# taz.de -- Flut von Einwegverpackungsmüll: Bayerische Kommunen bleiben auf Kosten sitzen
> Der Bayerische Landtag hat den Kommunen des Bundeslandes verboten, mit
> Steuern gegen Fastfoodmüll anzugehen. Dabei lohnt sich das, wie Tübingen
> zeigt.
(IMG) Bild: Lassen Mülleimer überquellen: Einwegverpackungen
Seit Anfang des Jahres ist es bayerischen Kommunen verboten, Steuern auf
Einmalgeschirr und -besteck zu erheben. Mitte Dezember hatte der Landtag in
München entschieden, dass [1][bayerische Kommunen nicht das Recht haben
sollten], nach Vorbild Tübingens Verpackungssteuern zu erheben. Bayern ist
das einzige Bundesland, das diese Einnahmequelle für Städte und Kommunen
langfristig verbietet. Der Bayerische Städtetag kritisierte die
Entscheidung als „unbegründeten und überzogenen Eingriff in die kommunale
Finanzhoheit“.
Bayerns Innenminister Joachim Hermann (CSU) verteidigte das Verbot mit dem
Schutz der Wirtschaft und mit Bürokratieabbau. Die Verpackungssteuer stünde
zudem im Gegensatz zur geplanten Umsatzsteuersenkung für die Gastronomie ab
2026. Ähnlich argumentiert McDonald’s Deutschland: Die Verpackungssteuern
führten „zu zusätzlicher Bürokratie und finanziellen Belastungen sowohl bei
den Betrieben als auch bei den Menschen der jeweiligen Stadt“.
Dabei sind die Erfahrungen mit der Müllsteuer gut. Seit rund einem Jahr
dürfen Kommunen sie auf Einmalgeschirr und -besteck erheben. Angefangen
hatte die baden-württembergische Stadt Tübingen damit schon 2022. Dort
werden 50 Cent für Einwegverpackungen und Einweggeschirr sowie 20 Cent für
Einwegbesteck fällig, [2][Mehrwegoptionen werden hingegen gefördert]. So
möchte die Stadt vor allem Fastfoodrestaurants finanziell an der kommunal
gemeisterten Müllentsorgung beteiligen.
Allein McDonald’s Deutschland war laut der Deutschen Umwelthilfe (DUH) im
Jahr 2023 für etwa 49.000 Tonnen Verpackungsmüll verantwortlich. Eine
Franchise-Nehmerin der Fastfoodkette klagte nach der Einführung der Abgabe
2022 umgehend gegen die Stadt Tübingen. Der Prozess zog sich über mehrere
Jahre und Instanzen. Im Januar 2025 entschied das Bundesverfassungsgericht
schließlich zugunsten von Tübingen. Viele Kommunen hatten sich bis zum
Urteil mit ähnlichen Vorhaben zurückgehalten.
## Zahlreiche Städte planen Verpackungssteuern
Kurz nach der Entscheidung zog Konstanz nach. 2026 planen laut dem
Deutschen Städtetag weitere Städte und Kommunen, Verpackungssteuern
einzuführen, etwa Köln, Bonn, Bremen, Hameln, Heidelberg, Rottenburg,
Troisdorf, Nellingen und Oberhausen. In Freiburg gilt eine solche Abgabe
seit Jahresbeginn. Im Fall Tübingens habe sich eindeutig gezeigt, dass die
[3][Steuer ein wirksames Mittel ist, um der Müllflut zu begegnen]. „Wir
erreichen alle unsere selbst gesteckten Ziele. Wir haben weniger Müll,
viele neue Mehrwegangebote und zusätzliche Einnahmen für die Stadtkasse“,
so die Tübinger Stadtverwaltung.
„Die Mehrwegquoten haben sich hier nicht verändert – sie bleiben weiterhin
auf dem gleichen niedrigen Niveau wie im Rest des Landes“, heißt es
hingegen von McDonald’s. Eine Umfrage der Stadt Tübingen unter der
örtlichen Gastronomie habe jedoch ergeben, dass die Verwendung von
Einwegverpackungen zwischen 2019 und 2025 deutlich zurückgegangen ist. Bei
73 Prozent der Betriebe habe sich die Menge an Einmalgeschirr und -besteck
verringert. 17 Prozent verzichteten seit Einführung der Steuer sogar ganz
darauf.
Für die Stadtreinigung sei die Veränderung deutlich spürbar: „Seit dem
Start der Einwegverpackungssteuer haben sie spürbar weniger Arbeit mit dem
Leeren der öffentlichen Mülleimer, da diese seltener voll sind und der
herausquellende Müll dadurch seltener eingesammelt werden muss.“
Wirtschaftlich lohne sich die Steuer außerdem: Rund eine Million Euro nehme
Tübingen jährlich durch sie ein, heißt es von der Stadtverwaltung. Kosten
wie Aufwand hielten sich in Grenzen: „Für die Erhebung der Steuer reicht
eine halbe Stelle in der Stadtkämmerei.“ Die Verwaltungskosten beliefen
sich auf 100.000 Euro.
Für Mc Donald’s entspreche die Steuer inklusive Mehrwertsteuer einer
Preissteigerung von 30 bis 50 Prozent, teilt das Unternehmen mit. „Das ist
nicht mehr verhältnismäßig und widerspricht nicht nur dem von der Politik
versprochenen Bürokratieabbau, sondern auch der dringend notwendigen
Entlastung der Mitte“, beklagt der weltweit größte Fastfoodkonzern. Sowohl
in Tübingen als auch Konstanz entschieden sich McDonald's-Kund:innen
trotzdem meist für die Einweg-Variante.
## Mehrweg in Deutschland unter Druck
„Sowohl das Bundesverwaltungs- als auch das Bundesverfassungsgericht haben
die Steuer der Städte genehmigt, aber Bayern sei offenbar ein ‚königlicher
Freistaat‘, wo die Treppe immer noch von oben nach unten gekehrt wird“,
sagte Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer.
Die DUH prüft unterdessen rechtliche Schritte gegen das bayerische Verbot.
Sie sieht Deutschland generell auf einem schlechten Weg in Sachen
Müllvermeidung. Drei Jahre sind viele Läden und Restaurants nun
verpflichtet, Mehrwegbehältnisse anzubieten. Doch Testbesuche der DUH bei
Bäckerei- und Tankstellenketten zeigten, dass diese rechtswidrig Mehrweg
boykottieren. „Die DUH sieht die Mehrwegangebotspflicht daher als
weitestgehend wirkungslos an und fordert von Bundesumweltminister Schneider
schnellstmögliche Nachbesserungen“, so die DUH.
5 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Marco Fründt
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