# taz.de -- Sogenannte Dokumentationen: Toni, Basti, David und Melania
       
       > Nicht erst seit „Melania“ werden PR-Filmchen als Dokumentationen
       > bezeichnet. Filmische Sportlerporträts sind oft erschütternd belanglos.
       
 (IMG) Bild: Der Hauptdarsteller bei der Premiere der Netflix-Serie über David Beckham
       
       Das muss man erst mal schaffen. Alle Welt redet über einen Film, den
       eigentlich niemand angeschaut hat. Klar, die Rede ist von „Melania“, das
       Amazon-Produkt über die Frau von US-Diktator Donald Trump. Warnungen werden
       ausgesprochen. Das sei keine Dokumentation, für die da auch in deutschen
       Städten auf den üblichen Reklameflächen unübersehbar geworben wird, heißt
       es dann. Es sei ein Imagefilm, ein PR-Produkt oder pure Propaganda für ein
       Leben, dessen Sinn vor allem darin besteht, das richtige Kleid zum
       anstehenden Dinner auszuwählen.
       
       Diese Art von Nichtdokumentationen, die unter dem Label Dokumentation
       laufen, gibt es zuhauf in den Angeboten der Streamingdienste oder den
       Mediatheken der Öffentlich-Rechtlichen. Besonders verbreitet ist dieses
       Genre unter den zahlreichen sogenannten Sportdokus. Die meisten dieser
       unterwürfigen Anhimmelungsfilme haben keinerlei neue Erkenntnisse zutage
       gefördert. Sie dienten allein der Überhöhung des porträtierten Subjekts
       oder Teams.
       
       Ein besonders grausames Beispiel dafür ist der Film mit dem besonders
       grausamen Titel „Schweinsteiger: Memories – Von Anfang bis Legende“, in dem
       [1][ein Mann im Fußballerruhestand] über sein Leben spricht, der
       vollständig mit sich im Reinen ist. Viel langweiliger kann es eigentlich
       gar nicht sein.
       
       Das wirklich einzig erwähnenswerte Detail ist der eitle Auftritt von Til
       Schweiger in dem 113 ewige Minuten währenden Film, an dem Deutschlands
       Lieblingsschauspieler als Produzent eigentlich schon Schaden genug
       angerichtet hatte.
       
       ## PR für den FC Bayern
       
       Ähnlich sinnlos war auch die kleine Amazon-Dokuserie über den deutschen
       Rekordmeister im Männerfußball mit dem Titel „FC Bayern – Behind the
       Legend“. Die verspricht einen „hautnahen Einblick in die Kabine“. Melania
       zieht sich zum Abendessen an, die Spieler des FC Bayern tun es für ein
       Champions-League-Spiel. Ein paar Archivbilder dazu und fertig ist eine
       Dokumentation mit Bildern, die man so noch nie gesehen hat.
       
       Dass so etwas nicht wirklich etwas taugen kann, war 2021, als der
       Bayern-Werbefilm erschien, nur allzu offensichtlich. Wer da in München
       durch die Fußgängerzone in der Stadtmitte gegangen und an dem hässlichen
       FC-Bayern-Kaufhaus vorbeigekommen ist, der konnte das riesige Werbeplakat
       für die Serie, das daran angebracht war, nicht übersehen. Vielleicht sollte
       man sich nur noch Sportdokus anschauen, bei deren Premiere die
       Porträtierten nicht anwesend sind. Man würde sich so manch devote filmische
       Hagiografie ersparen.
       
       ## Was Robbie Williams sagt
       
       Dann hätte man auch „Kroos“ nicht gesehen, die Scheindokumentation über
       Deutschlands international erfolgreichsten Fußballer aller Zeiten. Der von
       der [2][Film- und Medienstiftung NRW], des [3][Film-Fernseh-Fonds Bayern]
       sowie des Deutschen Filmförderfonds mit Steuermitteln gepamperte Streifen
       verspricht tiefe Einblicke in die Gedankenwelt eines der erfolgreichsten
       Fußballer der Welt. Es ist ein leeres Versprechen. Dafür weiß man nach
       Ansicht des Films, was Popstar Robbie Williams über Toni Kroos denkt: nur
       das Beste natürlich.
       
       Nicht viel anders ist das bei der [4][Netflix-Serie über Englands
       Heldenfußballer David Beckham]. Auch da gibt es nur das Bild zu sehen, das
       der Porträtierte selbst von sich zeichnet. Das hat bisweilen durchaus
       Tiefe, wenn Beckham über den psychischen Druck spricht, unter dem er
       bisweilen litt.
       
       In erster Linie scheint es in der Serie aber darum zu gehen, wie gut
       Beckham immer ausgesehen hat und wie gut er immer noch aussieht. Das könnte
       bei „Melania“ ähnlich sein. Vielleicht hat den Film ja doch jemand gesehen,
       der das bestätigen könnte.
       
       4 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Doku-ueber-Bastian-Schweinsteiger/!5686567
 (DIR) [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Film-_und_Medienstiftung_NRW
 (DIR) [3] https://de.wikipedia.org/wiki/FilmFernsehFonds_Bayern
 (DIR) [4] /Doku-Serie-Beckham/!5962051
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Rüttenauer
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Kolumne Gesten der Macht
 (DIR) Kolumne Kulturbeutel
 (DIR) Fußball
 (DIR) Fußball
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Was will der Film „Melania“?: Auf ihren Heels wirkt sie wie der Trump Tower
       
       In ihrer „kreativen Erfahrung“ stellt Melania ihren Donald als von der
       Justiz verfolgte Unschuld dar. Klingt milde, ist aber MAGA-Propaganda.
       
 (DIR) Herrscher in Trainingsanzügen: Staatstragende Joggingkleidung
       
       Nicolás Maduro ist nicht der erste Diktator, dessen Sportklamotten Kult
       wurden. Eine kleine Kulturgeschichte von Diktatoren mit Swoosh und
       Streifen.
       
 (DIR) Doku-Serie „Beckham“: Zu berühmt für den Platz
       
       Netflix porträtiert den Mann, der zu groß für den Fußball wurde: David
       Beckham. Sehenswert ist seine ambivalente Beziehung zu den britischen Fans.
       
 (DIR) Doku über Bastian Schweinsteiger: Einfach zum Heulen
       
       Bastian Schweinsteiger ist einer der großen Fußballhelden des Landes. Til
       Schweiger hat eine filmische Hagiografie über ihn produziert – mit Gefühl.