# taz.de -- Memes zum US-Angriff auf Venezuela: Das Grauen im Jogginganzug
       
       > Nach dem US-Angriff auf Venezuela fluten Memes von tanzenden Maduros,
       > Jogginganzügen und KI-Fakes das Internet. Trump inszeniert sich als
       > Actionheld.
       
 (IMG) Bild: „Who’s next?“: Ein KI-generiertes Bild geht viral
       
       Das Jahr war kaum ein paar Tage alt, da hatte das aus 2025 [1][vertraute
       absurde Tempo politischer Großereignisse] das Geschehen schon wieder fest
       im Griff: Während viele zwischen den Feiertagen noch orientierungslos
       zwischen Kühlschrank und Sofa pendelten und nur das Finale von „Stranger
       Things“ sehen wollten, war Donald Trump längst im Aktionsmodus. Statt
       Besinnlichkeit stand ihm der Sinn nach einer Blockbuster-reifen Entführung:
       der [2][Festnahme des venezolanischen Staatschefs Nicolás Maduro] und
       dessen Ehefrau.
       
       Trump rechtfertigte den Eingriff mit dem Schlagwort „Narcoterrorismus“ und
       sprach im selben Atemzug über wirtschaftliche Interessen und Venezuelas
       [3][Erdölvorkommen]. Die internationale Gemeinschaft diskutiert, ob es sich
       um einen strategisch-militärischen Coup oder um einen offenen Bruch des
       Völkerrechts handelt. Eine eindeutige [4][Antwort oder gar Haltung bleibt
       bislang aus].
       
       Auch die [5][deutsche Bundesregierung ringt noch um Worte], da ist Trump
       schon beim übernächsten Tabubruch angekommen. Er liebäugelt öffentlich mit
       der Übernahme [6][Grönlands] und droht Kolumbien.
       
       Bis westliche Regierungen ihre Sprache wiederfinden, lohnt sich der Blick
       auf einen anderen Schauplatz der Eskalation: die mediale Inszenierung. Denn
       zumindest das Internet liefert zuverlässig, die Meme-Maschine läuft auf
       Hochtouren und übernimmt, was Politik und Diplomatie schuldig bleiben: die
       Einordnung von Ereignissen, von denen man sich wünscht, sie wären wirklich
       nur ein Film.
       
       ## „Who’s next?“
       
       Trump wäre nicht Trump, wenn er die Aktion nicht gezielt und maximal
       wirksam in Szene setzen würde. Das Bild von Maduro im grauen
       Nike-Jogginganzug mit Sonnenbrille, Gehörschutz und Wasserflasche nach
       seiner Festnahme an Bord eines US-Kriegsschiffes ging sofort viral. Genauso
       ein KI-generiertes Bild von Trump, auf dem er ähnliche graue Hoodies von
       Nike im Bekleidungsgeschäft beäugt. Mit der Zeile „Who’s next?“ trifft es
       einen Nerv.
       
       Der Trend für das nächste Karnevalskostüm ist jedenfalls gesetzt, der
       Tech-Fleece-Anzug von Nike ist ausverkauft oder zumindest nicht mehr
       verfügbar. Auf die Frage, wer von dem Eingriff am meisten profitiere, die
       USA oder Venezuela, liefert das Netz eine klare Antwort: Nike.
       
       Der Jogginganzug ist dabei ein interessantes Detail. Denn in der
       politischen Bildsprache steht er für Volksnähe, Bodenständigkeit und
       Zugehörigkeit. Maduro nutzte dieses Stilmittel in der Vergangenheit
       bewusst, während sein autoritäres Regime in Wahrheit weder Nähe noch
       Freiheit gewährte. Dass der Diktator in diesem Outfit eine weltweite
       Witzfigur wird, ist eine bemerkenswerte Wendung des Trump’schen Drehbuchs.
       
       ## Ein Tanz zu viel?
       
       Nicht nur Internetnutzer treiben die Meme-Maschine an. Auch das Weiße Haus
       beteiligt sich aktiv an der popkulturellen Überhöhung der Operation.
       Offizielle Posts inszenieren den Zugriff wie eine Szene aus einem
       Actionfilm. Man ist fast enttäuscht, dass sich Trump à la „Mission
       Impossible“ nirgends abgeseilt hat. Wiederkehrendes Elemente sind Ausdrücke
       wie „FOFA“ („fuck around and find out“) und „if you don’t know, now you
       know“.
       
