# taz.de -- Israel und Libanon: Eine Waffenruhe, die nicht hält
       
       > Israel setzt Luftschläge im Libanon fort. Die UN spricht von schwerer
       > Zerstörung, massiven Luftraumverletzungen und möglichen Kriegsverbrechen.
       
 (IMG) Bild: Blick durch die Ruinen: Bewohner von Ghazieh bei Sidon inspizieren die Zerstörung nach dem Luftangriff am 6. Januar
       
       Am Dienstagmorgen bombardierte die israelische Armee ein dreistöckiges
       Geschäftsgebäude in der Küstenstadt Sidon im Süden des Libanons. Damit
       setzt Israel die Verletzung der mit dem Nachbarland vereinbarten Waffenruhe
       fort. Das Gebäude lag in einem Gewerbegebiet mit Werkstätten und war
       unbewohnt, berichtet die Nachrichtenagentur AP. Mindestens eine Person
       wurde mit einem Krankenwagen abtransportiert, Rettungskräfte suchten nach
       weiteren Opfern. Tote wurden nicht gemeldet.
       
       Bereits am Montagabend kam es auch in anderen Landesteilen zu Angriffen.
       Zunächst wurden Bewohner*innen in Regionen im Süden und Osten des
       Libanon per Warnhinweisen aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen,
       anschließend wurden vier Dörfer bombardiert: Ain al-Tineh, al-Manara, Annan
       und Kfar Hatta.
       
       Die jüngsten Angriffe stehen vor dem Hintergrund einer zwischen beiden
       Staaten vereinbarten Waffenruhe, die seit dem 27. November 2024 gilt.
       Israels und Libanons Regierung hatten dem Abkommen – das auch die Hisbollah
       akzeptiert hat – zugestimmt. Dennoch werden seither immer wieder
       israelische Luftangriffe und Militäroperationen im Libanon gemeldet.
       
       Seit Inkrafttreten der Vereinbarung wurden nach Angaben des
       UN-Menschenrechtsbüros mindestens 127 Zivilist*innen getötet; das
       libanesische Gesundheitsministerium spricht von mindestens 335 Toten und
       973 Verletzten. Die UN-Beobachtungsmission Unifil registrierte mehr als
       7.300 Verletzungen des libanesischen Luftraums sowie über 2.400 Aktivitäten
       israelischer Soldaten im Südlibanon. Zerstört wurden demnach Wohnungen,
       Straßen und Fabriken.
       
       ## Kein Recht auf Präventivschläge
       
       UN-Sprecher Thameen Al-Kheetan sprach von möglichen Völkerrechtsverstößen,
       der UN-Sonderberichterstatter für willkürliche Hinrichtungen, Morris
       Tidball-Binz, von „Kriegsverbrechen“ und einem „beunruhigenden Muster
       tödlicher Angriffe“. Prinzipiell verbietet die [1][UN]-Charta alle Angriffe
       auf andere Staaten. Artikel 2 garantiert die territoriale Unversehrtheit
       souveräner Staaten. Ein Recht auf Präventivschläge gibt es nicht.
       
       Die israelische Armee besetzt noch immer illegal fünf Gebiete im
       Südlibanon, die sie als Militärbasen nutzt. [2][Satellitenbilder] und
       Fotografien zeigen, dass die Basen im vergangenen Jahr verstärkt und
       ausgebaut wurden: Sie haben verstärkte Betonmauern, Beobachtungsposten,
       Überwachungstechnik und in mindestens einem Fall ein Maschinengewehr. Laut
       UN-Menschenrechtsbüro ist das Rückkehrrecht von rund 65.000 Menschen
       verletzt, die vor den Angriffen geflohen waren und weiter nicht
       zurückkönnen.
       
       Der Waffenruhe-Deal sieht auch die Entwaffnung der Hisbollah vor. Die
       libanesische Regierung hatte angekündigt, dass die Armee die Hisbollah im
       Südlibanon bis Ende 2025 entwaffnen soll; die Miliz hat das teilweise
       akzeptiert. Sie will sich hinter den Litani-Fluss im Süden zurückziehen,
       aber nördlich davon ihre Waffen behalten. Nun läuft die zweite Phase des
       Plans – die Entwaffnung im Rest des Landes. Dagegen wehrt sich die
       Hisbollah jedoch.
       
       6 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.fr.de/politik/geschichte-un-vereinte-nationen-frieden-staatenbund-92673909.html
 (DIR) [2] https://www.nrc.nl/nieuws/2025/12/29/israel-is-expanding-and-strengthening-its-temporary-military-bases-in-southern-lebanon-a4915869
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Julia Neumann
       
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       Dörfer zurück.