# taz.de -- Herbstprognose der EU-Kommission: Trump-Deal dämpft Europas Wachstum
> Der ungleiche Handelsdeal mit den USA sorgt für bis 0,3 Prozentpunkte
> weniger Wachstum. Brüssel setzt zur Ankurbelung auf Bürokratieabbau und
> Rüstung.
(IMG) Bild: Der Handelsdeal mit Trump drosselt das Wachstum in der EU
Der ungleiche Handelsdeal, [1][den die EU im Sommer mit US-Präsident Donald
Trump geschlossen hat], dämpft das Wirtschafts-Wachstum. Dies hat die
EU-Kommission in ihrer neuen Konjunkturprognose eingeräumt. Die Europäer
müssten aufpassen, dass sie nicht noch weiter hinter die USA zurückfallen,
mahnte Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis in Brüssel. Für Deutschland
sieht es ein klein wenig besser aus.
Die deutsche Konjunktur wird nach der am Montag veröffentlichten
Herbstprognose im kommenden Jahr spürbar an Fahrt aufnehmen, aber dennoch
unter dem EU-Schnitt bleiben. Die Konjunkturexperten der EU-Kommission
rechnen für 2026 mit einem Anstieg des deutschen Bruttoinlandsprodukts
(BIP) um 1,2 Prozent. In der gesamten EU wird ein Plus von 1,4 Prozent
erwartet.
Das deutsche Wachstum werde vor allem von höheren Staatsausgaben
stimuliert, heißt es in Brüssel. Die schuldenfinanzierten Ausgaben dürften
die Investitionen und den Konsum ankurbeln. Gedämpft wird das Wachstum der
exportabhängigen deutschen Wirtschaft dagegen von den höheren US-Zöllen und
Unsicherheiten, die sich aus [2][dem Handelskrieg der USA] gegen den Rest
der Welt ergeben.
Der Handelsdeal mit Trump werde das Wachstum in der EU um 0,1 bis 0,3
Prozentpunkte dämpfen, sagte Dombrovskis. „Die Wirkung könnte größer sein
als erwartet“, fügte er hinzu. Die USA erheben seit Ende Oktober auf die
meisten Importe aus Europa einen Zoll von 15 Prozent, was die Exporte
dämpft. Demgegenüber können US-Unternehmen ihre Produkte zollfrei in die EU
einführen.
## Auf Dauer angelegt
Trumps neue Zölle seien auf Dauer angelegt, erklärte Dombrovskis. Sie
würden eine offene Wirtschaft wie die der EU besonders treffen. Allerdings
seien die Zölle auf EU-Ausfuhren nach wie vor niedriger als die Zölle auf
mehrere andere große globale Akteure. Dies stelle einen bescheidenen
relativen Vorteil für die Wirtschaft dar, heißt es in Brüssel. Doch das ist
nur ein kleiner Trost.
Insgesamt bleibt das Wirtschaftswachstum der EU nämlich weiter hinter den
USA, China und anderen großen Mächten zurück. Nur in Spanien und Polen
sieht es besser aus. Doch neben Deutschland schwächeln auch Frankreich und
Italien. „Die EU muss mehr tun, um den Trend umzukehren und nicht weiter
zurückzufallen“, sagte der EU-Kommissar. Allerdings blieb er neue
Vorschläge schuldig.
## Bürokratieabbau und Aufrüstung
Brüssel setzt zur Ankurbelung der Konjunktur vor allem auf Bürokratieabbau
– die so genannten „Omnibusse“ – und [3][auf Aufrüstung]. „Höhere
Verteidigungsausgaben, die sich auf die Produktion in der EU konzentrieren“
könnten die Wirtschaftstätigkeit stärken, heißt es in der Herbstprognose.
Allerdings gibt es eine Kehrseite: Für die Aufrüstung müssen sich die
EU-Staaten stärker verschulden.
Das gesamtstaatliche Defizit in der EU dürfte von 3,1 Prozent des BIP im
Jahr 2024 auf 3,4 Prozent bis 2027 steigen. Dies sei auch auf den Anstieg
der Verteidigungsausgaben auf 2 Prozent des BIP bis 2027 zurückzuführen, so
die EU-Kommission. Am schlechtesten steht Belgien da: Dort dürfte das
Budgetdefizit von 5,3 auf 5,9 Prozent steigen. Die EU-Regeln erlauben
maximal drei Prozent.
17 Nov 2025
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## AUTOREN
(DIR) Eric Bonse
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