       Worauf sich „fuck around“ genau bezieht, bleibt offen. Es könnte gemeint
       sein, [7][dass der Internetauftritt Maduros mit Tänzen] und provokanten
       Video-Antworten auf Trumps Drohungen den US-Präsidenten genervt und ihn zum
       letzten Schritt motiviert haben könnte. [8][Möglicherweise war es „Ein Tanz
       zu viel“, schreibt die New York Times].
       
       Anders als bei einem klassischen Actionfilm ist aber auch zum Schluss noch
       nicht ganz klar, wer hier gut und wer böse ist. Und was man als Zuschauer
       für sich mitnehmen sollte, außer der unbequemen Einsicht, dass Abschalten
       zwar möglich, aber keine echte Option ist. Zumindest nicht für alle. Denn
       auch wenn die Bilder unterhalten mögen, die Memes als Comic Relief
       funktionieren und der Spott kurzfristig Struktur ins Chaos bringt, läuft
       der echte Film weiter. Vor allem für die Menschen in Venezuela und anderen
       Ländern, die zuschauen müssen, wie sich vor ihnen eine gewaltige
       Drohkulisse aufbaut.
       
       7 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://de.euronews.com/my-europe/2026/01/03/ruckblick-2025-welt-politik
 (DIR) [2] /Prozess-in-New-York-nach-US-Angriff/!6143111
 (DIR) [3] /Angriff-der-USA-auf-Venezuela/!6142595
 (DIR) [4] /EU-Reaktion-auf-US-Angriff-in-Venezuela/!6142977
 (DIR) [5] /Gruene-und-Linke-zu-US-Interventionen/!6142993
 (DIR) [6] /USA-greifen-nach-Groenland/!6142938
 (DIR) [7] https://edition.cnn.com/2025/11/23/world/video/maduro-dances-to-remix-speech-song-digvid-vrtc
 (DIR) [8] https://www.nytimes.com/2026/01/04/world/americas/trump-venezuela-leader-rodriguez-machado.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Giorgia Grimaldi
       
       ## TAGS
       
 (DIR) US-Angriff auf Venezuela
 (DIR) Meme
 (DIR) Donald Trump
 (DIR) Maduro
 (DIR) Nicolás Maduro
 (DIR) Venezuela
 (DIR) Kolumne Kulturbeutel
 (DIR) US-Angriff auf Venezuela
 (DIR) US-Angriff auf Venezuela
 (DIR) Grönland
 (DIR) Donald Trump
 (DIR) Meme
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Herrscher in Trainingsanzügen: Staatstragende Joggingkleidung
       
       Nicolás Maduro ist nicht der erste Diktator, dessen Sportklamotten Kult
       wurden. Eine kleine Kulturgeschichte von Diktatoren mit Swoosh und
       Streifen.
       
 (DIR) +++Nachrichten im Venezuela-Konflikt+++: Für Ölverkäufe: USA lockern eigene Sanktionen gegen Venezuela
       
       Um den Verkauf von Öl auf dem Weltmarkt zu sichern, lockern die USA
       Sanktionen. Zuvor hatten sie einen russischen Öltanker im Nordatlantik
       beschlagnahmt.
       
 (DIR) Russland nach Angriff auf Venezuela: Moskau verliert mehr als Macht
       
       Das Kidnapping des Diktators Maduro und Präsident Trumps geplanter Zugriff
       auf Venezuelas Öl haben Konsequenzen für Russland – und dessen Kriegs-Etat.
       
 (DIR) USA greifen nach Grönland: Trump, völlig unverfroren
       
       Dänemark und Grönland reagieren deutlich nach erneuten Trump-Äußerungen.
       Vor allem das Timing kurz nach Venezuela-Coup sorgt für Unruhe.
       
 (DIR) Pressesprecherin beleidigt Journalisten: Deine Mutter hat das Weiße Haus abgerissen
       
       Die Pressesprecherin vom Weißen Haus beleidigt Journalisten mit „Deine
       Mutter“-Sprüchen. Das ist nicht besonders originell.
       
 (DIR) Social-Media-Account des Weißen Hauses: Abschiebung als Meme
       
       Das Weiße Haus postet nicht zum ersten Mal Memes über Abschiebeflüge. Mit
       Humor versuchen Rechte ihr perfide Politik anschlussfähig zu machen.