# taz.de -- Betriebsratswahlen bei Tesla: Showdown in Grünheide
       
       > Am Montag sind die Betriebratswahlen im einzigen europäischen Teslawerk
       > gestartet. Die IG Metall hofft, endlich die Mehrheit erringen zu können.
       
 (IMG) Bild: Nicht mehr alle Zügel in der Hand? Tesla-Werksleiter André Thierig ist besorgt
       
       Ein Polizeieinsatz, gegenseitige Klagen und ein Video von Elon Musk –
       selten ging es im Vorfeld einer Betriebsratswahl turbulenter zu als im
       Teslawerk in Grünheide. Am Montag ist die Abstimmung offiziell gestartet.
       Noch bis Mittwoch können die knapp 11.000 Beschäftigten entscheiden, wer
       sie in Zukunft in dem Gremium vertreten soll.
       
       Die IG Metall hofft, zum ersten Mal seit der Gründung Tesla einziger Fabrik
       in Europa die Mehrheit im Betriebsrat stellen können. Obwohl die
       Gewerkschaft bei den letzten Wahlen 2024 mit knapp 40 Prozent die größte
       Liste stellte, dominierte bislang ein Bündnis managementnaher Listen. Auch
       dieses Mal steht ein Großteil der insgesamt elf zur Wahl stehenden Listen
       unter Verdacht, die Interessen der Geschäftsführung zu folgen.
       
       „Wir wollen grundsätzlich einen Betriebsrat, der sich für die Interessen
       der Belegschaft einsetzt und nicht für das Management“, sagt Markus
       Sievers, Pressesprecher der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen. Der
       Arbeitsdruck in dem Werk sei sehr hoch. Die IG Metall setzte sich unter
       anderem für planbaren Urlaub und bessere Besetzung bei den Schichten ein,
       erklärt Sievers.
       
       Bislang galten die Gewerkschafter:innen in dem Betriebsrat als
       handlungsunfähig. So stimmte der Betriebsrat mehrfach Kündigungen von
       IG-Metall Betriebsräten zu, auch wenn diese später vor dem Arbeitsgericht
       in Frankfurt Oder kassiert wurden. Auch gegen die umstrittene Praxis,
       krankgeschriebenen Mitarbeiter:innen Hausbesuche abzustatten, erfolgte
       kein Widerspruch aufseiten des Betriebsrats.
       
       ## Polizeieinsatz im Betriebsrat
       
       Den Wahlkampf im Vorfeld der Abstimmung führten sowohl das Management als
       auch die IG Metall [1][mit harten Bandagen]. Höhepunkt war eine
       Betriebsratssitzung am 10. Februar. Die managementnahe Vorsitzende
       beschuldigte nach Schilderung der IG Metall einen eingeladenen
       Gewerkschaftssekretär, die Sitzung auf seinem Laptop aufzuzeichnen. Tesla
       rief prompt die Polizei, der Laptop wurde beschlagnahmt. Es folgte eine
       Rundmail von Werksleiter André Thierig an die gesamte Belegschaft am selben
       Tag, indem er den Gewerkschafter einer Straftat bezichtigte.
       
       Die IG-Metall-Betriebsräte bezeichneten den Vorfall damals als
       „abgekartetes Spiel“ und „dreiste wie kalkulierte Lüge“. Die Gewerkschaft
       reagierte mit einer Gegenanzeige wegen übler Nachrede gegen Werksleiter
       André Thierig. Am vergangenen Donnerstag schlossen beide Parteien einen
       Vergleich, die gegenseitigen Anschuldigungen bis zum Ende der Wahlen nicht
       mehr zu wiederholen.
       
       Am vergangenen Mittwoch richtete sich nach [2][einem Bericht des
       Handelsblatts] Elon Musk selbst mit einer Videobotschaft an die
       Belegschaft. Der Tesla-Chef bekräftigte darin seine Warnung: Gelinge es
       „externen Organisationen“, Tesla „in die falsche Richtung zu drängen“,
       stünde damit der lange geplante Ausbau der Fabrik auf dem Spiel. „Wir
       werden die Fabrik nicht schließen, aber realistisch gesehen werden wir auch
       nicht erweitern“, zitiert das Handelsblatt Musk.
       
       ## Erweiterung unrealistisch
       
       IG-Metall-Sprecher Markus Sievers bezeichnet diese Art des Wahlkampfs als
       „ungewöhnlich“, allerdings sei man von Tesla mittlerweile auch nichts
       anderes mehr gewohnt.
       
       Eigentlich plant Tesla, die Produktionskapazitäten des Standorts Grünheide
       zu verdoppeln. Bis zu einer Million Fahrzeuge könnten dann jährlich nach
       dem Ausbau vom Band laufen. Die Genehmigungen beim Land Brandenburg liegen
       bereits vor, allerdings legte Tesla die Ausbaupläne aufgrund der
       Umsatzeinbrüche bereits 2024 auf Eis.
       
       Nicht nur [3][Elon Musks politische Eskapaden] machen der Marke zu
       schaffen, sondern auch die Innovationsschwäche des Konzerns. In den letzten
       Jahren hat Tesla seine Produktpalette bis auf leichte Überarbeitungen kaum
       erweitert. Längst hat die chinesische, aber auch die europäische Konkurrenz
       aufgeholt. Dazu kommt eine Konsumzurückhaltung auf den Zielmärkten aufgrund
       der wirtschaftlichen Lage.
       
       [4][Erholt haben sich die Umsätze seitdem nicht, im Gegenteil.] Laut Zahlen
       des Datendienstleisters Inovev, die das Handelsblatt zitiert, hat Tesla
       2025 lediglich 149.040 Autos in Grünheide produziert. Das entspricht einem
       Rückgang von fast 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch hat Tesla in den
       letzten beiden Jahren rund 1.700 Stellen abgebaut, was einem Rückgang von
       14 Prozent entspricht.
       
       „Viele Kolleginnen und Kollegen haben Existenzängste. Insbesondere an den
       Linien sehen sie, wie um sie herum Leute gekündigt werden, häufig nach
       Krankheiten.“, sagt Tesla-Beschäftigte Laura Arndt, die für die IG Metall
       auf dem ersten Listenplatz kandidiert.
       
       Die IG Metall hofft auch, mit einem Sieg bei der Wahl dem stillen
       Stellenabbau etwas entgegensetzen zu können. „Wir setzen alles daran, die
       Mehrheit zu kriegen. Aber jetzt sind die Beschäftigten dran“, sagt Sievers.
       
       2 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Umstrittener-Auftritt-im-Tesla-Werk/!6141534
 (DIR) [2] https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/grunheide-vor-der-richtungswahl-der-erbitterte-kampf-um-teslas-betriebsrat-15298901.html
 (DIR) [3] /Nach-Millionenstrafe-fuer-X/!6136445
 (DIR) [4] /Schwere-Zeiten-fuer-Tesla/!6141977
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jonas Wahmkow
       
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