# taz.de -- Autonomes Fahren in Europa: Das 179-Millionen-Euro-Robotaxi des Kroaten Mate Rimac
       
       > In der kroatischen Hauptstadt Zagreb sind seit Kurzem autonome Fahrzeuge
       > unterwegs. Allerdings läuft nicht alles so, wie Gründer Rimac versprochen
       > hatte.
       
 (IMG) Bild: Mate Rimac bei der Vorstellung des neuen Robotaxis
       
       Eigentlich sind es das kalifornische Silicon Valley, die Garagen der
       Erfinder von Facebook und Apple, die den Stoff für Legenden der Moderne
       liefern. Dass sich ein aus Bosnien stammender Junge wie die jungen
       US-Amerikaner damals in der Garage seines Vaters in der kroatischen
       Hauptstadt Zagreb verkroch und sich vor wenigen Jahren vornahm, die
       Autowelt zu revolutionieren, ist also bemerkenswert. Und das in einem Land,
       in dem es weder eine Tradition der Autoproduktion gibt, noch ein auf die
       Entwicklung von Autos fixiertes Ingenieurwesen. Ob ihm das gelingt?
       
       Mate Rimac, inzwischen 38 Jahre alt, arbeitet an einem Robotaxi-Projekt,
       das mit 179 Millionen Euro aus Töpfen der Europäischen Union gefördert
       wird. Seine Geschichte begann nicht [1][unter dem blankpolierten Glanz der
       Automessen der Welt]. 1988 wurde er in der bosnisch-herzegowinischen Stadt
       Livno geboren, als Dreijähriger zog er mit seiner Familie nach Deutschland.
       
       Zehn Jahre später zog er mit seiner Familie nach Kroatien, nach Samobor.
       Wegen seines bosnischen Akzents war er das Ziel von allerlei
       Diskriminierungen durch seine Mitschüler, weshalb er nicht gerne zur Schule
       ging. Lieber verbrachte er Stunden in der Garage seiner Eltern. Und
       arbeitete sich in die Technik von Autos ein. Im Alter von 17 Jahren hatte
       Rimac schon zwei Patente angemeldet.
       
       Nur: Es gibt in Kroatien nur wenige Projekte, die den Weg von großen
       Ankündigungen zu sehr ernsten Problemen so schnell und so öffentlich
       durchlaufen haben wie das Robotaxi-Projekt von Mate Rimac. Das Projekt
       geriet in Verzug, Fristen verschoben sich ständig und die entscheidende
       technologische Bedingung – [2][ein autonomes Fahrzeug der Stufe 5] – ist
       derzeit nicht realisierbar. Rimac und sein Team hatten viel versprochen,
       was sie bislang nicht halten konnten.
       
       ## Millionenförderung für Rimacs Robotaxis
       
       Laut investigativen Journalisten ist der strittigste Punkt der
       Robotaxi-Geschichte das, was ehemals als Grundvoraussetzung des Projekts
       galt: die Entwicklung eines vollautonomen Elektrofahrzeugs der Stufe 5.
       Diese Stufe bedeutet, dass das Fahrzeug unter allen Bedingungen, bei jedem
       Wetter und überall ohne menschliches Eingreifen fährt. Das Fahrzeug hat
       [3][weder Lenkrad noch Pedale].
       
       Rimac Unternehmen wurde Teil des Nationalen Aufbau- und Resilienzplans
       (NPOO) in Kroatien und sicherte sich 179 Millionen Euro an nicht
       rückzahlbaren Zuschüssen für das Robotaxi-Projekt. Dies ist der höchste
       Einzelbetrag, der jemals einem privaten Unternehmen im Rahmen dieses
       Programms zugesprochen wurde.
       
       Obwohl Rimac öffentlich Distanz zu staatlichen Geldern wahrte, konnte er
       bereits Mitte 2022 nicht mehr ohne sie auskommen: Er beantragte und erhielt
       vom Staat Kroatien ein weiteres Darlehen in Höhe von 20 Millionen Euro, bis
       die erste Tranche der Europäischen Kommission für das Projekt eintraf.
       
       Nun vermeldete das Unternehmen Verne, das ehemals Project 3 Mobility hieß,
       vor Kurzem: In einigen Stadtteilen Zagrebs können Robotaxis über die
       Verne-App gebucht werden. Es sind die ersten kommerziellen Robotaxis in
       ganz Europa. Kroatische Quellen berichteten hingegen von Problemen bei der
       Buchung, es gebe nur eine Warteliste auf der offiziellen Website des
       Unternehmens.
       
       ## Robotaxis mit Sicherheitsfahrer
       
       Und: Noch bietet Verne nicht die Robotaxis an, die Rimac in den letzten
       fünf Jahren entwickelt haben will, sondern eine fertige Zukauf-Lösung vom
       Typ Arcfox Alpha T5. Der fährt mit dem [4][autonomen System von Pony.ai],
       das schon teilautomatisierte Taxis in China anbietet. Außerdem will Verne
       für die Buchung bald mit der Plattform Uber kooperieren.
       
       Auf jeden Fall sitzen hinter dem Lenkrad der Robotaxis in Zagreb noch
       Menschen – sogenannte Sicherheitsfahrer. Verne will „so bald wie möglich“
       auf fahrerlosen Betrieb umstellen, teilte das Unternehmen mit. Abzuwarten
       bleibt, wie weit Versprechen und Realität in Zukunft noch
       auseinanderklaffen.
       
       28 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Eroeffnung-der-Automesse-IAA/!6109226
 (DIR) [2] https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/ausstattung-technik-zubehoer/autonomes-fahren/grundlagen/autonomes-fahren-5-stufen/
 (DIR) [3] /Probleme-der-Automobilindustrie/!6145453
 (DIR) [4] https://t3n.de/news/expansion-nach-europa-sind-in-deutschland-bald-chinesische-robotaxis-unterwegs-1715557/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Erich Rathfelder
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Autoverkehr
 (DIR) Zagreb
 (DIR) Taxi
 (DIR) Fahrzeuge
 (DIR) Kroatien
 (DIR) GNS
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Verkehrswende
 (DIR) Autoverkehr
 (DIR) Autoindustrie
 (DIR) Kolumne Über Morgen
 (DIR) Verkehrswende
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Autonomes Fahren in China: Als die Robotaxis plötzlich stehen blieben
       
       Chinas Tech-Firmen sind beim autonomen Fahren führend, einzig die
       US-Konkurrenz hält mit. Doch Vorfälle sorgen für Debatten über die
       Sicherheit.
       
 (DIR) Schwere Zeiten für Tesla: Der abgehängte Pionier
       
       Den Spitzenplatz als weltgrößter E-Autobauer hat Elon Musks Konzern an BYD
       aus China verloren. Das hat politische wie technische Gründe.
       
 (DIR) Mobilität im Jahr 2125: Mit Fluxpods und Hoverlins zum Supermarkt
       
       Wenn der Bus mal wieder nicht kommt, hilft träumen von der Zukunft. Da
       gibt's zwar keine Flugtaxis, aber alle sind mobil.
       
 (DIR) Besserer ÖPNV auf dem Land: Mit Rufbussen angebunden statt abgehängt
       
       Auf dem Land geht nichts ohne Auto? Doch! Jede dritte
       Nahverkehrsgesellschaft in Deutschland bietet flexible Kleinbusse an, die
       nach Bedarf fahren.