# taz.de -- „Arbeitsreichste Nacht“: Was eine Handchirurgin in der Silvesternacht erlebt
       
       > An Silvester herrscht für Handchirurg:innen Hochbetrieb. Viele
       > Handverletzungen sind selbst verschuldet. Wer am häufigsten betroffen
       > ist.
       
 (IMG) Bild: Handchirurgen haben in der Silvesternacht viel zu tun
       
       dpa | Abgetrennte Finger, durchtrennte Sehnen, Amputationen – die
       Handchirurgin Leila Harhaus-Wähner hat in der [1][Silvesternacht] schon
       vieles gesehen. Auch in diesem Jahr rechnet die [2][Berliner] Ärztin mit
       zahlreichen Böller-Verletzten. „Für Handchirurgen ist es klar, dass
       Silvester die arbeitsreichste Nacht sein kann.“ Bis 24 Uhr passiere erst
       mal nicht so viel, ab 1 Uhr, 2 Uhr nachts kämen immer mehr Verletzte in die
       Notaufnahme und dann „sehr viele in sehr kurzer Zeit“.
       
       Harhaus-Wähner ist Direktorin der Klinik für Hand-, Replantations- und
       Mikrochirurgie am Unfallkrankenhaus Berlin. In der Regel würden innerhalb
       von 24 Stunden 100 bis 120 Menschen in der Notaufnahme behandelt. An
       Silvester seien es etwa 250 bis 300, andere Notfälle wie Schlaganfälle oder
       Herzinfarkte einberechnet. Es kämen Menschen mit Verbrennungen,
       Verletzungen am Auge, Betrunkene mit gebrochenem Arm und eben Menschen mit
       Handverletzungen.
       
       In der Handchirurgie müssten an Silvester im Unfallkrankenhaus rund 20 bis
       40 Menschen mit Böllerverletzungen operiert werden, sagt die Ärztin. Dieses
       Jahr werde sie mit vier weiteren Handchirurgen im Einsatz sein. Die
       häufigsten Verletzungen entstünden durch explodierende Böller in der Hand.
       
       „Der überwiegende Teil der Verletzungen trägt tatsächlich lebenslange
       Folgen mit sich, weil die Sprengkraft dazu führt, dass eben nicht nur
       einzelne Strukturen verletzt sind, sondern immer mehrere. Und das heilt
       praktisch nie ganz folgenlos ab.“ Zum Teil könnten Hände nicht mehr
       gerettet und müssten amputiert werden.
       
       ## Betroffene häufig betrunkene Männer zwischen 20 und 40 Jahren
       
       Ein Großteil der Verletzungen sei selbst verschuldet. Die Professorin
       schätzt den Anteil auf 70 bis 80 Prozent. Sehr häufig seien die Betroffenen
       [3][betrunkene Männer] zwischen 20 und 40 Jahren. Die restlichen
       Patientinnen und Patienten würden zufällig zum Opfer, etwa weil sie
       beworfen würden. Zum Teil nähmen Kinder nicht gezündete Feuerwerkskörper in
       die Hand, die dann unerwartet explodierten. Im Unfallkrankenhaus Berlin
       werden Patienten und ihre Angehörigen bei Bedarf von Traumapsychologen
       betreut.
       
       Für eine neue Dimension habe im vergangenen Jahr das illegale Abbrennen von
       Kugelbomben gesorgt. „Die Patienten mit Verletzungen durch Kugelbomben
       weisen sehr viel stärkere Verletzungsmuster auf, die auch den ganzen Körper
       betreffen, weil diese Explosion ungerichtet stattfindet. Und das sind nicht
       nur Hände und Gesichter, sondern auch Bauch, Beine.“ Alle Körperareale
       seien gleichermaßen gefährdet.
       
       Vergangenes Jahr wurde ein Siebenjähriger in Berlin schwer durch eine
       Kugelbombe verletzt und musste Dutzende Male operiert werden. Er überlebte
       nur knapp.
       
       30 Dec 2025
       
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