# taz.de -- FAQ zu ÖRR-Reformen: Welche Rolle spielt Brandenburg?
> In Brandenburg wird sich nächste Woche das Schicksal der Rundfunkreform
> entscheiden. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
(IMG) Bild: Mit dem Zweiten in der ersten Reihe: Mikrofone der öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF
[1][Die öffentlich-rechtlichen Sender müssen sparen.] Gleichzeitig stehen
ARD, ZDF und Deutschlandradio unter Druck – teils wegen eigener Skandale
wie des rbb-Finanzdesasters, teils [2][durch heftige Angriffe von rechts].
Und weil sich das Mediennutzungsverhalten in den letzten Jahren massiv
verändert hat, müssen die Sender dringend digitaler werden. Kurz gesagt:
Der Reformdruck ist enorm.
Im Reformstaatsvertrag, den die Ministerpräsident:innen der Länder
schon vor über einem Jahr beschlossen haben, geht es deshalb um deutliche
Einschnitte. Vorgesehen sind Kürzungen bei Spartenprogrammen und
Sportrechten, eine strengere Regelung zur sogenannten Presseähnlichkeit –
also das Verbot, dass öffentlich-rechtliche Angebote Print- und
Onlineportalen zu sehr ähneln – sowie eine neue Kooperationspflicht mit
privaten Medien, etwa bei Verlinkungen in Texten oder gemeinsamen
Onlineprojekten.
Was ist der Stand der Dinge?
Eigentlich geht alles auf die Zielgerade. Nachdem die
Ministerpräsident:innen der Länder den Vertrag bereits unterzeichnet
haben, müssen jetzt alle 16 Landtage zustimmen. Erst dann kann die Reform
zum 1. Dezember in Kraft treten. Stimmt nur ein Bundesland nicht zu, ist
die Reform gescheitert. Bisher lief das ziemlich reibungslos. Sogar in
Sachsen stimmte der Landtag Ende Oktober für die Reformen. Das sächsische
„Ja“ war zuvor unsicher gewesen, weil die Minderheitenregierung auf Stimmen
der Opposition hoffen musste und sie schließlich von Grüne und Linken auch
bekam.
Und was ist in Brandenburg los?
Noch drei Landtage müssen für die Reformen stimmen. In Brandenburg steht
die Abstimmung am 19. oder 20. November an, und dort könnte es eng werden.
Denn die an der Regierung beteiligte Partei BSW ist „mehrheitlich dagegen“,
wie BSW-Fraktionschef Niels-Olaf Lüders vergangene Woche auf einer
Pressekonferenz in Potsdam sagte. In einer Vorentscheidung im Landtag am
Mittwoch hat der BSW-Fraktionschef dann mit „Nein“ gestimmt. Dass die
Reform nicht durchgeht, ist trotzdem unwahrscheinlich, weil auch die
Stimmen der Oppositionspartei CDU zusammen mit der SPD für eine Mehrheit
ausreichen würden. Sie wollen geschlossen für eine Reform stimmen.
Was wird an den Reformen kritisiert?
Kritik gibt es reichlich, und zwar aus sehr unterschiedlichen Richtungen.
Besonders das Verbot der Presseähnlichkeit sorgt für Streit: Es führe zu
einem „staatlich verordneten Relevanzverlust“, weil es den
Öffentlich-Rechtlichen erschwere, junge Zielgruppen auf sozialen Medien zu
erreichen, sagte etwa die medienpolitische Sprecherin der Grünen im
Sächsischen Landtag dem Medienportal DWDL im Oktober, kurz vor der
Abstimmung in Sachsen.
Auch der Vorwurf, die Reform sei eher ein Kürzungsplan mit dem Etikett
„Innovation“, fällt in diesem Zusammenhang häufiger. „Meinungseinfalt und
Haltungsjournalismus bedrohen den Journalismus“, so Lüders auf der
Pressekonferenz vergangene Woche. Für einen starken und staatsfernen
öffentlich-rechtlichen Rundfunk brauche es tiefgreifende Reformen, so der
Fraktionsvorsitzende weiter. Das sehe das BSW in den vorliegenden
Reformverträgen nicht gegeben.
Was ist mit der Finanzierung?
Eigentlich sollte auch das Finanzierungssystem des öffentlich-rechtlichen
Rundfunks in diesem Jahr neu aufgestellt werden. Weil eine geplante
Beitragserhöhung jedoch nicht umgesetzt wurde, haben ARD, ZDF und
Deutschlandradio Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht eingereicht. Das
Gericht will allerdings erst 2026 darüber entscheiden. Bayern und Sachsen
haben angekündigt, erst nach diesem Urteil über die Finanzierungsreform zu
beraten – und blockieren damit faktisch den gesamten Prozess.
Was passiert, wenn die Reform scheitert?
Kurz gesagt: nichts – und genau das wäre das Problem. Die Verhandlungen
haben Jahre gedauert, und wenn die Reform jetzt scheitert, müsste alles von
vorne beginnen, mit neuen politischen Mehrheiten und womöglich deutlich
schwierigeren Voraussetzungen. [3][2026 stehen außerdem fünf Landtagswahlen
an], unter anderem in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt
und Mecklenburg-Vorpommern. Laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts
Insa glaubt mehr als die Hälfte der Bevölkerung, dass die AfD in mindestens
einem Bundesland eine:n Ministerpräsident:in stellen könnte. Die AfD
hatte bereits in ihrem Programm zur Bundestagswahl angekündigt, den
Rundfunkbeitrag abzuschaffen.
12 Nov 2025
## LINKS
(DIR) [1] /Ja-zum-Reformstaatsvertrag-in-Sachsen/!6125480
(DIR) [2] /Union-attackiert-ZDF/!6122500
(DIR) [3] /Landtagswahlen-2026-in-Ostdeutschland/!6124267
## AUTOREN
(DIR) Ann-Kathrin Leclere
## TAGS
(DIR) Rundfunk Berlin-Brandenburg
(DIR) Brandenburg
(DIR) Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk
(DIR) BSW
(DIR) Brombeer-Koalition
(DIR) ARD
(DIR) BSW
(DIR) Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk
(DIR) Kolumne Flimmern und Rauschen
(DIR) GNS
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) „Spiegel“ und ARD: Angst ist kein guter Ratgeber für Medien
Der „Spiegel“ hat die Öffentlich-Rechtlichen ins Visier genommen. Man
könnte so viel kritisieren an der ARD, aber die „Spiegel“-Geschichte ist
dünn.
(DIR) Streit beim BSW Brandenburg: Ausgetretene Abgeordnete fordern neue Fraktionsspitze
In Brandenburger Landtag kracht es im Bündnis Sahra Wagenknecht wegen der
Medienstaatsverträge. Am Freitag soll es ein Krisentreffen geben.
(DIR) FAQ zu ÖRR-Reformen: Klappt es noch mit den Reformen?
Die Länder streiten über Sparpläne, Presseähnlichkeit und Finanzierung –
und in Sachsen könnte die ganze Rundfunkreform nun kippen.
(DIR) Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk: Widersprüchliche Medienpolitik
Weil die Bundesländer sich nicht einigen können, herrscht bei den
Öffentlich-Rechtlichen extremer Reformstau. Das befeuert die Narrative von
Antidemokraten.
(DIR) Klage gegen Rundfunkbeitrag: Die Vielfalt, die sie meinen
Sind ARD und ZDF ausgewogen? Ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts wird
eine Klagewelle auslösen. Und am Ende vielleicht das Vertrauen bestärken.