wurde der
Weltcup-Kalender von 2027 bis 2030 neu gestaltet mit Oberhof zu einem
deutlich späteren Zeitpunkt als bisher.
„Niemand weiß, wie sich das Wetter in den kommenden vier Jahren entwickeln
wird. Mit den Erfahrungen, die Oberhof über viele Jahre hinweg mit diesem
Termin gesammelt hat, finde ich es absolut legitim, einmal bewusst etwas
Neues auszuprobieren“, sagt der deutsche Sportdirektor Felix Bitterling:
„Der Termin Anfang Januar ist für einen Veranstalter mit Abstand der
schwierigste, den man haben kann. Der gesamte Aufbau fällt in die
Weihnachtsfeiertage. Alles muss vorbereitet werden, während andere Zeit mit
ihren Familien verbringen. Man kann sich gut vorstellen, wie groß die
Begeisterung bei Ehrenamtlichen ist, wenn sie am ersten Weihnachtstag im
Stadion stehen sollen.“
Trotzdem hat Oberhof diese Herausforderung meist bravourös bewältigt,
wenngleich es in der Vergangenheit auch mal Fehler bei der
Schneepräparation gab. Matschiger Schnee wegen Regen und zu hohen
Temperaturen, der gefühlt immer präsente Nebel gehörten in den vergangenen
Jahren oft zum ganzen speziellen Erlebnis für die Biathlon-Elite dazu.
## Über Jahre gewachsene Fanbase
Aber auch die einmalige Begeisterung der Zuschauermassen am Rennsteig. „Mit
seiner relativ zentralen Lage und der guten Anbindung, etwa über Frankfurt
oder München, bietet Oberhof viele Kombinationsmöglichkeiten mit anderen
internationalen Eventorten. Der Biathlon-Weltcup dort ist ein echtes
Traditionsevent mit einer riesigen und über Jahre gewachsenen Fanbase.
Deshalb hat Oberhof diese Chance absolut verdient“, findet Bitterling.
Organisationschef Bernd Wernicke freut sich jedenfalls auf den neuen Termin
ab 2027: „Vom Wetter und von den Kosten dürfte uns das weiterhelfen.“ Bis
zum März ist die Wahrscheinlichkeit höher, genügend gefallenen Schnee
konservieren zu können. Beim Thema Kosten spielt Wernicke vor allem auf die
teure künstliche Schneeproduktion an.
Aber auch für die Fans könnte es künftig nicht mehr ganz so kostspielig
sein, ins ostdeutsche Biathlon-Mekka zu reisen. Die Unterkunftspreise in
der Januar-Hochsaison sind in der Region Oberhof in den letzten Jahren
nämlich extrem gestiegen. „Vielleicht kehrt dadurch wieder etwas mehr
Normalität ein, zu einem Zeitpunkt, an dem nicht ohnehin schon Tausende
Urlauber vor Ort sind“, sagt Bitterling.
Bernd Wernicke hofft zudem, dass Fans und Sportler zum neuen Termin im März
häufiger den Durchblick haben. In der Bewerbung bei der IBU für die
kommende Weltcup-Phase verkündete der OK-Chef stolz, dass Oberhof im März
weniger Nebeltage als Oslo habe. Felix Bitterling nimmt diese Aussage mit
Humor. Wenn er in Oberhof vorbeischaut, ist der Nebel ein sehr häufiger
Gast. Aber vielleicht wird ja zum Abschied in dieser Woche alles ganz
anders …
7 Jan 2026
## AUTOREN
(DIR) Lars Becker
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