# taz.de -- Gesetzesnovelle beim Mietrecht: Möbelstücke sollen Mieterschutz nicht aushebeln
> Justizministerin Hubig plant mit einem Gesetzentwurf neue Regelungen im
> Mietrecht. Das betrifft möblierte Wohnungen, Kündigungsschutz und
> Indexmieten.
(IMG) Bild: Für Mieter*innen ist kaum nachvollziehbar, ob die Mietpreisbremse eingehalten wurde oder nicht
Wer eine neue Wohnung auf den gängigen Immobilienportalen sucht, kommt
meist nicht mehr um möblierte Wohnungen herum. Mal steht ein abgesessenes
Sofa drin, mal ist die Wohnung hochwertig eingerichtet. Aber eins haben die
Angebote oft gemeinsam: Sie sind deutlich teurer als unmöblierte Wohnungen.
Grundsätzlich gilt die [1][Mietpreisbremse, die in diesem Sommer
verlängert] wurde, auch für möblierte Wohnungen. Das Problem ist nur:
Vermieter*innen dürfen für die bereitgestellten Möbel einen
„angemessenen“ Aufschlag nehmen – aber was angemessen ist, ist nirgends
geregelt und Vermieter*innen sind auch nicht verpflichtet, den
Möblierungsaufschlag transparent zu machen. Das ist ein großes Schlupfloch
bei der Mietpreisbremse. Denn für Mieter*innen ist es kaum
nachvollziehbar, ob die Mietpreisbremse eingehalten wurde oder nicht.
Das Ganze ist kein Randphänomen. In den fünf größten Städten der
Bundesrepublik ist mittlerweile jede dritte angebotene Wohnung möbliert.
Das ergab eine [2][Auswertung des Portals Immobilienscout.]
Noch komplizierter ist es bei Kurzzeitvermietungen zum „vorübergehenden
Gebrauch“ – denn da [3][greift offiziell kein Mieterschutz.] Eigentlich war
das als Ausnahme gedacht, etwa für befristete Kuraufenthalte an einem
anderen Ort oder kurze Arbeitseinsätze. Aber die [4][Kurzzeitvermietungen
boomen seit Einführung der Mietpreisbremse.] Gesetzlich ist nämlich nicht
klar definiert, welche Zeitspanne als „vorübergehend“ gilt.
## Mieterschutz stärken
[5][Bundesjustizministerin Stefanie Hubig] (SPD) möchte das gerne ändern
und hat einen ersten Gesetzentwurf erarbeitet, der derzeit noch im Kabinett
abgestimmt wird. Aus Kreisen des Justizministeriums heißt es:
„Rechtsunsicherheiten bei der Kurzeitvermietung und bei der Vermietung von
möbliertem Wohnraum tragen dazu bei, dass die Mietpreisbremse umgangen
werden kann.“
Der Gesetzentwurf sehe deshalb vor, dass Vermieter*innen künftig „den
Zuschlag für Möbel gesondert ausweisen müssen“. Dieser müsse sich am
Zeitwert der Möbel orientieren und angemessen sein. Für voll möblierte
Wohnungen solle eine Pauschale von 5 Prozent der Nettokaltmiete angesetzt
werden können.
Kurzzeitmietverträge sollen zudem, so heißt es weiter aus Kreisen des
Justizministeriums, künftig „einmalig für maximal 6 Monate abgeschlossen
werden können“. Dies solle nur möglich sein, „wenn ein besonderer Anlass
für die Kurzzeitvermietung beim Mieter vorliegt“. Neu sind diese Ideen
nicht. Im November gab es bereits [6][eine Bundesratsinitiative, die das
Gleiche vorsieht.]
Insgesamt umfasst der Gesetzentwurf „Mietrecht II“ fünf Vorhaben. So sollen
auch Indexmietverträge stärker reguliert werden als bisher. Die mögliche
Mietsteigerung richtet sich dort, wie der Name schon andeutet, [7][nach der
Inflation]. Die Besonderheit ist: Nur bei Mietabschluss gilt die
Mietpreisbremse, danach kann die Miete gemäß der Inflation weiter erhöht
werden. Bei regulären Mietverträgen können die Mieten immer nur bis zur
ortsüblichen Vergleichsmiete erhöht werden. Hubig möchte nun, dass die
Mieterhöhungen „in angespannten Wohnungsmärkten auf 3,5 Prozent jährlich
gedeckelt werden“.
