# taz.de -- Koalitionsklausur in Unterfranken: Mehr Langeweile, bitte!
       
       > Die Koalition sollte sich am Machbaren orientieren, statt große Töne zu
       > spucken. Mehr Konstruktivität täte allen momentan ganz gut.
       
 (IMG) Bild: Die Drei von den Christlichen, die Fraktionsvorsitzenden Matthias Miersch (l-r, SPD), Alexander Hoffmann (CSU) und Jens Spahn (CDU)
       
       Wenn in Unternehmen vom „Teambuilding“ die Rede ist, kann man misstrauisch
       werden. Oft geht es nur darum, Konflikte mit gruppendynamischen Spielen
       oder einfach nur Saufen zuzuschütten. Auch die Fraktionsvorstände der
       schwarz-roten Koalition haben sich zwei Tage Teambuilding verordnet. Man
       will Vertrauen schaffen, aber auch Konflikte ansprechen. Nötig ist es.
       Derzeit „ampelt“ es nämlich gewaltig in der Koalition, und das freut die
       Populisten.
       
       Mit CDU/CSU und SPD regieren zwei Partner zusammen, die im Wahlkampf alles
       darangesetzt haben, [1][nicht gemeinsam regieren zu müssen]. Niemand hat
       erwartet, dass die drei Parteien sich zum Dreamteam zusammenraufen. Aber
       wohl auch nicht, dass sie bereits jetzt anfangen, sich gegenseitig das
       Leben schwer zu machen. Dass sich die Unionsfraktion bei der Wahl der
       Bundesverfassungsrichter von rechts treiben ließ, ihre Zusagen brach und
       [2][eine kompetente Fachfrau desavouierte], hinterlässt eine Wunde bei der
       SPD. Teambuilding allein hilft da nicht. Die nächste Verfassungsrichterwahl
       wird ein Stresstest. Sie muss klappen.
       
       Funktionieren muss auch die Arbeit an Sachthemen. Die beginnt damit, dass
       man realistische Maßstäbe anlegt. Nicht vom „Herbst der Reformen“ reden, wo
       doch klar ist, dass keiner der vorliegenden Gesetzentwürfe – ob zur Rente
       oder zu ukrainischen Bürgergeldbezieher:innen – das ganz große
       Reformrad drehen wird. Diese sichern vor allem den Status quo ab. Denn die
       meisten Menschen fordern große Umbrüche, solange sie nicht selbst betroffen
       sind. Eine Partei, die das Zurück zu „guten alten Zeiten“ propagiert, kommt
       derzeit besser an als Parteien, die einen beherzten Schritt nach vorn wagen
       wollen.
       
       Das heißt nicht, dass sich die Regierung vor notwendigen Reformen drücken
       darf. Aber es spricht viel dafür, erst mal Konzepte zu erarbeiten, als
       Ankündigungen in den Raum zu stellen, die die eigenen Anhänger streicheln.
       Gerade beim Thema Sozialstaat ist diese Verlockung groß: Der CDU-Basis „CDU
       pur“ in Aussicht zu stellen, wie Friedrich Merz es tut. Oder die
       schrumpfende SPD-Basis in dem Glauben zu wiegen, dass man darüber sprechen
       wolle, auch Privilegierte stärker an der Finanzierung des Sozialstaats zu
       beteiligen, wie SPD-Chef Lars Klingbeil andeutete. Solche raunenden
       Ankündigungen ohne Substanz bewegen zwar die Gemüter, aber sonst wenig.
       
       Die ungleichen Partner sollten sich darauf konzentrieren, Dinge anzugehen,
       bei denen sie sich einig sind: den Sozialstaat zu entbürokratisieren,
       sodass die Menschen Pflegehilfe auf einen Klick und Arzttermine ohne
       Anstehen bekommen. Wenn der „Geist von Würzburg“ das Bekenntnis zu einem
       konstruktiven Arbeitsmodus ist, hätten Union und SPD schon etwas erreicht.
       Klingt langweilig. Aber mehr Langeweile täte nicht nur der Koalition,
       sondern der ganzen Gesellschaft ganz gut.
       
       28 Aug 2025
       
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