# taz.de -- Neues Album von De La Soul: Leben, Tod und alles dazwischen
       
       > Die New Yorker Rapper De La Soul haben ein neues Album veröffentlicht:
       > „Cabin in the Sky“ lässt ihr verstorbenes Mitglied Trugoy auferstehen,
       > mit gebührender Ehre.
       
 (IMG) Bild: Da waren sie noch ein Trio: De La Soul, v.l.n.r. DJ Maseo, Posdnuos und Trugoy (1968–2023)
       
       „Three is the magic number …“, rappt Posdnous auf dem Debütalbum von De La
       Soul „Three Feet High and Rising“ 1989. Es ist eines der ungewöhnlichsten
       HipHop-Werke aller Zeiten. Die Zahl 3 ist dabei Absicht: De La Soul sind
       dreieinig angelegt: Plug 1, Rapper Posdnous, Plug 2, Rapper Trugoy alias
       the Dove und Plug 3, DJ Maseo. [1][Seit 2023 fehlt Plug 2, Trugoy,
       bürgerlich Dave Jolicoeur. Im Alter von nur 54 ist er viel zu früh
       gestorben.] Die Vermutung lag nah, dass das das Ende von De La Soul sein
       müsse. Ist es nicht. Zum Glück. De La Soul können aus zwei drei machen, sie
       waren schon immer mehr als die Summe der einzelnen Teile, it’s magic. Ihr
       neues Album „Cabin in the sky“ hat wieder diese Magie.
       
       Die Magie von De La Soul besteht nicht zuletzt aus ihrer systematischen
       Unwahrscheinlichkeit und Widersprüchlichkeit, nach allen angeblichen
       Gesetzmäßigkeiten des HipHop hätte es diese Crew eigentlich gar nicht geben
       dürfen. Vor De La Soul klang HipHop roh und direkt wie Run DMC, politisch
       und intelligent wie Boogie Down Productions und Public Enemy, kriminell wie
       N.W.A, hypermaskulin wie LL. Cool J oder cool, wie Eric B. & Rakim. Und
       dann kamen De La Soul und verkünden das Gänseblümchen-Zeitalter,
       D.A.I.S.Y-Age (Da inner sound y’all). Hippies sind sie aber keine.
       
       Null macho, trotzdem cool, null Aggro, trotzdem bedeutungsvoll. Humorvoll,
       fast schon albern und trotzdem tiefgreifend. Abstrakt, fast schon
       dadaistisch, aber nie entrückt.
       
       ## Verfeinerte Zutaten
       
       Immer sie selbst: „Me, Myself and I“ heißt einer ihrer ersten Hits. Warum
       es Sinn macht, solange über das Debüt zu sprechen, wenn es doch eigentlich
       um das neunte Album gehen soll? Weil De La Soul all dessen Qualitäten
       behalten und weiterentwickelt haben. Die Zutaten sind bekannt, aber das
       Ergebnis nicht.
       
       Im Intro zu „Cabin in the Sky“ bedankt sich Mr. Esposito, (der Giancarlo
       Esposito aus „Breaking Bad“, „Better Call Saul“ und „The Mandolorien“) bei
       allen Anwesenden des Gatherings. Er, Esposito, sei da, um den Anwesenden
       dabei zu helfen, die Wahrnehmung des Lebens und dem, was danach kommt zu
       verstehen. Erst mal müsse er die Anwesenheit prüfen. Man hört entnervt aus
       dem Off jemand rufen, „Back in school?!“ Nein, Mr Esposito stellt nur
       sicher, dass alle im richtigen Raum sind und sich niemand diese Erfahrung
       kostenlos erschleicht.
       
       Im Raum ist jede Menge HipHop-Aristokratie: Black Thought von den Roots,
       Common, DJ Premier, Killer Mike, Nas, Pete Rock, Q-Tip von A Tribe Called
       Quest, Slick Rick um nur einige Mitwirkende zu nennen. Solche Hochkaräter
       müssen eigentlich nur ihren Namen sagen, um ein Statement zu liefern, mit
       welcher Haltung und Energie man es zu tun bekommt. Dann sind De La Soul
       selbst an der Reihe: Posdnous meldet sich mit „Over here Bro“, Maseo sagt
       „Salut, Salutery and Salutations“ und dann wird nach Dave gefragt – keine
       Antwort.
       
