# taz.de -- Schwere Zeiten für Tesla: Der abgehängte Pionier
> Den Spitzenplatz als weltgrößter E-Autobauer hat Elon Musks Konzern an
> BYD aus China verloren. Das hat politische wie technische Gründe.
(IMG) Bild: Für André Thierig, Werksleiter in Grünheide, ist Tesla „kein normales Automobilunternehmen“
Tesla sei kein normales Automobilunternehmen. Diese mantraartig wiederholte
Selbstdarstellung des US-Elektroautobauers will Werksleiter André Thierig
seiner Belegschaft im Tesla-Werk Grünheide mal wieder beweisen.
Um die Mittagszeit werden alle Mitarbeitenden für eine Überraschung
freigestellt. Als sich die Belegschaft im „Gigadome“, der werkseigenen
Veranstaltungshalle sammeln, [1][steigt Deutschrap-Urgestein Kool Savas aus
einem Cybertruck auf die Bühne]. Im Anschluss an das etwas peinliche
30-Minuten-Konzert verkündigt Thierig eine Gehaltserhöhung und wettert
gegen die Gewerkschaft IG Metall. Und verspricht der Belegschaft: Die
Arbeitsplätze in Grünheide sind sicher.
Die Szene sagt viel darüber aus, wo das Ausnahmeunternehmen Tesla im Jahr
2026 steht. Einst bejubelter Branchenpionier, der der deutschen
Automobilindustrie den Weg in die elektrische Zukunft weist, ist Tesla
heute vor allem damit beschäftigt, nicht den Anschluss zur Konkurrenz zu
verlieren. Getrieben von Gewerkschaften entwickelt sich Tesla zumindest in
Deutschland zu etwas, was es nie werden wollte – einem ganz normalen
Automobilunternehmen.
Das Jahr 2025 war für Tesla kein gutes. Im Februar brachen die Absätze in
Europa im Vergleich zum Vorjahr um fast die Hälfte ein. Grund waren vor
allem die politischen Eskapaden des Firmenchefs Elon Musk in den USA. Musk
unterstützte nicht nur Trumps Wahlkampf finanzkräftig, sondern wirkte
[2][mit dem selbstgeschaffenen „DOGE“-Ministerium] tatkräftig am
autoritären Staatsumbau der USA mit. In Deutschland rührte Musk die
Werbetrommel für die AfD – keine gute Werbung für die eher liberal
gesinnten E-Autokund:innen.
## Nicht mehr der größte E-Autobauer
Auch wenn Musk sich mittlerweile von Trump distanziert und aus der
US-Politik zurückgezogen hat, haben sich die Umsätze bei Tesla noch nicht
wieder erholt. Die Auslieferungen brachen im vierten Quartal nach 495.000
Fahrzeugen im Vorjahreszeitraum auf 418.227 Stück ein, wie das Unternehmen
mitteilte.
Mit dem Jahresabschluss hat Tesla den Spitzenplatz als weltweit größter
Hersteller von Elektroautos an den Konkurrenten BYD aus China verloren. Das
dürfte auch mit Trumps Politik in den USA zu tun haben: Er hatte eine
Steuervergünstigung von 7.500 Dollar beim Kauf von Elektroautos Ende
September auslaufen lassen.
Für ein Unternehmen wie Tesla, das seine Produktionszahlen bis 2030
eigentlich verzwanzigfachen wollte, sind solche Zahlen ein Fiasko. Gründe
sind allerdings nicht nur Elon Musks rechtsextreme Gesinnung oder Donald
Trumps Anti-Haltung zur E-Mobilität. E-Auto-Pionier Tesla hat auch seinen
Innovationsvorsprung eingebüßt.
„Der Imageschaden ist nicht das größte Problem von Tesla. Menschen, die ein
Auto kaufen, gucken sich in erster Linie das Auto an“, sagt
Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer vom Center for Automotive Research.
Und in der Hinsicht sei Tesla mittlerweile schlecht aufgestellt. Die
Produktpalette ist veraltet, die Konkurrenz wird stärker. Das letzte große
neue Modell, der Cybertruck, sei „grandios gescheitert“, sagt Dudenhöffer.
2025 seien lediglich „Facelifts“, Überarbeitungen alter Modelle, auf den
Markt gekommen.
Die Konkurrenz kommt in erster Linie aus China. Die Elektroautos von BYD
oder Xpeng sind Tesla mittlerweile technisch sogar überlegen. Noch
schmerzhafter: Auch im verheißungsvollen Zukunftsmarkt des autonomen
Fahrens hinkt Tesla hinterher. Während Teslas „Self-Driving“-Funktion
weiterhin ein gefährlicher Etikettenschwindel ist, fahren in chinesischen
Großstädten bereits vollautonome Robotertaxis umher. „Die Robotaxen sind in
China und die werden im nächsten Jahr auch nach Europa kommen“, prophezeit
Dudenhöffer.
Elon Musks Vision der Verkehrswende – elektromotorisierter
Individualverkehr und selbstfahrende Taxis statt dem öffentlichen
Nahverkehr – treiben heute vor allem chinesische Unternehmen weiter voran.
Verantwortlich dafür sind auch die verbrennerfreundlichen Rahmenbedingungen
in den USA und Europa. „Die USA haben kein Interesse mehr an
CO2-reduzierten Fahrzeugen“, sagt Dudenhöffer.
