# taz.de -- Ölindustrie nach Maduro-Kidnapping: Trump-Unterstützer könnte von Venezuela-Angriff profitieren
> Im November hat der US-Investor und Trump-Förderer Paul Singer eine
> Tochterfirma des venezolanischen Ölkonzerns PDVSA ersteigert. Hatte er
> Insiderinformationen?
(IMG) Bild: Caracas, 14. Mai 2025: Straßenszene in der Nähe des Firmensitzes des venezolanischen Staatsölkonzerns PDVS
Venezuela verfügt über das größte bekannte Erdölverkommen auf der Welt. Wie
US-Präsident Donald Trump nach dem [1][Militärangriff auf Caracas] und der
Festnahme von Staatschef Nicolás Maduro bestätigte, [2][wollen die USA die
Kontrolle über diese Ressourcen übernehmen] – und US-amerikanische
Ölkonzerne in die marode Erdölinfrastruktur in Venezuela investieren
lassen. Gewinner könnte besonders ein Mann sein, der Milliardär Paul
Singer.
„Es wird eine enorme Menge Geld ausgegeben werden müssen, und die
Ölkonzerne werden es ausgeben, und dann werden sie von uns oder über die
Einnahmen entschädigt werden“, sagte Trump am Montag den NBC News.
Der Investor und Hedge-Fund-Manager Singer, der Trumps Wahlkampf 2024 mit
Millionen an Spendengeldern maßgeblich unterstützt haben soll, ersteigerte
im vergangenen November das US-amerikanische Ölunternehmen Citgo für knapp
6 Milliarden US-Dollar.
Citgo ist seit den 1990ern eine 100-prozentige Tochter des venezolanischen
Mineralöl-Staatskonzerns PDVSA. Mit der Übernahme, die vom
US-Finanzministerium noch abgesegnet werden muss, hat Singer den vielleicht
lukrativsten Deal seines Lebens geschlossen. Denn das Ende des
Maduro-Regimes könnte zu einer Steigerung der Erdölproduktion in Venezuela
führen.
## Riskante Wette oder bewusste Investition?
Dies könnte laut Analysten den Marktwert von Citgo stark nach oben
schnellen lassen. Das Unternehmen besitzt drei große Raffinerien und 43
Öllager an der Golfküste und betreibt zusätzlich ein Netzwerk von über
4.000 unabhängigen Tankstellen in den USA. Die Citgo-Raffinerien sind
speziell für das schwere, zähflüssige Öl aus Venezuela ausgelegt. Öl aus
Venezuela würde daher die Rentabilität des Unternehmens stark verbessern.
Aufgrund eines US-Embargos, das die Einfuhr von venezolanischem Öl so gut
wie komplett verbietet, musste Citgo in den vergangenen Jahren auf teures
Öl aus Kanada oder anderen lateinamerikanischen Ländern wie Brasilien oder
Ecuador zurückgreifen. Die Folge waren schwächere Ertragszahlen.
Singer ist mit seiner Übernahme von Citgo ein großes Risiko eingegangen,
obwohl er das Unternehmen mit einem Kaufpreis von laut Experten bis zu 13
Milliarden US-Dollar deutlich unter Marktwert ersteigern konnte. Die
US-Militäroperation am frühen Samstagmorgen in Venezuela dürfte schließlich
auch für ihn überraschend gekommen sein.
Oder vielleicht doch nicht? Der republikanische Abgeordnete und
Trump-Gegner Thomas Massie wies in einem Post auf der Plattform X auf
Singers ausgezeichnetes Timing hin. „Paul Singer, […] der bereits eine
Million Dollar ausgegeben hat, um mich bei der nächsten Wahl zu besiegen,
könnte mit seiner Citgo-Investition Milliarden von Dollar verdienen,
nachdem die (Trump-)Regierung die Kontrolle über Venezuela übernommen hat“,
so der Abgeordnete aus Kentucky.
Trotz der schwierigen politischen und wirtschaftlichen Lage gilt Citgo,
dessen Zentrale sich im texanischen Houston befindet, weiterhin als das
internationale Aushängeschild der venezolanischen Ölindustrie. Eine
Aufhebung des Öl-Embargos könnte laut Branchenbeobachtern zu einer
Umleitung der venezolanischen Ölexporte führen. Aktuell sind China und
[3][Kuba Hauptabnehmer].
Am Dienstag erst erklärte Trump, dass die aktuelle Interims-Regierung in
Venezuela sich dazu bereit erklärt hätte, bis zu 50 Millionen Barrel Öl an
die USA auszuhändigen. Es könnte ein Anfang sein.
Milliardär Singer könnte also dank einer geschickt getätigten Transaktion
einer der größten Profiteure werden. Im Weg steht zunächst jedoch das
amerikanische Finanzamt. Dieses wollte in Laufe des Jahres über den
erzwungenen Verkauf von Citgo und das abgegebene Angebot von Amber Energy,
das zum Hedgefons von Singer gehört, entscheiden. Ob dieser Prozess nun
beschleunigt wird, ist ungewiss.
Auch bleibt abzuwarten, wann und ob US-Ölkonzerne beginnen werden, in
Venezuela zu investieren. Bislang zeigen sich die Ölkonzerne skeptisch. Die
Enteignungen durch die Regierung von Venezuela, die anhaltenden
US-Sanktionen und die jüngste politische Instabilität tragen allesamt zu
dieser Zurückhaltung bei.
7 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Hansjürgen Mai
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