# taz.de -- „Spiegel“ und ARD: Angst ist kein guter Ratgeber für Medien
       
       > Der „Spiegel“ hat die Öffentlich-Rechtlichen ins Visier genommen. Man
       > könnte so viel kritisieren an der ARD, aber die „Spiegel“-Geschichte ist
       > dünn.
       
 (IMG) Bild: Wenn Akzeptanz und Nutzung schwinden, stellt sich über kurz oder lang die Existenzfrage: das Spiegel-Verlagshaus in Hamburg
       
       Der Spiegel ist in einer Existenzkrise. Ist er noch zu retten, fragt
       deshalb die ARD diese Woche in einem langen Feature. „Teuer, träge,
       belehrend“ sei das einst so mächtige Hamburger Magazin geworden, dabei
       würde es „angesichts von Fake News und grassierendem Populismus mehr denn
       je“ gebraucht. Der Beitrag trägt den Titel „Der taumelnde Riese“.
       
       Etwas relativierend heißt es dann: „Der Spiegel genießt immer noch ein
       großes Vertrauen. Aber es scheint etwas ins Rutschen geraten zu sein.“ Denn
       der Verlag melde „alarmierende Zahlen. Wenn Akzeptanz und Nutzung
       schwinden, stellt sich über kurz oder lang die Existenzfrage“. Passt der
       Spiegel, wie wir ihn kennen, noch in diese Zeit, fragt die ARD und merkt
       an, „dazu kommt der Druck von rechts“.
       
       Klingt schräg? Stimmt, denn es ist genau andersrum. Der Spiegel
       [1][arbeitet sich mal wieder an ARD und ZDF ab]. Was ließe sich da nicht
       alles schreiben. Aber die Geschichte ist so lang wie dünn und von großer
       Ratlosigkeit geprägt. Für die [2][BBC, wo es in der vergangenen Woche so
       richtig rumste,] ist im Heft gerade mal eine Seite Platz. Dafür kommt der
       Spiegel exakt zwei Monate nach dem [3][Zoff um Julia Ruhs] und „Klar“ noch
       mal mit der Geschichte, wer wann beim NDR schieflag. „Jupp, möchte zu gern
       wissen, welche wahren Interessen der Spiegel hier verfolgt“, fragt die
       Mitbewohnerin.
       
       Mit „Klar“ versucht die ARD, Kreise zu bedienen und wieder an sich zu
       binden, die sich laut Umfragen mit ihrer Lebensrealität nicht mehr im
       Programm wiederfinden. Ob das der richtige Weg ist, darüber ließe sich
       trefflich streiten. Das findet im Spiegel aber leider auch nur halbherzig
       statt.
       
       ## Öffentlich-rechtlicher Rundfunk für viele unverzichtbar
       
       Was vermutlich daran liegt, dass sich der Spiegel gerade tatsächlich in
       einer ähnlichen Situation wie die Öffentlich-Rechtlichen wiederfindet. Die
       klassische Spiegel-Klientel bröckelt. Der alte Slogan „Spiegel-Leser wissen
       mehr“ wird nicht durchgehend eingelöst, um es mal sehr höflich zu
       formulieren. Die gedruckte Auflage sinkt branchenüblich immer tiefer, aber
       auch die Online-Erfolge sind nicht mehr so dolle. Derweil wird die Zeit von
       Jahr zu Jahr stärker und könnte dem Spiegel bei den Wochentiteln demnächst
       den Rang ablaufen.
       
       Liegt es daran, dass sich die Zeit konservativen Ansätzen schon länger
       geöffnet hat? Klar, ließe sich da sagen. Aber stimmt das auch? Angesichts
       der gesellschaftlichen Entwicklung und dem ja realpopulistischen Druck von
       rechts, AfD, Trump, usw. sind alle auf der Suche.
       
       Die ARD hat die Haltung „Angst regiert dich“ längst nicht mehr exklusiv für
       sich. Sie hat auf viele Medien übergegriffen. Alle sollten sich aber nicht
       ins Hemd machen, sondern an Fakten halten, wie sie sich auch in der
       Spiegel-Geschichte über ARD und ZDF finden. Die Zahl der Menschen, die den
       öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland für unverzichtbar halten,
       sinkt nicht weiter, sondern steigt wieder.
       
       18 Nov 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.spiegel.de/wirtschaft/ard-und-zdf-sind-die-noch-zu-retten-a-fe682799-b184-4de3-b4aa-a15e867f7f26
 (DIR) [2] /BBC-in-der-Vertrauenskrise/!6123681
 (DIR) [3] /Konflikt-um-NDR-Format-Klar/!6114127
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Steffen Grimberg
       
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