# taz.de -- Künstliche Intelligenz gegen Lokalkultur: KI-Songs essen Seele auf
       
       > Am Flughafen von Honolulu auf Hawaii werden seit November 2025 KI-Songs
       > gespielt statt traditioneller hawaiianischer Musik. Nun formiert sich
       > dagegen Protest.
       
 (IMG) Bild: Da nervte noch keine KI: Flughafen von Honolulu in den 1970ern. Cover der Compilation von Roger Bong
       
       Hawaiianische Kultur wird gemeinhin mit stereotypen Bildern und Klängen
       assoziiert – Baströcke und Blumenkränze, Ukulele und Slide-Gitarre. Wer
       dieser Tage allerdings zur vollen Stunde durch die Terminals Eins und Zwei
       am Daniel K. Inouye International Airport von Honolulu streift, dem werden
       noch ganz andere Klischees vorgegaukelt: aufgekratzte Dancepop-Songs mit
       Zeilen wie „From the baggage crew to the TSA line / Everything’s fine“
       („Von Gepäckabfertigung bis Security-Check läuft alles rund“).
       
       Als wäre das an nicht schon bizarr genug, ergab eine Recherche des
       hawaiianischen Magazins Civil Beat, dass die 17 seit November 2025 am
       Flughafen Honolulu laufenden [1][Songs mit KI generiert] wurden. Der
       Bericht löste bei der hawaiianischen Bevölkerung Empörung aus:
       [2][Abneigung gegen KI-generierte Musik] paart sich mit Kritik daran, dass
       der Flughafenbetreiber regionalen Musiker:innen, deren Songs dort bisher zu
       hören waren, Tantiemenzahlungen vorenthalte und zudem drohe, hawaiianisches
       Kulturgut zu verdrängen.
       
       Warum die 17 KI-Stücke überhaupt erstellt wurden, bleibt unklar. Auf
       taz-Anfrage antwortet eine Sprecherin des hawaiianischen
       Verkehrsministeriums ausweichend. Sie verweist darauf, dass das
       Musikprogramm weiterhin von traditionellem Folk geprägt ist und der
       Flughafen Honolulu dafür weiter Tantiemenzahlungen in Höhe von 10.500
       US-Dollar pro Jahr bezahle. Generiert wurden die Stücke allerdings mit dem
       KI-Modell von Suno. Das US-Unternehmen ist derzeit weltweit in zahlreiche
       Urheberrechtsprozesse verwickelt.
       
       ## Unerlaubtes Training
       
       Unter anderem klagt die deutsche Verwertungsgesellschaft GEMA in einem
       Prozess, dessen Urteil am 12. Juni erwartet wird, gegen Suno. Dabei geht es
       um das mutmaßlich unerlaubte Training von KI an urheberrechtlich
       geschützten Inhalten.
       
       Das hawaiianische Verkehrsministerium weist zwar darauf hin, dass zur
       Erstellung der Songs keine Steuergelder aufgebracht wurden. Musiker:innen,
       deren Werke von Suno ohne Einverständnis und finanzielle Kompensation
       verwendet wurden, wird das freilich nicht besänftigen. „KI-Musik ersetzt
       nicht die lizenzierte hawaiianische Musik, die wir im Flughafen spielen“,
       heißt es weiter. Kann das stimmen, wenn die KI-Songs nunmehr Teil eines
       Programms sind, das zuvor ausschließlich mit menschengemachter Musik
       bestückt wurde? Dazu äußerte sich die Behörde nicht.
       
       Für Roger Bong zumindest wirft die Angelegenheit eine zentrale Frage auf:
       „Was passiert, wenn KI einen öffentlichen Raum ausfüllt, in dem Musik aus
       Hawaii repräsentiert werden soll?“, fragt er. Als Reaktion auf die
       Recherche von Civil Beat hat Bong eine Compilation mit ebenfalls 17 Stücken
       zusammengestellt. „Music for the Airport“ heißt sie und umfasst
       ausschließlich Musik hawaiianischer Künstler:innen aus den Jahren 1984
       bis 2017. Mit Soft Rock, funkigen Rhythmen und hawaiianischer Slack-key
       Gitarre zeichnen sie das vielfältige Klangbild einer Kultur, die aus mehr
       als nur Klischees besteht.
       
       ## Reichhaltige Musikkultur
       
       Die Compilation steht damit auch in der Tradition von Bongs Arbeit mit dem
       Label Aloha Got Soul. Der Musikkurator hat sich darauf spezialisiert,
       vergessene Perlen neu aufzulegen – Single-B-Seiten der reichhaltigen
       Musikgeschichte der Inseln. „Hawaii ist vom Tourismus abhängig und muss
       deshalb als tropisches Paradies beworben werden“, erklärt er seine
       Motivation dafür. „Aber das kann dazu führen, dass aus einer komplexen und
       vielschichtigen Kultur ein einseitiges Bild wird.“ Das schadet auch, weil
       es Missstände übertüncht.
       
       Als US-Bundesstaat ist Hawaii nicht nur ein beliebter Ferienort, an dem
       Superreiche vom US-Festland ihre Urlaubsdomizile besitzen. Es ist ebenso
       ein Testgelände fürs Militär und immer wieder Schauplatz ökologischer und
       gesundheitsschädlicher Katastrophen, die auf die Aktivitäten von US-Armee
       und großen Agrarunternehmen zurückzuführen sind. Mittlerweile gibt es auch
       [3][Pläne, dass auf den Inseln Rechenzentren] zum Training von KI-Modellen
       zu errichtet werden sollen.
       
       Vor diesem Hintergrund mag es nebensächlich scheinen, dass der Flughafen
       von Honolulu seinen jährlich rund 21 Millionen Fluggästen dann und wann
       einen KI-Song vorspielt. Doch es ist bezeichnend, wie mittels KI kulturelle
       Eigenarten nivelliert und die umfassende Darstellung kultureller
       Komplexität verunmöglicht wird. Roger Bong bezeichnet den KI-Output als
       „Zusammenfassung einer Zusammenfassung“, Simulacrum einer Wirklichkeit, die
       es so gar nicht gibt.
       
       Hawaiis reichhaltige Musikgeschichte wird für einige flotte Themensongs
       ohne ästhetische Bezüge zur regionalen Kultur auf alberne Songtexte
       zusammengestrichen. „Wie soll Hawaii als Ort seine Seele bewahren, wenn er
       sich der Welt zuerst mit KI präsentiert?“, fragt Bong.
       
       17 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /KI-Musik-auf-Streamingplattformen/!6148090
 (DIR) [2] /Musikbranche-im-KI-Zeitalter/!6104698
 (DIR) [3] https://www.civilbeat.org/2026/05/ai-data-centers-are-the-new-plantations-unless-we-build-them-differently/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Kristoffer Cornils
       
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       Pop zu produzieren. Laden Sie den Krempel bei den Streaming-Anbietern hoch.