# taz.de -- Neues ZDF-Format mit Jan Fleischhauer: Öffentlich-rechtes Trashfernsehen auf Trip
> Ein neuer ZDF-Talk ist misslungen. Selbst vorauseilenden Gehorsam
> gegenüber Forderungen nach mehr rechten Inhalten muss man eben erst mal
> hinbekommen.
(IMG) Bild: Reyhan Şahin alias Lady Bitch Ray und Jan Fleischhauer, Promofoto zu „Keine Talkshow – Eingesperrt mit Jan Fleischhauer“
Was für ein rasant geschnittener Trailer, denkt man zunächst. Im raschen
Wechsel schreien sich zwei Leute an. Bevor ein Argument vertieft wird:
Schnitt. Aus unerfindlichen Gründen hat man sie in viel zu kleine
historische Schulpulte gezwängt, wie in so mittelalterliche
Folterinstrumente.
Es wirkt wie das Vormittags-Trashformat eines Privatsenders. „Richterin
Barbara Salesch“ meets „Fear and Loathing in Las Vegas“,
Unterschichtenfernsehen auf Trip. Dabei wollte man doch über das neue
Streitformat „[1][Keine Talkshow – Eingesperrt mit Jan Fleischhauer“]
schreiben, mit der ersten Folge zum Thema „Von Integration und
Parallelgesellschaften“.
Hat uns das ZDF den falschen Link geschickt? Doch dann erkennt man [2][Jan
Fleischhauer] und Reyhan Şahin alias [3][Lady Bitch Ray]: „Ich fühle mich
gut, weil ich gleich Fleischi sehen werde“, verrät sie uns. Erneuter
Schnitt: Sie betreten eine Art Bunker. Graue Wände, an einer von ihnen
hängt eine Weltkarte, und in der Ecke steht eine Tafel. Ist das die
Message: Die letzten Tage im Schulbunker?
Auch eine Teeküche gibt es, weil sie so tun, als ob sie tagelang
eingesperrt sind. Vielleicht sind sie das auch. Umso bitterer, wie wenig
dann dabei herauskommt: Rassistische Stereotype hier, der überstrapazierte
„alte weiße Mann“ da – „wir bilden den verkanteten Diskurs in Deutschland
ab“, sagt Fleischhauer. Immerhin das stimmt.
## Wann fängt die Sendung endlich an?
Dazwischen Interviewschnipsel, in denen beide ihren Standpunkt jeweils solo
in aller Ruhe wiederholen. Aber wann fängt die Sendung endlich an? Denn
dieser Trailer, den man vom ZDF zugeschickt bekam, zieht sich. Am Ende ist
er 28 Minuten lang, danach ist Schluss. Das ist ja merkwürdig. Aus einem
bloßen Teaser kann der gewissenhafte Kulturberichterstatter natürlich keine
Rezension erstellen. Also ruft man beim ZDF an: Supersorry, aber ob es
vielleicht noch eine zweiten, versteckten Link gebe, mit dem man dann die
eigentliche Sendung …?
Nach einem kafkaesken Gespräch mit dem Mitarbeiter dort wird klar: Das ist
die Sendung – grelle Diskussionssnippets, in denen Antisemitismus,
Schulprobleme, Homophobie, Sexismus im Schnelldurchlauf abgehakt werden:
„Grabscher im Schwimmbad“ seien „komischerweise niemals Deutsch-Chinesen“,
weiß die „absolute Mehrheitsmeinung“ im blauen Anzug, sondern – er senkt
fast schamhaft die Stimme – Konstantin Wecker, nee, sorry, Araber
natürlich. Das Schwimmbad gehört zum Stadtbild.
Vergeblich erinnert Reyhan Şahin an das Oktoberfest. Sie klingt
aufgebracht, aber mit dem immer gleichen Müll konfrontiert, die Ruhe zu
bewahren, ist für Nichtprofis in dem Metier auch nicht leicht. Denn
Fleischhauer will über Zahlen reden, nachvollziehbar, wenn man von der
fremden Welt sonst nichts kennt: Wie viel Prozent der Kinder kein Deutsch
können, doch wie die Zahlen zustande kommen, interessiert ihn nicht. Für
ihn kann es nur an der „ethnischen Gruppe“ liegen. Andere Gründe wie
Akzeptanz in der Gesellschaft, Startbedingungen, Verteilung der Ressourcen
scheinen nicht zu existieren. Die bleiben der Elefant im Bunker.
„Das ist Big Brother“, sagt Fleischhauer in einer Interviewpassage.
Insofern täuscht der Eindruck des Krawallformats nicht. Eine Metaebene ist
nicht zu erkennen, falls man Unterschichtenfernsehen nur zitieren wollte.
Dazu fehlt der Bruch, und ohne den funktioniert das Stilmittel nicht. Der
ganze Versuch ist auf spektakuläre Weise misslungen.
Warum macht Fleischhauer das: Um auch mal bei den ganz bösen Buben
mitzuspielen? Doch während die Poschardts und Matusseks die grobe
Faschoscheiße rausrotzen, wirkt das bei ihm alles so ein bisschen drollig,
banal, unbeholfen; wie ein nach dem ersten Radler mutig gewordener
Religionsschüler, der seine Provokationen an die Wände des Schulklos
schmiert: „Rassismus, nö, ich habe Interesse daran, dass Deutschland ein
fröhliches, freundliches, prosperierendes Land bleibt.“
Und was will der Sender? Es scheint gegenwärtig ein Bemühen der
Öffentlich-Rechtlichen zu geben, „rechter“ zu werden, um sich im
schlimmsten Fall auch heil in Höckes Reich hinüberzuretten. Aber ist das
wirklich nötig, da doch die Talkshows bereits randvoll mit rechten
Schreihälsen stecken, bis die False Balance eines Tages doch zur richtigen
geworden ist?
21 Nov 2025
## LINKS
(DIR) [1] https://presseportal.zdf.de/pressemitteilung/neu-im-zdf-keine-talkshow-eingesperrt-mit-jan-fleischhauer
(DIR) [2] /Morddrohungen-nach-Kritik-an-Apollo-News/!6120936
(DIR) [3] /Reyhan-ahin-ueber-Deutschrap/!6069005
## AUTOREN
(DIR) Uli Hannemann
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