# taz.de -- Bundestag beschließt Steuerreform: Entlastung für Gastronomen, Pendler und Olympiagewinner
       
       > Höhere Pauschalen für Pendler, weniger Mehrwertsteuer in Restaurants. Der
       > Bundestag winkt Reformen durch. Die Zustimmung im Bundesrat ist aber
       > offen.
       
 (IMG) Bild: Künftig auch steuergünstig: Goldmedaille für die Weitspringerin Malaika Mihambo bei den Olympischen Spiel 2021
       
       dpa/taz | Pendlerinnen und Pendler, Gastronomen und Ehrenamtler sollen
       steuerlich entlastet werden. Ein entsprechendes Gesetz hat der Bundestag am
       Donnerstag in Berlin beschlossen. Auf die Reformen hatte sich die Koalition
       [1][grundlegend bereits im September geeinigt].
       
       Doch ob die Maßnahmen wirklich so kommen, ist noch offen: Den Ländern
       entgingen dadurch Steuereinnahmen, sie fordern deshalb eine Kompensation
       vom Bund. Im Bundesrat könnte es Mitte Dezember spannend werden.
       
       Was genau vorgesehen ist:
       
       Pendlerpauschale
       
       Mit der Pendlerpauschale können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ihre
       Fahrtkosten von der Wohnung zur Arbeit steuerlich absetzen – und zwar egal,
       ob sie mit dem Fahrrad, der Bahn oder dem Auto fahren. Aktuell liegt sie
       für die ersten 20 Kilometer Wegstrecke bei 30 Cent pro Kilometer. Ab dem
       21. Kilometer kann man 38 Cent ansetzen. Künftig sollen schon ab dem ersten
       Kilometer 38 Cent gelten.
       
       Nach Rechnung des Finanzministeriums könnten so bei einem Arbeitsweg von 10
       Kilometern und einer 5-Tage-Woche jährlich 176 Euro zusätzliche
       Werbungskosten angesetzt werden. Bei 20 Kilometern kämen sogar 352 Euro
       zusammen. Wer nur 5 Kilometer vom Wohnort zum Arbeitsort zurücklegen müsse,
       habe ein Plus von 88 Euro. Das gilt aber nur, wenn man mit seinen
       Werbungskosten den Pauschalbetrag von aktuell 1.230 Euro überschreitet.
       
       Grüne und Linke kritisierten im Bundestag, [2][von der Maßnahme
       profitierten vor allem Gutverdiener.] Stattdessen hätte man lieber den
       Grundfreibetrag anheben sollen, bis zu dem man überhaupt keine
       Einkommensteuer zahlt, argumentierten sie. Dann müssten viele Menschen mit
       geringem Einkommen überhaupt keine Steuererklärung abgeben. Die AfD
       kritisierte, die 38 Cent pro Kilometer seien für Autofahrer nicht
       ansatzweise kostendeckend – die Pauschale müsse daher auf 50 Cent erhöht
       werden.
       
       Mehrwertsteuer in der Gastronomie
       
       Die Umsatzsteuer für Speisen in der Gastronomie soll dauerhaft von derzeit
       19 auf 7 Prozent reduziert werden. Das galt schon einmal während der
       Coronapandemie, wurde aber zu Jahresbeginn 2024 wieder erhöht.
       
       Neben Restaurants und Cafés profitieren davon laut Finanzministerium auch
       Bäckereien, Metzgereien und der Lebensmitteleinzelhandel, Caterer sowie
       Anbieter von Kita-, Schul- und Krankenhausverpflegung. Ziel ist die
       wirtschaftliche Unterstützung der Gastronomiebranche, die zuletzt unter
       Umsatzrückgängen litt.
       
