# taz.de -- Angriff auf Venezuela: Aufstehen für das Völkerrecht
       
       > Hunderte Menschen protestierten in Bochum gegen Trumps Imperialismus. Am
       > Freitag soll auch in Berlin demonstriert werden.
       
 (IMG) Bild: Bei Temperaturen unter null für das Völkerrecht: Venezuela-Demonstration am Mittwochabend in Bochum
       
       Unter dem Motto „Schützen wir das Völkerrecht“ haben am frühen
       Mittwochabend mehrere hundert Menschen in Bochum gegen die Gefangennahme
       des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch das US-Militär
       demonstriert. Zwar habe Maduro „ebenfalls eine Reihe von
       Menschenrechtsverstößen zu verantworten“, hieß es [1][in einem Demo-Aufruf]
       der Medizinischen Flüchtlingshilfe Bochum – die Initiative hatte als Teil
       eines breiten Bündnisses aus Friedensaktivist:innen,
       globalisierungskritischen Organisationen und Parteien zu dem Protest
       aufgerufen.
       
       Dennoch stellten Maduros „Entführung, die Bombardierung des Landes und das
       gewaltsame Eindringen in einen souveränen Staat schwere Verstöße“ gegen die
       Charta der Vereinten Nationen dar. „Völkerrecht verteidigen“ und „USA raus
       aus Lateinamerika“ stand deshalb auf Deutsch und Spanisch auf den
       Transparenten, hinter denen die Demonstrant:innen bei Temperaturen
       unter null und Schneefall vom Hauptbahnhof durch die Innenstadt zum
       Bochumer Rathaus zogen.
       
       Maduros „sogenannte Gefangennahme“ sei „ganz gewöhnliches kriminelles
       Kidnapping“, erklärte zum Demo-Auftakt Knut Rauchfuß von der Medizinischen
       Flüchtlingshilfe. Die Initiative betreut seit 1997 Geflüchtete, die Opfer
       von Krieg, Folter und anderen schweren Menschenrechtsverletzungen geworden
       sind. International wird Maduro Wahlbetrug, die Verfolgung politischer
       Gegner und die Verhaftung von Tausenden, die 2024 gegen seine umstrittene
       Wiederwahl protestiert hatten, vorgeworfen. Bei seiner Gefangennahme tötete
       das US-Militär [2][offenbar mindestens 80 Menschen], darunter auch
       ZivilistInnen. Trump habe deshalb nicht nur das Völkerrecht gebrochen,
       sondern sei schlicht „ein Mörder“, sagte Ralf Feldmann vom Bochumer
       Friedensplenum während der Demo zur taz.
       
       Für die Einschätzung von CDU-Bundeskanzler Friedrich Merz, die
       [3][Bewertung des US-Angriffs sei „komplex“], hat der ehemalige Ratsherr
       der Linken dagegen keinerlei Verständnis: „Mir ist völlig schleierhaft, wie
       Merz und sein Außenminister Johann Wadephul als Volljuristen zu einem
       solchen Urteil kommen können“, findet der pensionierte Amtsrichter
       Feldmann. Nach Artikel 25 des Grundgesetzes seien die allgemeinen Regeln
       des Völkerrechtes Bestandteil des Bundesrechtes. „Die Bundesregierung muss
       deshalb gegen Trump aufstehen“, findet Feldmann.
       
       ## Geostrategische Interessen
       
       Für eine klare Verurteilung des US-Angriffs durch die Bundesregierung und
       die Europäische Union machten sich in Bochum auch weitere Redner:innen
       stark. „Stellt euch gegen jede Form von militärischer Aggression,
       verteidigt das universelle Völkerrecht“, forderte etwa Franzi Piorrek von
       der Grünen Jugend: „Und hört auf zu schweigen, nur weil der Rechtsbruch von
       einem mächtigen Partner ausgeht.“ Schließlich gehe es der US-Regierung in
       Venezuela „nicht um Stärkung demokratischer Kräfte“- diese bekämpfe Trump
       auch in den USA selbst, erklärte ein Vertreter der
       globalisierungskritischen Organisation Attac. Ziel sei vielmehr die
       Durchsetzung „geostrategischer Interessen“ und damit der Zugriff auf die
       venezolanische Ölindustrie, deren Exporte „zu 80 Prozent nach China“
       gingen.
       
       Vor einer Neuauflage der „Monroe-Doktrin“ von 1823, mit der die USA den
       gesamten amerikanischen Kontinent zu ihrem „Hinterhof“ erklärten, warnte
       auch Flüchtlingshilfe-Sprecher Knut Rauchfuß. Noch sei es „nur Spekulation,
       ob hinter den Kulissen nicht längst ein Deal zwischen Putin und Trump
       abgeschlossen wurde: mir Venezuela – dir die Ukraine“, warnte Rauchfuß.
       
       Nicht nur er fürchtet einen Präzedenzfall: Nächstes Ziel von Trumps
       Imperialismus [4][könnte Grönland] werden, wo der US-Präsident auf
       Bodenschätze wie seltene Erden schielt. Die Bundesregierung müsse deshalb
       nicht nur Freilassung Maduros und den Rückzug aller US-Truppen aus
       Lateinamerika fordern – nötig seien „Sanktionen gegen die USA“.
       
       Ähnliche Forderungen wie in Bochum hatte es zuvor auch bei Demonstrationen
       etwa in Hamburg, Düsseldorf, München, Nürnberg, Offenburg und Darmstadt
       gegeben. Für Freitag ruft die Fraktion der Linken im Bundestag zu einer
       Demonstration vor der US-Botschaft in Berlin auf. Sprechen wird nicht nur
       Fraktionschef Sören Pellmann, sondern auch die Linken-Vorsitzende Ines
       Schwerdtner. Mit seiner Beschreibung, es handele sich bei der
       US-Intervention in Venezuela um eine „komplexe Situation“, [5][verharmlose
       Kanzler Merz] „eklatante Verletzungen des Völkerrechts“ – und ereile „Trump
       einen Freibrief für weitere Aggressionen“, kritisiert die Linkspartei.
       Schließlich bringe der US-Präsident schon heute „Übergriffe auf weitere
       Gebiete ins Spiel: Mexiko, Kolumbien, Kuba oder Grönland“.
       
       8 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://mfh-bochum.de/schuetzen-wir-das-voelkerrecht/
 (DIR) [2] /Trumps-Angriff-in-Venezuela/!6143137
 (DIR) [3] /Intervention-der-USA-in-Venezuela/!6142589
 (DIR) [4] /US-Planspiele-ueber-Groenland/!6143443
 (DIR) [5] /Gruene-und-Linke-zu-US-Interventionen/!6142993
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Wyputta
       
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