# taz.de -- Empörung über KI-generierte Popmusik: Epigonen schulen sich an dem, was es schon gibt
> Tipp für 2026: Beauftragen Sie die KI, tausend Songs im Stil von
> aktuellem Pop zu produzieren. Laden Sie den Krempel bei den
> Streaming-Anbietern hoch.
(IMG) Bild: Szene aus dem Beatles-Zeichentrickfilm „Yellow Submarine“, 2004
Sie möchten wissen, was 2026 auf Sie zukommt? Mal abgesehen vom Heulen und
Zähneklappern allüberall: Die Empörung über KI-generierte Popmusik wird
sich 2026 legen bzw. einfach von der Entwicklung überrollt werden. Die
Kampfbereitschaft wird sich in die juristisch und wirtschaftlich
bedeutenden Bereiche wie Copyright, Höhe von Tantiemenzahlungen und
staatliche Förderungen zurückziehen. Denn die Schlacht um den KI-Einsatz in
der täglichen Musikproduktion ist nicht mehr zu gewinnen.
Schaut man in die (nicht existierenden) Pop-Musikgeschichtsbücher, stellt
man fest: Das war schon immer so. Wie wurde geschimpft und zum Widerstand
aufgerufen, als damals durchs Multitracking in der Studiotechnik der
Einsatz von Orchestern bei Musikaufnahmen weggespart werden konnte; als
Rhythmusmaschinen und andere elektronische Helferlein den Prozess billiger
und die Verpflichtung von Schlagzeuger*innen und andere
Musikhandwerker*innen überflüssig machten. Meist fließt irgendwo ein
wenig Geld an irgendwen, und dann geht’s weiter im Text.
Was heißt das für den musikalischen Alltag 2026? Es wird zunächst wenig
Änderung spürbar sein. Die Vergrößerung des Anteils an komplett oder
teilweise KI-generierter Musik in den Playlists der Streaming-Plattformen
wird für die Laien kaum erkennbar sein, da menschengenerierte Pop- und
Gebrauchsmusik sich letztlich derselben Methoden bedient: Epigonen schulen
sich an dem, was es schon gibt, sie „prompten“ sich, einen Ed-Sheeran-,
Coldplay- oder Taylor-Swift-artigen Song hervorzubringen.
Das ist nichts Neues, sondern die Kernaufgabe in der Welt der von
wirtschaftlichen Interessen bestimmten industriellen Musikproduktion
(analog ausweitbar auf die Welt der Kulturproduktion insgesamt). [1][Wenn
die Welt die Beatles], Elton John und Mariah Carey liebt und eher bereit
ist, für ihre Werke Geld zu bezahlen (als für die der Pretty Things, von
[2][Van Dyke Parks] und Janis Ian), machen es sich die
Musikproduzent*innen zur Aufgabe, ihnen ein, zwei, viele Beatles,
Elton Johns und Mariah Careys zu liefern. KIs erleichtern diese Aufgabe und
beschleunigen ihre Erledigung bedeutend, erbringen aber kaum qualitativ
andere Resultate.
## Aufmotzen, frisieren, kurzschließen
Spannend wird es hingegen immer, so lehren eine*n die o. a.
Musikgeschichtsbücher, wenn neue Technologien gegen den Strich gebürstet
werden; wenn man sie aufmotzt, frisiert, kurzschließt, so dass man sich
endlich ihrer immensen technischen Möglichkeiten dienstbar machen kann und
nicht mehr auf den werksseitig eingestellten doofen, kleinen, systemtreuen
Wirkbereich beschränkt bleiben muss. Die Sensation, die sich einstellt,
wenn sich etwa Leute wie Sister Rosetta Tharpe, Jimi Hendrix und [3][Mary
Halvorson] die Technologie und die verfügbaren Geräte zur Manipulation des
Klangs einer Gitarre untertan machen! Das nun mal übertragen auf die
Musik-KIs – OMG!
Hier könnte es 26 – neben etlichen Pranks und Juxereien – einige fette,
künstlerische Überraschungen geben. Und gleich noch ein Karrieretipp für
alle, die lieber heute als morgen von Maloche auf müheloses Einkommen
umstellen möchten: Beauftragen Sie die KI Ihres Vertrauens, je tausend
Songs im Stil von Olivia Dean, Zah1de und Daniela Alfinito zu produzieren,
dazu Künstlernamen, Bilder, Bios und Videos zu liefern und laden Sie den
ganzen Krempel bei den einschlägigen Streaming-Anbietern hoch.
Wäre doch gelacht, wenn da nicht ein Hit dabei ist und Sie noch in diesem
Frühjahr in Ihr eigenes 300-qm-Penthouse in Dubai umziehen können! Und im
unwahrscheinlichen Fall, dass es nicht funktioniert: Probieren Sie es
einfach morgen nochmal! Wie hieß es früher in der Glücksspiel-Werbung?
„Dranbleiben – einmal klappt’s bestimmt!“
22 Jan 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Detlef Diederichsen
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