# taz.de -- Batterierecycling: Aus Alt macht Neu oder schmeißt es am besten gleich weg
       
       > Mit einem Speicher-Tausch wirbt ein Unternehmen aus dem Oberallgäu. Was
       > sich erstmal ganz super anhört, ist im Grunde reine Augenwischerei.
       
 (IMG) Bild: Batteriespeicher für Photovoltaikanlagen (PV) speichern Solarstrom
       
       Versonnen blickt eine Frau in die Kamera. Im Hintergrund ein älterer Mann –
       ernste Miene, etwas unscharf. Augenscheinlich ihr Mann. Sie sagt: „Ich will
       ’nen Neuen.“ Ein Ehedrama? Nein, es ist nicht, wie es scheint. Es ist ein
       Ökodrama.
       
       Doch von vorne. Der Werbeauftritt stammt von der Firma Sonnen aus dem
       Oberallgäu, die gerade „[1][Deutschlands große Speicher-Tausch-Wochen]“
       ausgerufen hat. Wer seinen heimischen Batteriespeicher verschrotten lässt,
       bekommt dafür jetzt eine Geldprämie – selbstredend nur zur Verrechnung beim
       Kauf eines neuen Speichers des besagten Unternehmens.
       
       Offenkundig hat auch die Ökowirtschaft das [2][Wegwerfprinzip] entdeckt.
       Das Angebot gilt sogar für Speicher aus dem Jahr 2020, was den Schluss
       nahelegt, dass fünf Jahre für einen heimischen Stromspeicher schon ein
       biblisches Alter sind.
       
       Aber offenbar – oh weh – gibt es in Deutschland 270.000 Hausbesitzer, die
       sich nicht daran stören, einen solch hochbetagten Speicher noch zu
       betreiben. Das müsse sich ändern, finden die geschäftstüchtigen Bayern und
       möchten nun möglichst viele der Anlagen „repowern“ – ein Euphemismus für
       das Vernichten funktionsfähiger Technik. Es entstehe mit dem „Repowering“
       gerade „ein neuer Markt“, weiß das Unternehmen. Irgendwo auf der
       Internetseite stehen auch die Worte: „Für den Planeten.“
       
       ## Nur ein paar Inhaltsstoffe
       
       Anfrage daher bei der Firma, ob die ausgebauten Speicher wenigstens noch
       anderweitig genutzt würden? Auf Neudeutsch Second Use genannt; von alten
       Pkw-Akkus kennt man das. Nein, zu kleinteilig sei das Geschäft, heißt es,
       die Batteriepacks würden „recycelt“. Man tut also, was man halt so macht,
       wenn man „[3][Batterierecycling]“ sagt; man gewinnt ein paar Inhaltsstoffe
       zurück.
       
       Welch besondere Dialektik: Funktionstüchtige Speicher werden „für eine
       günstigere und effizientere Energiewende“ verschrottet. So verspricht es
       die Firma. Der Beobachter fragt sich derweil: Was kommt als Nächstes? Alte
       Bücher schreddern für die Volksbildung? Die letztjährige Weizenernte
       kompostieren zugunsten der [4][Welternährung]? Schließlich ist die neue
       Ernte ja schon da und bestimmt viel nahrhafter.
       
       Fragen über Fragen. Hoffentlich greift irgendwann eine Firma den Slogan auf
       zeitgemäße Weise auf: „Ich will ’nen Neuen – einen neuen Umgang mit den
       Ressourcen.“
       
       8 Nov 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.sonnen.de/speicher-tausch-wochen
 (DIR) [2] https://www.greenpeace.de/publikationen/s02671-greenpeace-report-plastikmuell.pdf
 (DIR) [3] /Batterie-Recycling-wird-einfacher/!5980983
 (DIR) [4] /Studie-zu-Welternaehrung/!6036962
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bernward Janzing
       
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