# taz.de -- Trump will Grönland: Zoll erzeugt Gegenzoll
       
       > Die EU droht mit Zöllen von 93 Milliarden Euro auf US-Importe. Damit will
       > sie sich gegen Donald Trumps imperialistische Grönland-Pläne wehren.
       
 (IMG) Bild: Will sich nicht erpressen lassen: die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen
       
       rtr | Die Europäische Union will US-Präsident Donald Trump von neuen Zöllen
       abbringen, bereitet jedoch zugleich Vergeltungsmaßnahmen vor. Die
       EU-Botschafter verständigten sich am Sonntagabend grundsätzlich darauf, die
       diplomatischen Bemühungen zu verstärken, sagten EU-Diplomaten nach dem
       Treffen. Sollten die Zölle dennoch in Kraft treten, werde die EU reagieren.
       
       Trump hatte am Samstag eine Welle steigender Zölle ab dem 1. Februar
       angedroht. Betroffen wären die EU-Mitglieder Deutschland, Dänemark,
       Schweden, Frankreich, die Niederlande und Finnland sowie Großbritannien und
       Norwegen. [1][Die Maßnahme solle gelten, bis den USA der Kauf Grönlands
       ⁠erlaubt wird.]
       
       „Europa ‍lässt sich nicht erpressen“, sagte die dänische
       Ministerpräsidentin Mette Frederiksen. Die acht Länder, für die bereits
       US-Zölle von 10 und 15 Prozent gelten, hatten ⁠zuvor in einer gemeinsamen
       Erklärung mitgeteilt, sie seien zum Dialog bereit. Die Zoll-Androhungen
       untergrüben die transatlantischen Beziehungen und riskierten eine
       gefährliche Abwärtsspirale. Am Donnerstag wollen die EU-Staats- und
       Regierungschefs auf einem Sondergipfel in Brüssel über die Antworten
       beraten.
       
       [2][Eine Option ist ein Paket von Zöllen auf US-Importe im Wert von 93
       Milliarden Euro], das nach einer sechsmonatigen Aussetzung am 6. Februar
       automatisch in Kraft treten könnte. Dieses Paket scheine als erste Reaktion
       eine breitere Unterstützung zu finden, hieß es aus EU-Kreisen.
       
       ## Zentrales Thema auf dem Weltwirtschaftsforum
       
       Die andere Möglichkeit ist das bisher ungenutzte „Anti-Coercion Instrument“
       (ACI). Dieses könnte den Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen,
       Investitionen oder Bankgeschäften beschränken oder den Handel mit
       Dienstleistungen einschränken, bei dem die USA einen Überschuss mit der EU
       erzielen. Hier sei die Lage „sehr gemischt“.
       
       Die diplomatischen Bemühungen dürften auch ein zentrales Thema beim
       Weltwirtschaftsforum in Davos sein, ⁠wo Trump am Mittwoch eine Rede halten
       soll. Der dänische Außenminister Lars Lokke Rasmussen sagte, sein Land
       setze weiterhin auf Diplomatie. „Die USA sind mehr als nur der
       US-Präsident. Ich war gerade dort. Es gibt auch Kontrollmechanismen in der
       amerikanischen Gesellschaft.“
       
       Während sich der französische Präsident Emmanuel Macron einem Insider
       zufolge für die Aktivierung des ACI einsetzt, ⁠nannte es der irische
       Premierminister Micheál Martin „etwas verfrüht“, das Instrument zu nutzen.
       Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni bezeichnete die
       Zoll-Androhung als „Fehler“ und sagte, sie habe dies Trump wenige Stunden
       zuvor in einem Gespräch auch so gesagt.
       
       Die Drohungen stellen auch die Handelsabkommen infrage, welche ‍die USA im
       Mai mit ⁠Großbritannien und im Juli mit der EU geschlossen hatten. Das
       Europäische Parlament wird ‌seine Arbeit an dem Abkommen mit den USA
       voraussichtlich aussetzen. Der Vorsitzende der EVP-Fraktion, Manfred Weber,
       sagte am Samstag, eine Ratifizierung sei derzeit nicht möglich. Der
       CDU-Abgeordnete Jürgen Hardt brachte gegenüber der Bild-Zeitung als letztes
       Mittel einen Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft ins Gespräch, die die
       USA in diesem Jahr ausrichten. Dies könne „Präsident Trump in der
       Grönland-Frage zur Vernunft bringen“.
       
       Die deutsche Industrie ‌hatte am Wochenende eine unnachgiebige Haltung
       gefordert. „Europa darf sich nicht erpressen lassen“, mahnte der Präsident
       des Maschinenbauverbands VDMA, Bertram Kawlath. Wenn die EU hier nachgebe,
       wird sie Trump nur ermutigen, die nächste aberwitzige Forderung zu stellen.
       
       Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) kritisierte, Trump
       verknüpfe politische Ziele in inakzeptabler Weise mit wirtschaftlichem
       Druck und warnte ⁠vor einem Einbruch der deutschen Exporte. Die Europäische
       Union müsse geschlossen handeln ⁠und dürfe sich nicht spalten lassen, sagte
       DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier.
       
       19 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Umgang-mit-dem-Zoll-Troll/!6146527&s=Zollstreit/
 (DIR) [2] /Streit-um-Groenland/!6146431
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Zölle
 (DIR) Welthandel
 (DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
 (DIR) Kapitalismus
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
 (DIR) Wirtschaftswachstum
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Reaktionen auf Trumps Zolldrohungen: Die EU beginnt sich zu wehren
       
       Nach den Erpressungsversuchen von US-Präsident Trump für eine Annexion
       Grönlands muss Europa handeln. Welche Möglichkeiten hat die EU?
       
 (DIR) Forscherin über Wertschöpfungsketten: „Wenn Einzelne aufsteigen, steigen andere ab“
       
       Wohlstand für alle durch globalen Handel? Laut Wirtschaftsgeografin
       Christin Bernhold ist das unter kapitalistischen Bedingungen „eine
       Illusion“.
       
 (DIR) Sicherheit im Baltikum: Endlich hört Deutschland zu
       
       Die osteuropäischen EU-Nachbarstaaten Russlands stehen durch massive
       Aufrüstung und wirtschaftliche Herausforderungen vor einem grundlegenden
       Wandel.
       
 (DIR) Herbstprognose der EU-Kommission: Trump-Deal dämpft Europas Wachstum
       
       Der ungleiche Handelsdeal mit den USA sorgt für bis 0,3 Prozentpunkte
       weniger Wachstum. Brüssel setzt zur Ankurbelung auf Bürokratieabbau und
       Rüstung.