       Ob es dann auch zu Preissenkungen in Restaurants kommen wird, ist dagegen
       offen. Branchenverbände hätten bereits angekündigt, dass sie die Entlastung
       nicht an die Gäste weitergeben werden, kritisierte die Linke. Das Schnitzel
       werde vielleicht nicht günstiger, dafür sei aber noch jemand da, der es
       brate, argumentierte die Union.
       
       Übungsleiter und Ehrenamtler
       
       Die Steuerpauschale für Übungsleiter soll von 3.000 auf 3.300 Euro
       angehoben werden, die für ehrenamtlich Tätige von 840 auf 960 Euro. So viel
       soll man künftig durch sein Engagement einnehmen dürfen, ohne darauf
       Steuern zu zahlen. Das betrifft zum Beispiel Trainer in Sportvereinen,
       Chorleiter oder ehrenamtliche Pfleger.
       
       Parteispenden und Medaillengewinne
       
       Auch Prämien für Medaillengewinne bei Olympischen Spielen sollen steuerfrei
       gestellt werden. Außerdem sollen Gewerkschaftsmitglieder ihren Beitrag
       künftig zusätzlich zu bestehenden Pauschbeträgen und Werbungskosten
       absetzen können. Bisher zählt er zu den Werbungskosten – wer hier nicht
       über den Pauschalbetrag kam, hatte also nichts davon.
       
       Der Bundestag verdoppelte zudem die Höchstbeträge für Spenden an politische
       Parteien, die steuerlich geltend gemacht werden können.
       
       Was im Bundesrat droht
       
       Die Entlastungen führen dazu, dass Bund und Länder mehrere Milliarden Euro
       weniger Steuern einnehmen. Etwa die Hälfte davon tragen Länder und Kommunen
       – nach Rechnung des Bundesrats summieren sich die Ausfälle der Länder bis
       2030 auf rund 11,2 Milliarden Euro, die der Gemeinden auf rund 1,4
       Milliarden. Die Länder fordern eine Kompensation vom Bund.
       
       Wenn das Gesetz am 19. Dezember im Bundesrat beraten wird, könnte es daher
       vorerst gestoppt werden: Die Länder könnten den Vermittlungsausschuss
       anrufen, um noch einmal nachzuverhandeln.
       
       Denn die Bundesregierung ist nicht zu einem Ausgleich bereit. „Es wird
       keine Kompensation des Bundes geben“, sagte Finanzminister Lars Klingbeil
       (SPD) schon im Oktober der Bild. Wer darauf bestehe, gefährde die
       Mehrwertsteuersenkung für die Gastronomie, die Entlastung von Pendlern und
       die Stärkung des Ehrenamts. „Ich glaube nicht, dass sie das riskieren
       wollen“, warnte der Vizekanzler.
       
       4 Dec 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Zusaetzliche-Haushaltsausgaben/!6109341
 (DIR) [2] /Klimaschaedliche-Subventionen/!6088694
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Bundestag
 (DIR) Haushalt
 (DIR) Mehrwertsteuer
 (DIR) Pendlerpauschale
 (DIR) Pendler
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Militär
 (DIR) Deutschlandticket
 (DIR) Haushalt
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Bundeshaushalt 2026: 524,54 Milliarden
       
       Der Haushaltsausschuss hat in einer über 15-stündigen Sitzung den Haushalt
       2026 abgesegnet. Die Neuverschuldung war nur während der Corona-Zeit
       größer.
       
 (DIR) Das Deutschlandticket ist super: Das Schlimmste ist, wenn das Deutschlandticket alle ist
       
       Bei der Förderung des Bahnfahrens geht es nicht um sozialen Ausgleich,
       sondern um Klimaschutz. Statt Dienstwagen muss der Staat das Ticket
       finanzieren.
       
 (DIR) Zusätzliche Haushaltsausgaben: Mit vollen Händen
       
       Pendlerpauschale, ein Bonus für die Gastronomie, Mütterrente – Sparen ist
       in Berlin nicht angesagt. Dem kriselnden Standort D wird das wenig helfen.