# taz.de -- Wildtiere an Silvester: Wohin mit Franz?
> Auch die Rücksicht auf Wildtiere ist ein guter Grund, gegen
> Silvesterböllerei zu sein. Das weiß die Autorin, seit sie einen Igel als
> Schlafgast hat.
(IMG) Bild: Ein Igel wird von einem ehrenamtlichen Helfer in der Igelstation Berlin-Hermsdorf medizinisch versorgt
Natürlich bin ich schon lange gegen Silvesterböllerei, da geht es mir wie
vielen. Das Geknalle die ganze Nacht, die Feinstaubbelastung, der viele
Müll, die abgerissenen Gliedmaßen, die Angst der Kriegsflüchtlinge! [1][An
Tiere habe ich bislang kaum gedacht]: Weder habe ich Haustiere, noch gehe
ich in den Zoo, noch lebe ich in einer landwirtschaftlich genutzten Gegend.
Doch nun ist Franz da und ich mache mir große Sorgen. Franz ist ein
männlicher Igel aus der Igelstation Hermsdorf und seit wenigen Tagen mein
Überwinterungsgast. Sein mit Schredder ausgekleideter Pappkarton, in dem er
sich „eingeigelt“ hat, steht im Tomatenhaus in meinem Garten, daneben
Trockenfutter und Wasser. In der Igelstation, wo verletzte oder
untergewichtige Igel liebevoll aufpäppelt werden, war er am Sonntag noch
putzmunter – bei mir ist er bisher kein einziges Mal rausgekommen.
Vermutlich ist er angesichts der Außentemperaturen gleich nach dem Einzug
in den Winterschlaf gefallen.
Aber was mache ich an Silvester? Von dem Geknalle wird Franz sicher
aufwachen! Meine Freundin, die vorigen Winter einen Igel aufgenommen hatte,
berichtete an Neujahr, das Tier habe den ganzen Käfig auseinandergenommen:
Überall flog Schredder rum und Kacke und Futter, „als ob eine Bombe
eingeschlagen wäre“. Nun gut, meine Freundin wohnt im Prenzlauer Berg, ich
am Stadtrand. Aber auch die Hermsdorfer Familienväter böllern wie verrückt
und die Cantina Mexicana um die Ecke wirbt sogar mit einem Feuerwerk für
ihr Silvester-Menü.
Ich könnte Franz natürlich reinholen für die Nacht, das empfehlen
[2][Igelfreunde im Internet] – zumindest für Tiere, die noch nicht im
Winterschlaf sind. Das ist aber genau mein Problem: In welchem
Schlafstadium Franz ist, weiß ich nicht genau. Laut Tierschutzorganisation
Peta ist das allerdings egal, danach können Tiere durchs Böllern auch aus
dem Winterschlaf gerissen werden und womöglich in Panik weg- und unter ein
Auto rennen.
Die Gefahr besteht bei Franz, gefangen in meinem Tomatenhaus, zwar nicht.
Auch die Bewohner von Zoos und Tierparks haben es insofern besser als
wildlebende Wildtiere. Aber der Psychostress bleibt. Darauf weist auch Zoo-
und Tierpark-Direktor Andreas Knieriem hin und befürwortet aus
Tierschutzgründen ein Böllerverbot in der Berliner Innenstadt. Ich möchte
hinzufügen: wieso nur dort? Vergesst den Stadtrand nicht!
31 Dec 2025
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## AUTOREN
(DIR) Susanne Memarnia
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