## In Grünheide soll die Produktion steigen
Trotz der Probleme, mit denen Tesla global zu kämpfen hat, hat sich das
2022 eröffnete Werk in Grünheide als erstaunlich krisenfest erwiesen. Die
Absatzrückgänge in der EU werden laut Tesla durch Exporte in die Türkei,
Norwegen und Kanada aufgefangen.
Erst vor wenigen Wochen kündigte Tesla gegenüber dem Tagesspiegel an, einen
dreistelligen Millionenbetrag zu investieren, um die
Batteriezellenproduktion komplett nach Grünheide zu verlagern. Auch die
Produktion solle im nächsten Jahr gesteigert werden.
Derzeit liegt die Produktion nach Angaben Teslas bei 5.000 Fahrzeugen pro
Woche, was einer Jahresproduktion von rund 250.000 Fahrzeugen entspricht.
Werksleiter André Thierig bekräftigt gegenüber der Märkischen Oderzeitung,
es solle bei der Produktionsmenge bleiben.
Die Kapazitäten des Werkes liegen aktuell bei 500.000 Fahrzeugen pro Jahr.
Geplant und bereits genehmigt ist eine Erweiterung auf eine Million
Fahrzeuge – das Doppelte von dem, was VW in seinem Stammwerk in Wolfburg
2023 produziert hat.
Von einer Erweiterung ist keine Rede mehr. Zwar bleibt Tesla von der Krise
der deutschen Autoindustrie als reiner E-Autobauer verschont. Allerdings
profitiert das Unternehmen im Vergleich zur Konkurrenz am wenigsten vom
rasanten Wachstum des E-Auto-Marktes. Stattdessen kämpft Tesla mit
Preisnachlässen erbittert um Marktanteile.
Ein Stück weit hat die Stagnation dazu beigetragen, den Konflikt um das
Wasser im dürregeplagten Brandenburg zu befrieden. Denn in seiner jetzigen
Dimension braucht das Werk deutlich weniger Wasser, als Tesla ursprünglich
zugesichert wurde.
[3][Im Juli unterschrieben der örtliche Wasserverband Strausberg-Erkner und
Tesla einen neuen Vertrag, der die Gesamtwassermenge deutlich verringert.]
Zuvor hatte es einen Planungsstopp für neue Industrieansiedlungen gegeben,
weil Tesla ein Großteil der knappen Wasserkontingente belegt hatte. Die
Gefahr, dass bei Havarien austretende Chemikalien das Grundwasser des
Wasserschutzgebiets, in dem die Fabrik sich befindet, verseuchen könnte,
besteht aber weiterhin, fürchten Kritiker:innen.
## Streit mit der Gewerkschaft
Auch in Bezug auf die Arbeitsbedingungen bewegt sich Tesla immer weiter auf
den innerdeutschen Branchenstandard zu. Mit der vierprozentigen
Lohnerhöhung Anfang Dezember nähert sich Tesla weiter dem Tariflohn an. Die
IG Metall spricht weiterhin von einem Lohnunterschied von 30 Prozent in der
Einstiegsposition. In höheren Lohngruppen gibt es aber kaum noch
Unterschiede.
Grund dafür dürfte vor allem der Druck der Gewerkschaft sein, die seit der
Eröffnung 2022 beharrlich versucht, im Werk Fuß zu fassen. Im kommenden
März stehen Betriebsratswahlen an und die IG Metall könnte dann das erste
Mal die Mehrheit stellen. Zu verbessern gibt es für die Gewerkschaft noch
einiges: bezahlte Kurz-Pausen, eine 35-Stunden-Woche, mehr Personal in den
Teams. Eine Petition mit diesen Forderungen unterschrieben im März über
3.000 Tesla-Arbeiter:innen.
Der Sieg der IG Metall oder gar ein Tarifvertrag sind Szenarien, vor denen
sich das Management fürchtet. „Agilität und Schnelligkeit sind schwer
vereinbar mit der Gewerkschaft“, sagte Werksleiter André Thierig Ende
November der Märkischen Oderzeitung. In internen Meetings [4][warnt Thierig
laut einem Bericht des Handelsblatts vor einem Sieg der IG Metall]. In dem
Falle würde „Elon“ vielleicht doch nicht in das neue Batteriewerk
investieren.
Auch der überraschende Auftritt von Kool Savas Anfang Dezember ist ein
Ausdruck dieser gewerkschaftsfeindlichen Nervosität. Nach zwei Stunden ging
es für die Mitarbeiter:innen wieder ans Band zurück. Grundsätzlich
arbeite er gerne bei Tesla, berichtet ein Mitarbeiter der taz. Aber:
„Manchmal pushen sie zu viel, um eine gute Stimmung zu erzeugen. Das
nervt“.
2 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Umstrittener-Auftritt-im-Tesla-Werk/!6141534
(DIR) [2] /Kahlschlag-in-den-USA/!6071228
(DIR) [3] /Wasservertrag-mit-Tesla-in-Gruenheide/!6074022
(DIR) [4] https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/tesla-betriebsratswahl-entscheidet-laut-werksleiter-ueber-geld-fuer-gruenheide/100182922.html
## AUTOREN
(DIR) Jonas Wahmkow
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