## Mieterschutzbund begrüßt Reformpläne
Ein weiteres Vorhaben betrifft den Kündigungsschutz, wenn Mieter*innen
in Zahlungsverzug geraten. Momentan ist es bei außerordentlichen
Kündigungen so, dass eine Kündigung abgewendet werden kann, wenn die
ausstehende Summe innerhalb von zwei Monaten zurückgezahlt wird. Diese
Schonfrist soll nach den Plänen von Hubig künftig einmalig auch bei
ordentlichen Kündigungen gelten. Mieterschutzverbände fordern das schon
seit Längerem, damit ließe sich auch ein Teil [8][von Zwangsräumungen
verhindern].
Zuletzt soll es auch noch Änderungen bei Modernisierungen geben. „Die
Wertgrenze für Modernisierungsmieterhöhungen nach den vereinfachten
Verfahren soll von 10.000 auf 20.000 Euro angehoben werden“, heißt es aus
Kreisen Justizministeriums.
Bei den meisten Vorhaben sah die SPD auch schon unter der Ampelregierung
Handlungsbedarf, Mieterschutzverbesserungen scheiterten aber am Widerstand
der FDP. Wie die Union damit umgeht, bleibt abzuwarten. Der Entwurf sei
„derzeit Gegenstand von Gesprächen innerhalb der Bundesregierung“.
Die Vorhaben seien „absolut begrüßenswert und notwendig“, erklärte die
[9][Präsidentin des Deutschen Mieterbundes, Melanie Weber-Moritz.]
Angesichts explodierender Neuvermietungsmieten sei „politisches Handeln
unausweichlich“. Doch ganz zufrieden ist sie nicht. Zwar sei beim Vorschlag
zum möblierten Wohnen positiv, dass sich der Zuschlag am Zeitwert der Möbel
orientieren soll. Die vorgesehene Pauschale von 5 Prozent der
Nettokaltmiete für voll möblierte Wohnungen sei „jedoch zu hoch und droht
die Preisspirale weiter anzutreiben“, kritisiert Weber-Moritz. Auch bei den
Indexmietverträgen plädiert sie für eine stärkere Deckelung.
1 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Verlaengerung-der-Mietpreisbremse/!6093248
(DIR) [2] https://www.immobilienscout24.de/unternehmen/news-medien/news/default-title/wie-moebel-die-mietpreisbremse-aushebeln/
(DIR) [3] https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__549.html
(DIR) [4] /Wohnungsmarkt-in-Deutschland/!5952539
(DIR) [5] /Justizministerin-ueber-Gleichberechtigung/!6119186
(DIR) [6] https://dserver.bundestag.de/brd/2025/0657-25B.pdf
(DIR) [7] /Indexmietvertraege-in-Deutschland/!5865814
(DIR) [8] /Zwangsraeumung-ohne-Schonfrist/!5997176
(DIR) [9] /Mieterbund-Praesidentin-zur-Mietenpolitik/!6101338
## AUTOREN
(DIR) Jasmin Kalarickal
## TAGS
(DIR) Mieten
(DIR) Schwarz-rote Koalition
(DIR) Wohnungsnot
(DIR) Wohnen
(DIR) Stefanie Hubig
(DIR) Justizministerium
(DIR) Wohnraummangel
(DIR) Mieten
(DIR) Mietpreisbremse
(DIR) Wohnen
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Wohnungen in Deutschland werden kleiner: Es geht immer mehr Richtung Schuhkarton
Laut einer Studie werden erstmals seit Jahrzehnten Wohnungen in Deutschland
wieder kleiner. Wegen kleinerer Haushalte – und steigender
Immobilienpreise.
(DIR) Mieten und Immobilienpreise: Wohnen wird 2026 teurer
Nicht nur in Großstädten werden Wohnungen und Häuser wieder teurer.
Fachleute rechnen mit einem weiteren Preisanstieg. Das hat mehrere Gründe.
(DIR) Studie zu Wohnarmut: Wohnen macht mehr als 5 Millionen Menschen arm
Offiziell sind in Deutschland 13 Millionen Menschen armutsgefährdet. Der
Paritätische rechnet vor: Mit Blick auf steigende Mieten sind es noch viel
mehr.
(DIR) Mietwucher in Berlin: 66 Quadratmeter für 1.100 Euro, kalt
Der Immobilienkonzern Heimstaden verlangt horrende Mieten und gibt vor,
Wohnungen umfassend modernisiert zu haben. taz-Recherchen belegen anderes.
(DIR) Mieterbund-Präsidentin zur Mietenpolitik: „Wohnen ist die soziale Krise unserer Zeit“
Melanie Weber-Moritz fordert Bußgelder für Verstöße gegen die
Mietpreisbremse. Wer die Wohnungsfrage lösen wolle, müsse auf Wien
schauen.