# taz.de -- Drohender Rohstoffmangel: Die EU will unabhängiger von China werden
       
       > Die Kommission schlägt vor, bei Mikrochips und seltenen Erden mehr zu
       > recyclen und Reserven anzulegen. Der Plan steckt aber noch in den
       > Kinderschuhen.
       
 (IMG) Bild: Die Wiege der Hochtechnologie: In Minen wie dieser baut China seltene Erden ab und kontrolliert damit den globalen Markt
       
       Die EU will unabhängiger von Rohstoffen aus China werden. Dies kündigte
       Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen als Reaktion [1][auf den Streit
       um chinesische Mikrochips und seltene Erden] an. Nach Exportbeschränkungen
       in China war es in der deutschen Industrie zu massiven Engpässen gekommen.
       Wohl auch deshalb kündigte von der Leyen ihren Plan in Berlin an – und
       nicht, wie üblich, in Brüssel.
       
       Die deutsche CDU-Politikerin schlug vor, das Recycling der strategisch
       wichtigen Rohstoffe auszuweiten und nationale oder europäische
       Sicherheitsreserven anzulegen. Bisher gibt es EU-weit keine Verpflichtung,
       Vorräte zu halten. Auch die Wiederverwertung lässt zu wünschen übrig.
       Einige Unternehmen könnten bis zu 95 Prozent der Rohstoffe aus Batterien
       recyceln, sagte von der Leyen.
       
       Allerdings steckt der Plan noch in den Kinderschuhen. Er hat zwar schon
       einen Namen: „RESourceEU“ – analog zu „REPowerEU“, wo es um die
       Unabhängigkeit in der europäischen Energieversorgung geht. Details müssten
       aber erst noch ausgearbeitet werden, räumte die EU-Kommission ein.
       
       „Mit den Exportbeschränkungen und anderen Maßnahmen hat China ein
       weltweites Problem geschaffen“, sagte ein Kommissionssprecher. Dieses
       Problem wolle man so schnell wie möglich lösen. Bereits am Donnerstag
       werden Vertreter der chinesischen Regierung in Brüssel zu „technischen
       Gesprächen“ erwartet. Fortschritte erhofft sich die EU auch vom Besuch
       [2][von US-Präsident Donald Trump] in Peking.
       
       ## Ernste Lage
       
       Trump ist nicht ganz unschuldig an den europäischen Problemen. Er liefert
       sich mit China einen Handelskrieg, auf den die Führung in Peking mit
       Exportbeschränkungen bei Rohstoffen reagierte. Zudem hat die US-Regierung
       offenbar die Niederlande veranlasst, den Chip-Fabrikanten Nexperia unter
       staatliche Aufsicht zu stellen. Darauf reagierte Peking mit einem
       Chip-Embargo.
       
       Wie ernst die Lage ist, zeigt ein Blitzbesuch von Außenminister Johann
       Wadephul in Brüssel. [3][Der CDU-Politiker wollte eigentlich nach Peking
       reisen, war dort aber abgeblitzt.] Nun traf er sich am Montag mit von der
       Leyen, um über die Ukraine zu sprechen – aber auch über China. Es gehe um
       eine reibungslose Versorgung mit wichtigen Rohstoffen und Vorprodukten,
       hieß es in Berlin.
       
       27 Oct 2025
       
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 (DIR) Eric Bonse
       
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