# taz.de -- Wechsel im Kanzleramt: Merz’ neue Graue Eminenz
> Philipp Birkenmaier soll künftig das Büro von Kanzler Friedrich Merz
> leiten. Ein Mann vom CDU-Wirtschaftsflügel, auf dem große Hoffnungen
> ruhen.
(IMG) Bild: Der Neue im Kanzleramt: Philipp Birkenmaier
Schon mal von Beate Baumann oder Jacob Schrot gehört? Nein? Kein Ding.
Beide haben mal das Kanzler:innenbüro geleitet, und eine der
wichtigsten Eigenschaften in diesem Job ist es, hocheffizient, aber quasi
unsichtbar zu sein. Dass Schrot nun doch – ein bisschen – zur öffentlichen
Person geworden ist, liegt daran, dass Kanzler Friedrich Merz (CDU) ihn als
Büroleiter gefeuert hat. Offiziell heißt es in der [1][am Montag
verschickten Pressemitteilung] zwar, man habe sich in gegenseitigem
Einvernehmen getrennt. Aber na ja.
Dass es im Kanzleramt nicht rund läuft und Merz Probleme hat, Partei und
Fraktion hinter sich und seiner Politik zu versammeln, kann jede und jeder
seit Monaten verfolgen. Nach taz-Informationen deutete sich ein Wechsel im
Kanzleramt daher bereits seit November an.
Wobei die Kritik sich nicht nur an Schrot, sondern vor allem an
Kanzleramtschef Thorsten Frei entzündet. Der bleibt erst mal, insofern wird
Schrot auch als Bauernopfer gesehen.
Schrots Nachfolger steht indes schon fest: Philipp Birkenmaier soll neuer
Büroleiter werden. Der 50-jährige Volljurist, der an der TU Dresden
promovierte, bringt zwei für den Job wichtige Qualitäten mit: Er ist der
Öffentlichkeit kaum bekannt, in der CDU aber bestens vernetzt.
## Wirtschaftspolitiker durch und durch
Birkenmaier war vor knapp 20 Jahren schon mal als Referent im Kanzleramt
angestellt, damals beim eher unbedeutenden [2][Normenkontrollrat], der die
Bundesregierung in Sachen guter Gesetze berät. Ab 2012 arbeitete er sieben
Jahre lang als Geschäftsführer für den [3][Parlamentskreis Mittelstand
(PKM), in der Unionsfraktion] der mitgliederstärkste Machtblock.
Angela Merkels Wirtschaftsminister Peter Altmaier holte ihn 2019 als
[4][Stabsstellenleiter für Mittelstandsstrategie] in sein Haus. Mit dem
Regierungswechsel wechselte Birkenmaier als Bundesgeschäftsführer in die
CDU-Parteizentrale und organisierte zusammen mit Generalsekretär Carsten
Linnemann die Erarbeitung des [5][neuen Grundsatzprogramms].
Das 2024 einstimmig verabschiedete Programm trägt denn auch deutlich beider
Handschrift, mit einem Bekenntnis zu einer „konsequenten
Mittelstandspolitik“, einer „positiven Grundhaltung zum Unternehmertum“ und
der Ablehnung einer Vermögensteuer.
Im Wirtschaftsflügel der Union ist die Freude über die Neubesetzung in
Merz’ Vorzimmer groß. Der Vorsitzende des PKM, Christian von Stetten, sagte
der taz, Birkenmaier habe bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass
er über große wirtschaftspolitische Expertise verfüge. In die CDU und in
die Parteizentrale sei unter seiner Führung neuer Schwung eingekehrt. Von
Stetten glaubt, dass Birkenmaier diesen auch ins Kanzleramt tragen kann.
„Er ist jemand, der Politik organisieren kann und weiß, welche Akteure man
wie und wann einbinden muss. Das wird der Arbeit dieser Bundesregierung
guttun.“
Von Stetten, der seit 15 Jahren für den PKM spricht, kennt Birkenmaier
lange und hält große Stücke auf ihn: Er sei für den neuen Job bestens
gerüstet. „Es ist ihm gelungen, die Erarbeitung des neuen
Grundsatzprogrammes so zu organisieren, dass die gesamte Partei mitgenommen
wurde.“ Das habe dazu geführt, dass die Partei so geschlossen wie nie in
den letzten Bundestagswahlkampf gehen konnte.
Ein sanfter Hinweis darauf, was Birkenmaier nun leisten soll: die Partei
und den Kanzler wieder zusammenbringen. Und natürlich mit dem Flügel
versöhnen, der Merz ins Kanzleramt trug – dem Wirtschaftsflügel.
Merz habe mit der Personalie Birkenmaier ein Zeichen an seine Kritiker
gesetzt – aber noch keine Lösung für die Probleme präsentiert, meint ein
alt-gedienter CDU-Politiker und früherer Weggefährte Merkels. Er beschreibt
Birkenmaier als „sehr bodenständig, sehr anständig und vor allem
hervorragend im Mittelstand vernetzt“. Aber hat Zweifel, ob dieser die
hohen in ihn gesetzten Erwartungen überhaupt erfüllen könne, „nämlich die
teils chaotischen Entscheidungsprozesse in der Koalition zu lichten“. Dazu
müsse Birkenmaier zum einen Vertrauen zur SPD aufbauen. Zum anderen aber
müsse die Aufgabenverteilung im Kanzleramt klarer werden.
Letzteres ist dann wohl Chefsache.
6 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://cvd.bundesregierung.de/cvd-de/suche/wechsel-in-der-leitung-des-kanzlerbueros-2401602?continue
(DIR) [2] https://www.normenkontrollrat.bund.de/Webs/NKR/DE/der-nkr/aufgabe/aufgabe_node.html
(DIR) [3] https://www.cducsu.de/sites/default/files/2024-12/Flyer%20PKM%202024_WEB.pdf
(DIR) [4] https://www.politik-kommunikation.de/personalwechsel/altmaier-schafft-zwei-neue-stabsstellen-im-bmwi/
(DIR) [5] https://www.cdu.de/app/uploads/2025/08/240507_CDU_GSP_2024_Beschluss_Parteitag.pdf
## AUTOREN
(DIR) Anna Lehmann
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