# taz.de -- Jurist wegen Panama Papers vor Gericht: Spätfolgen eines Finanz-Bebens
       
       > Es ist der erste deutsche Prozess um eine Schlüsselfigur in dem
       > Steuerbetrug. Der Angeklagte war Miteigentümer der Kanzlei im Zentrum des
       > Skandals.
       
 (IMG) Bild: Ehemaliges Headquarter von Mossack Fonseca in Panama City
       
       „Das Panama-Beben“, titelten manche. „Wie Superreiche ihr schmutziges Geld
       verstecken“, hieß es auf einer anderen Titelseite. Überschriften von
       Zeitungen im April 2016, [1][als geheime Daten von mehr als 200.000
       Briefkastenfirmen in Steueroasen weltweit ans Licht kamen]. Dazu wird nun
       am Landgericht Köln gegen den Schweizer Christoph Z. (57) verhandelt. Es
       ist erst der zweite Strafprozess dazu in Deutschland und der erste
       hierzulande, bei dem es um eine Schlüsselfigur des Skandals geht.
       
       Der Jurist Z. war Miteigentümer der Kanzlei Mossack Fonseca in Panama.
       Deren Anwälte hatten sich auf die Gründung und Verwaltung von Firmen in
       Steueroasen spezialisiert – und bei Steuerhinterziehern und Geldwäschern
       weltweit einen Namen gemacht.
       
       Wegen Beihilfe zu schwerer Steuerhinterziehung forderte die
       Staatsanwaltschaft am Mittwoch für Z. eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren,
       ausgesetzt zur Bewährung auf drei Jahre, und erweitert um eine Geldauflage
       von 200.000 Euro. Die Verteidigung des geständigen Angeklagten sieht
       lediglich ein Jahr Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf zwei Jahre, als
       angemessen an. Begründung: Sein Mandat habe „ja nicht geholfen, falsche
       Steuererklärungen einzureichen“. In seinem Schlusswort bedankte sich
       Christoph Z. für die „freundliche und faire Behandlung“ während des
       Verfahrens.
       
       Er tat dies im Stil eines korrekt gescheitelten, unscheinbaren
       Verwaltungsangestellten in Grau und Braun, der er nach Ansicht von
       Oberstaatsanwalt Lutz Niemannn keineswegs war. Z. sei tatsächlich „der
       dritte Mann einer weltweiten Schmuddelbude“ gewesen, die „fabrikmäßig“
       Offshore-Firmen in Steueroasen errichtet habe.
       
       ## Worum es in den Panama Papers ging
       
       Investigative Journalist*innen hatten die „Panama Papers“ vor fast
       genau zehn Jahren veröffentlicht. Die Story hatte weitreichende Folgen:
       Steuerfahnder auf allen Kontinenten trieben mehr als 1 Milliarde Euro an
       hinterzogenen Steuern und Strafzahlungen zurück in die öffentlichen Kassen.
       In den Papieren fanden sich die Namen vieler Prominenter. Ein enger
       Vertrauter Wladimir Putins zählte dazu, ebenso der Vater des britischen
       Premierministers David Cameron, der Präsident Argentiniens oder der
       Fußballstar Lionel Messi.
       
       Die 11 Millionen geleakter Dokumente brachten Staatschefs zu Fall, wie etwa
       in Pakistan und auf Island. Auf Malta führten sie zu Neuwahlen. Denn die
       Frau des Premierministers stand durch die Panama Papers im Verdacht,
       Bestechungsgeld aus Aserbaidschan auf einem Konto ihrer Firma in Panama
       angelegt zu haben. Daphne Caruana Galizia, eine Journalistin aus Malta,
       wurde durch eine Autobombe ermordet. Sie hatte über Korruption im Umfeld
       der Regierung Maltas recherchiert. Die Ermittlungen im Strafprozess gegen
       Z. basieren auch auf Daten einer „Steuer-CD“, die das Land NRW bereits vor
       2016 einem Whistleblower abgekauft hatte.
       
       In dem Verfahren hat Christoph Z. eingeräumt, Beihilfe zur
       Steuerhinterziehung geleistet zu haben. Er habe zu den
       Eigentümer*innen der Briefkastenfirmen zwar keinen Kontakt gehabt.
       „Aber am Ende habe ich das billigend in Kauf genommen.“
       
       Big Player im Offshore-Geschäft 
       
       Mossack Fonseca, geführt von dem Deutschen Jürgen Mossack und dem Panamaer
       Ramón Fonseca Mora, hatte bis zur Schließung 2018 zeitweise rund 500
       Angestellte in mehr als 30 Ländern. [2][Vor der Veröffentlichung der Panama
       Papers durch zwei Journalisten der Süddeutschen Zeitung] war Z. aus der
       Kanzlei ausgestiegen. Er habe sich mit dem Geschäft nicht mehr
       identifizieren können. Dagegen soll Z. zuvor laut Anklage beispielsweise
       darauf bestanden haben, einen sanktionierten Finanzier des Assad-Regimes
       als Kunden zu behalten.
       
       Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Panama Papers im April 2016 lebte Z.
       bereits wieder in der Schweiz, kaufte alte Bauernhäuser und schrieb einen
       Thriller, der teilweise in Panama spielt. Die Geschäfte der Kanzlei hatten
       ihn reich – und bekannt gemacht. Bei Mossack Fonseca will sich Z. vor allem
       um die Optimierung der internen Abläufe und die Computertechnik gekümmert
       haben. Durch die illegalen Geschäfte, die er ermöglicht hat, ist laut
       Anklage in 50 Fällen allein in Deutschland ein Steuerschaden in Höhe von
       mehr als 10 Millionen Euro entstanden.
       
       Sein ehemaliger Chef Jürgen Mossack war 2024 wegen des Vorwurfs der
       Geldwäsche in Panama angeklagt – und freigesprochen worden. Für Beobachter
       keineswegs überraschend. Denn der (damals bereits verstorbene)
       Firmengründer Fonseca war nicht nur stellvertretender Vorsitzender einer
       Regierungspartei. Er galt als enger Berater seines mächtigsten
       Parteifreundes – des bei der Veröffentlichung der Panama Papers noch
       amtierenden Staatspräsidenten Juan Carlos Varela.
       
       15 Apr 2026
       
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