# taz.de -- Angriff auf Venezuela: US-Kontrolle über Venezuela könnte Jahre dauern
> US-Präsident Donald Trump will venezolanisches Öl verkaufen und seinen
> Einfluss im Land ausbauen. Doch bei den US-Plänen bleibt vieles unklar.
(IMG) Bild: Beerdigung von bei der US-Operation getöteten Soldaten in Caracas
Die USA könnten in Venezuela über Jahre hinweg das letzte Wort behalten.
Dies erklärte US-Präsident Donald Trump am Mittwoch gegenüber der New York
Times. „Ich würde sagen, viel länger“, antwortete Trump auf die Frage, ob
die US-Kontrolle länger als ein Jahr andauern könnte. Der Republikaner gab
an, das Land auf „profitable Weise wiederaufbauen“ zu wollen. Die Pläne
sollen durch den Verkauf von venezolanischem Erdöl finanziert werden.
Wie die Zeitung berichtete, unterbrach Trump das Interview kurzzeitig, um
mit dem kolumbianischen Präsidenten Gustavo Petro zu sprechen. Dem
US-Präsidenten zufolge ging es dabei vor allem um den illegalen
Drogenhandel aus Kolumbien. Trotz der mehrfachen Androhungen möglicher
Militäroperation gegen Petro lud Trump diesen zu einem Treffen im Weißen
Haus ein.
Die Ausführungen des Präsidenten gegenüber der New York Times, in denen er
oft vage blieb, kamen Stunden nachdem hochrangige Regierungsmitglieder den
US-Kongress über das weitere Vorgehen in Venezuela informiert hatten.
Außenminister Marco Rubio und Verteidigungsminister Pete Hegseth waren dazu
am Mittwoch im Kapitol anwesend.
Die beiden beschrieben einen dreistufigen Plan: Stabilisierung, Aufschwung
und Wandel. In der ersten Phase gehe es darum, Chaos zu verhindern. Der
Zugang zu den riesigen Erdölvorkommen in Venezuela sei dabei eine wichtige
Stütze.
## USA beschlagnahmen zwei weitere Öltanker
Auch die Beschlagnahmung und der Verkauf von Öl gehören zu dieser
Strategie. Laut Trump hat sich die von Vizepräsidentin Delcy Rodríguez
angeführte venezolanische Übergangsregierung bereits bereit erklärt, bis zu
50 Millionen Barrel Erdöl an die USA auszuhändigen.
Die Einnahmen sollen laut Rubio vor allem Menschen in Venezuela
zugutekommen. Am Mittwoch brachten die USA zwei Öltanker unter ihre
Kontrolle. Grund für die [1][Übernahme des Tankers im Nordatlantik], der
unter russischer Flagge unterwegs war, sei ein Verstoß gegen US-Sanktionen
gewesen.
Der zweite Öltanker, der in der Karibik beschlagnahmt wurde, soll in
illegale Aktivitäten verwickelt gewesen sein. Erst im vergangenen Monat
hatte Trump hatte eine vollständige Blockade aller sanktionierten Öltanker
angeordnet, die Venezuela anlaufen oder verlassen. Insgesamt haben die USA
bisher mindestens vier Tanker beschlagnahmt.
## Mehr Geld fürs Militär
Gleichzeitig verkündete Trump, dass er die Militärausgaben um 50 Prozent
anheben will. „Unser Militärbudget für das Jahr 2027 sollte nicht 1 Billion
Dollar, sondern 1,5 Billionen Dollar betragen. Dies wird uns ermöglichen,
die Traumarmee aufzubauen, die uns schon lange zusteht“, postete Trump auf
Truth Social. Ob der Kongress eine solch drastische Erhöhung absegnen wird,
ist unklar.
Die zwei weiteren Phasen des US-Plans für Venezuela – die des Aufschwungs
und des Wandels – ließen viel Luft zur Interpretation. Die USA wollen das
Land öffnen und Zugang zum venezolanischen Markt garantieren. Auch sollen
politische Gefangene entlassen und eine Zivilgesellschaft aufgebaut werden.
Als Reaktion auf das Briefing verteidigten Republikaner die
Militäroperation in Venezuela, die zur [2][Verhaftung von Ex-Präsident
Nicholás Maduro] führte, während Demokraten sie als illegal bezeichneten.
Der demokratische Abgeordnete Seth Moulton sagte, die Regierung würde
„völlig improvisieren“, die Republikanerin Kat Cammack erklärte hingegen,
sie habe „Klarheit über die Mission“ gewonnen.
## Stabilität statt Demokratie
Auch wenn viele Details im Dunkeln bleiben, wird klarer, warum die
US-Regierung aktuell auf Maduros Vizepräsidentin Rodríguez setzt. Berichten
zufolge war es ihre Fähigkeit, die strauchelnde Wirtschaft Venezuelas unter
Kontrolle zu bringen. Es gibt Spekulationen darüber, dass Rodríguez oder
enge Vertraute [3][die US-Operation zum Sturz Maduros unterstützten].
Mit Rodríguez setzt die Trump-Regierung auf „Stabilität statt Demokratie“,
sagte der ehemalige US-Botschafter Charles Shapiro. „Sie haben das
diktatorische Regime ohne den Diktator aufrechterhalten. Ich halte das für
extrem riskant.“
8 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Hansjürgen Mai
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