# taz.de -- Entführungsfall Block: Ermittlungen gegen früheren BND-Chef Hanning
       
       > Staatsanwaltschaft lässt Häuser von Ex-BND-Chef durchsuchen. Es geht um
       > seine mögliche Beteiligung an einer Entführung im eskalierten
       > Sorgerechtsstreit.
       
 (IMG) Bild: Der ehemalige Präsident des Bundesnachrichtendiensts (BND), August Hanning
       
       Hamburg/berlin afp/dpa/taz | Im Kriminalfall um die Entführung von zwei
       Kindern der Steakhauskettenerbin Christina Block sind Ermittler am Dienstag
       zu einer Razzia gegen den ehemaligen Präsidenten des
       Bundesnachrichtendiensts (BND), August Hanning, und einen weiteren
       Beschuldigten ausgerückt. Das teilte die Staatsanwaltschaft Hamburg mit.
       
       Der 79-jährige Hanning und ein früherer Mitarbeiter des Hamburger
       Landeskriminalamts sollen als „Verantwortliche einer Sicherheitsfirma“
       unter anderem einen gescheiterten früheren Entführungsversuch im Jahr 2022
       geplant haben.
       
       Zudem sollen Hanning und der frühere Polizist gemeinsam mit Block und
       Mitarbeitern einer israelischen Sicherheitsfirma versucht haben, den Vater
       der Kinder und Blocks früheren Ehemann sowie dessen Anwalt „durch
       wahrheitswidrige Vorwürfe aus dem Bereich der Pädophilie“ in Verruf zu
       bringen. „Gegenstand der laufenden Ermittlungen“ sei darüber hinaus auch,
       ob Hanning und der Mitbeschuldigte an der erfolgreichen Entführung der
       Block-Kinder in der Silvesternacht 2023/2024 beteiligt gewesen seien.
       
       Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden am Donnerstag im In- und Ausland
       insgesamt 13 Durchsuchungsbeschlüsse vollstreckt. Es handelte sich um acht
       Wohn- und Geschäftsadressen der Beschuldigten sowie weitere Objekte von
       „Nichtverdächtigen“ in mehreren Bundesländern und in der Schweiz.
       
       ## Völlig eskalierter Sorgerechtsstreit
       
       Die Razzia am Dienstag ist nur die neuste Volte eines völlig eskalierten
       Streits um das Sorgerecht einer zerbrochenen Familie. Neben dem Ex-BND-Chef
       spielten schon ehemalige Agenten des israelischen Mossad, prominente
       Politiker und ein ehemaliger TV-Sportmoderator eine Rolle.
       
       Die Steakhauserbin hat mit ihrem Ex-Mann Stephan Hensel, der mittlerweile
       in Dänemark lebt, vier gemeinsame Kinder. Im August 2021 waren die nach
       einem Besuch beim Vater in Dänemark geblieben. Zwar bekam Block vom Gericht
       das Sorgerecht zugeschrieben, doch die Kinder blieben beim Vater. Auch
       dänische Behörden gaben ihm Recht.
       
       Block soll daraufhin den FDP-Politiker Wolfgang Kubicki, zu dem Zeitpunkt
       Bundestagsvizepräsident, dazu bewegt haben, sich bei der dänischen
       Botschaft für ihren Fall einzusetzen.
       
       Kurz nach Neujahr 2023/24 gibt es dann eine mutmaßliche Entführung der
       Kinder von einer Restaurantterrasse, bei der der Vater niedergeschlagen und
       die Kinder teils gefesselt im Auto über die Grenze gebracht worden sein
       sollen.
       
       [1][Im April hatte die Staatsanwaltschaft Anklage gegen die Steakhauserbin
       Christina Block und weitere Angeklagte erhoben], darunter ihren heutigen
       Lebensgefährten, den ehemaligen Fußballmoderator Gerhard Delling.
       
       [2][Seit Mitte Juli wird der Fall vor dem Landgericht Hamburg verhandelt].
       Im Laufe des Prozesses hat ein 36-jähriger Angeklagter bereits die
       Beteiligung an der Entführung gestanden. Er betonte, es habe jedoch keine
       Entführung, sondern eine Rettung der Kinder sein sollen. Den Auftrag habe
       er vom Chef einer israelischen Sicherheitsfirma bekommen. Den Teilnehmern
       an der Entführungsaktion seien jeweils 10.000 Euro in Aussicht gestellt
       worden. Block selbst hat den Vorwurf zurückgewiesen, die Entführung geplant
       zu haben.
       
       Auch der Sportkommentator Delling beteuerte vor Gericht vehement seine
       Unschuld. Er habe in seinem Leben „nie etwas Strafbares“ getan und sich
       immer aus „tiefer Überzeugung“ gegen Gewalt positioniert.
       
       Zuletzt war bekannt geworden, dass Block den früheren Regierungssprecher
       Béla Anda engagiert hat. Anda hatte Anfang September mitgeteilt, dass er
       Block kommunikativ begleite, „denn eine Mutter hat das Recht, ihre Kinder
       zu sehen“. Anda war von 2002 bis 2005 Regierungssprecher unter dem
       damaligen Kanzler Gerhard Schröder (SPD).
       
       August Hanning war von 1998 bis 2005 Chef des Bundesnachrichtendienstes.
       Unter Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde er Staatssekretär im
       Innenministerium und war unter anderem für die Bundespolizei zuständig.
       2009 ging er in den Ruhestand.
       
       Der Prozess wird fortgesetzt.
       
       16 Sep 2025
       
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