# taz.de -- Chefredakteur verlässt „SZ“: Ruhm und Rendite
> Nach 16 Jahren verlässt Chefredakteur Wolfgang Krach die „Süddeutsche
> Zeitung“. Aber nicht „im Einvernehmen“ mit der Südwestdeutschen
> Medienholding.
(IMG) Bild: Journalist Wolfgang Krach war zehn Jahre lang Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung
Wenigstens diese Heuchelei haben sie dem Publikum erspart: Dass Wolfgang
Krach „im besten Einvernehmen“ ausgeschieden sei. [1][Die Wahrheit ist,
dass der Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung erkannt hat, dass Ruhm und
Rendite nicht mehr vereinbar waren.] Personal raus, Büros zu, Autoren weg,
das hat er ertragen, während die Geschäftsleitung die „Panama Papers“
gefeiert hat.
Auch jetzt wieder preist CEO Christian Wegner, der einst von Pro Sieben
kam, den Scoop, mit dem international Maßstäbe im „investigativen
Journalismus“ gesetzt worden seien. Dafür hat’s den Pulitzer-Preis gegeben.
Krach, 62, hat zehn Jahre lang an der Spitze der Redaktion gestanden, die
Hälfte davon zusammen mit Kurt Kister, was das Ertragen erleichtert hat.
Der Mann mit dem legendären Ruf in der Redaktion hat sich stets einen
besonderen Spaß daraus gemacht, die Gesellschafter auflaufen zu lassen, die
es gewohnt waren, satte Gewinne über Jahrzehnte einzufahren, und plötzlich
feststellten, dass ihre Gelddruckmaschinen ins Stottern geraten waren.
Besonders grantig hat das die Schwaben und Pfälzer gemacht, die 2008 die SZ
unter das Dach ihrer [2][Südwestdeutschen Medienholding] (SWMH) geholt und
eine ungebremste Entwicklung des Geldsegens erwartet haben. Dafür hatten
sie damals 750 Millionen Euro bezahlt, es ging gründlich schief. Die Gründe
sind bekannt: Anzeigen weg, Abonnenten weg, das böse Internet.
Dazu muss man wissen, dass diese Zeitungsfürsten aus Stuttgart, Ulm und
Ludwigshafen schlimme Pfennigfuchser sind, die allen Ernstes annahmen, ihre
Neuerwerbung wie die Rheinpfalz behandeln zu können. Am besten mit einer
Vielzahl von Controlling-Abteilungen, die die Planzahlen fest im Blick
haben, und dennoch verbunden mit dem Vorteil, dass sie mit der Süddeutschen
aus dem Dunkel der Provinz auf die Berliner Bühne treten konnten. Das hat
schon sein müssen.
Über diesen Aspekt, also die spießige Eitelkeit, haben Kister, Krach & Co
gerne gegrinst, aber auch hier heißt es eben: Wer zahlt, schafft an. Dies
über die Jahre auszuhalten, ist schwer, besonders in den Momenten, in denen
[3][Journalistinnen und Journalisten darüber nachdenken, wie sie ihren Job
gut machen können] und immer wieder an Grenzen stoßen, die ihnen von
ignoranten Verlegern gesetzt werden. Chefredakteurinnen und Chefredakteure
haben hier, so sie ihre Aufgabe ernst nehmen, eine hohe Verantwortung.
Krach mochte sie offenbar nicht mehr tragen. Wie zu hören ist, hat er
darauf bestanden, folgenden Satz in die Pressemitteilung des Verlages
aufzunehmen: „Aufgrund unterschiedlicher Vorstellungen zwischen ihm und den
Gesellschaftern über die Gestaltung der Zusammenarbeit und die
Weiterentwicklung der SZ hatte Wolfgang Krach angeboten, aus der Redaktion
auszuscheiden“.
Das ist konsequent und eher selten in der Branche. Judith Wittwer, die
Co-Chefredakteurin, wird die Geschäfte weiterführen, meldet das Blatt. Sie
gilt als geschmeidiger.
12 Dec 2025
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## AUTOREN
(DIR) Josef-Otto Freudenreich
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