# taz.de -- Stromausfall nach Brandanschlag: Berlins Südwesten bleibt dunkel
       
       > Notstromaggregate sichern nach dem großen Stromausfall die Versorgung von
       > Krankenhäusern und Pflegeheimen. Auch die Bundeswehr soll nun helfen.
       
 (IMG) Bild: Der Regierende Bürgermeister besichtigt die Baustelle nach dem Kabelbrand. Zehntausende sind weiterhin ohne Strom
       
       Am Tag drei des großen Stromausfalls in Berlins Südwesten gehen die
       Reparaturarbeiten weiter. „Mit Hochdruck“ arbeite man daran, die [1][durch
       einen Brandanschlag zerstörten Leitungen an einer Kabelbrücke über den
       Teltowkanal] instand zu setzen, betonte Berlins Regierender Bürgermeister
       Kai Wegner (CDU) bei einer Pressekonferenz am Montagmittag. Gleichzeitig
       versuchten die Stromnetze, die betroffenen Stadtteile über eine zweite
       Leitung mit einer Baustelle an der Argentinischen Allee wieder ans Netz zu
       bringen.
       
       „Das Problem ist, dass wir neben Mittelspannungskabeln auch
       Hochspannungskabel ersetzen müssen“, erklärte Bernhard Büllmann,
       Geschäftsführer der Stromnetz Berlin. Hochspannung sei deutlich schwieriger
       zu flicken, noch dazu bei dem aktuellen Winterwetter. Die 10 Zentimeter
       dicken Kabel müssen dafür vorgewärmt werden, auch die Baugrube, für die sie
       150 Kubikmeter Boden ausgehoben hätten, werde erwärmt. Büllmann lobte dabei
       die Unterstützung aus vielen anderen Bundesländern, sie hätten ihnen
       Material bereitgestellt, „aber auch Menschen mit der Kompetenz,
       Hochspannungskabel zu reparieren“, das könnten nur wenige.
       
       Büllmann sagte, er sei zuversichtlich, dass bis Donnerstagnachmittag wieder
       [2][alle Menschen in den betroffenen Teilen von Nikolassee, Zehlendorf,
       Wannsee und Lichterfelde] versorgt werden könnten. Am Montag waren noch
       immer rund 28.000 Haushalte und rund 1.500 Gewerbe dort ohne Strom.
       Allerdings seien die Krankenhäuser verlässlich auf Notstromaggregate
       umgestellt und auch 64 der insgesamt 74 Pflegeheime würden inzwischen mit
       Notstrom versorgt, die anderen zehn Einrichtungen sollten im Laufe des
       Tages folgen, sagte Ina Czyborra, Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit
       und Pflege (SPD). Dadurch werde es nicht notwendig, die pflegebedürftigen
       Menschen woanders hin zu verlegen. Auch Supermärkte konnten dank Notstrom
       inzwischen wieder öffnen.
       
       Aber Notstrom – das sei immer nur eine punktuelle Lösung, erklärte
       Büllmann. „Es ist immer noch zeitlich schneller, die Struktur wieder
       herzustellen, als alle Haushalte über Notstrom zu versorgen“, betonte er.
       Doch auch Notstromaggregate laufen nicht von allein, sie brauchen Diesel.
       In den kommenden Tagen sollen Bundeswehrsoldat*innen diese
       zuverlässig befüllen. Berlin hat die Hilfe der Bundeswehr angefordert,
       Verbindungsoffiziere nehmen schon jetzt an allen wichtigen
       Krisenstabstreffen teil und das Land erwartet nun die schnelle Genehmigung
       der Hilfe, sagte Wegner.
       
       ## Zusammenhalt ist groß
       
       Wegner lobte auch den Zusammenhalt der Menschen vor Ort und sagte, es sei
       bewundernswert, was die Zivilgesellschaft beitrage. „Die meisten sehen, was
       geleistet wird, die meisten packen mit an“, sagte er. Andere Bundesländer
       seien ungefragt auf Berlin zugekommen, um Hilfe anzubieten. „Wir werden
       alle Hilfe brauchen und sie auch in Anspruch nehmen“, sagte Wegner. Sein
       Ziel sei es, die Menschen „durch diese Krise zu führen“, sie wieder mit
       Strom und Wärme zu versorgen und [3][im Nachgang die Infrastruktur besser
       als bisher zu schützen]. „Denn die kritische Infrastruktur ist angreifbar“,
       sagte er.
       
       Dabei sieht sich der Senat in der Krisenbewältigung bisher „gut
       aufgestellt“. „Die Krisenstäbe funktionieren“, betonten alle anwesenden
       Regierungsmitglieder. Franziska Giffey, Senatorin für Wirtschaft, Energie
       und Betriebe (SPD) sagte, es sei insbesondere erfreulich, dass die Menschen
       in der Zehlendorfer Thermometersiedlung schon wieder Strom hätten. In den
       dortigen Hochhäusern wohnten viele alte, schwache und arme Menschen. Sie
       wies außerdem darauf hin, dass es noch eine Herausforderung wird, alle
       Heizungen wieder in Betrieb zu nehmen.
       
       Steglitz-Zehlendorfs Bezirksbürgermeisterin Maren Schellenberg (Grüne) wies
       auf Übernachtungsmöglichkeiten in den drei Notunterkünften und zwei
       weiteren im benachbarten Brandenburg hin. Dort könnten Menschen sich auch
       aufwärmen, Geräte aufladen oder Informationen bekommen. Sie bedankte sich
       beim Senat, dass dieser die Großschadenslage ausgerufen hat. „Länger als
       zwei Tage geht es nicht mit gutem Willen. Wir brauchen dann mehr“, sagte
       sie. Die Großschadenslage biete dafür die Voraussetzung – etwa auch weil
       Ehrenamtliche von THW, DRK und Johannitern dann von ihrer Arbeit
       freigestellt werden. Die Ehrenamtlichen haben in den vergangenen Tagen
       demnach einen Großteil der Aufgaben übernommen.
       
       5 Jan 2026
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Uta Schleiermacher
       
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