       ## Alte Beschwörungsformel
       
       Von hoch erfreut bis tief betrübt in einem Augenblick und dann, bevor man
       Zeit hat in Schwermut zu verfallen, kommt der Auftaktsong „YUHDONTSTOP“. De
       La Soul machen schon in der Schreibweise klar, dass sie die Konventionen
       kennen, aber nicht vorhaben, sie wiederzukäuen „And you don’t stop“ ist
       eine alte HipHop-Beschwörungsformel. Aufhören ist keine Option, Dave sagt
       es selbst, auf seine Art, Posdnuos und Maseo haben ihn gesampelt für dieses
       Stück.
       
       Da ist der Rahmen für das Album auch schon gespannt. Es geht ums große
       Ganze, Gott und die Welt, Leben und Tod und alles dazwischen: De La Soul
       bleiben aufmerksam, sie verschweigen nichts, sie klingen dabei leicht und
       freundlich, aber sehr klar und deutlich und so richtig merkt man es erst,
       wenn es schon wieder vorbei ist.
       
       De-La-Soul-Alben schleichen sich oft an, „Cabin in the Sky“ kommt auch so
       leichtfüßig daher, aber immer dann, wenn glaubt, man hätte es da mit etwas
       Erfreulichem zum Nebenher-Hören zu tun, kommt die überraschende Wendung.
       Zum Beispiel ein Song wie „Patty Cake“: Ein englischer Kinderreim dient als
       Hook und als Einstieg in die Strophen, aber die Kindlichkeit der ersten
       Zeilen steht im scharfen Kontrast zur rohen Alltäglichkeit, die in den
       Strophen geschildert wird.
       
       ## Gestank im Treppenhaus
       
       „Nobody works, but they got cigarettes / Though dirty habits, dust bunnies
       big as rabbits / And the doorbell don’t ring, the stench at the door / Had
       the postman running, now the mail's on the floor / Patty cake, come on,
       bake us a dream / So we can share a slice with the folks upstream“.
       
       Eine Coverversion vom Banarama-Hit „Cruel Summer“ findet beim neuen Werk
       auch seinen Platz. Was?! Man spürt beim ersten Hören sofrt, dass dieses
       Album wachsen muss, um all das zu erfassen, was in der Musik läuft. Aber
       man versteht bei De La Soul genug, um „Cabin in the Sky“ erneut hören zu
       wollen.
       
       Das Finale, „Don’t Push Me“, ist ein Zitat von Grandmaster Flashs
       legendärem Track „The Message“: „Don’t push me / ‚Cause I’m close to the
       edge / I’m tryin‘ not to lose my head.“ Dave singt es über ein Dur-seliges
       Geigensample. Die Streicher morphen am Ende mehr und mehr zum Abgesang, und
       Daves Stimme verschwindet langsam im Instrumental. Schließlich beendet Mr
       Esposito das Stück und rundet das Album mit einem freundlichen „Thank you,
       Dave“ ab. Und dann weiß man nicht, was man fühlen soll. Ein zart-bitterer
       De-La-Soul-Moment. Noch mal.
       
       10 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Nachruf-auf-De-La-Soul-Rapper-Trugoy/!5916490
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Henrik von Holtum
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Musik
 (DIR) HipHop
 (DIR) New York
 (DIR) Neues Album
 (DIR) Neues Album
 (DIR) Soul
 (DIR) HipHop
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Neues Album von Dry Cleaning: Blut auf dem Bildschirm
       
       Mit „Secret Love“ veröffentlicht die Londoner Postpunkband Dry Cleaning ein
       neues Album, dessen Texte und düstere Melodien zur trüben Weltlage passen.
       
 (DIR) US-Soulstar D'Angelo ist gestorben: Anspannung, Erlösung und Intensität
       
       US-Soulstar D'Angelo ist mit nur 51 Jahren nach schwerer Krankheit
       verstorben. Nachruf auf einen feinfühligen und kraftvollen
       Ausnahmekünstler.
       
 (DIR) Neues Album von Rapper Ghostface Killah: Wenn alles fließt und zugleich brennt
       
       Wu! Auf seinem neuen, geschichtsbewussten Soloalbum „Supreme Clientele 2“
       entsteht ein unwiderstehlicher Reim-Flow. Wie macht Ghostface Killah das?