# taz.de -- Soziale Kürzungen: Druck auf Arme steigt
       
       > Die schwache Wirtschaftslage führt zu mehr Bürgergeldempfängern und damit
       > zu höheren Sozialausgaben. Das Rezept der Union: Sanktionen.
       
 (IMG) Bild: Für viele arme Menschen wird es dieses Jahr nur für die Reise nach Balkonien reichen
       
       Die Sommerferien nahen, die Temperaturen steigen, aber viele Menschen in
       Deutschland können sich nicht einmal eine Woche Urlaub leisten. Laut
       Statistischem Bundesamt galt das im Jahr 2024 für jede fünfte Person
       hierzulande. Besonders häufig traf es Alleinerziehende, Alleinstehende und
       Familien mit vielen Kindern.
       
       Wie viele Bürgergeldbeziehende auf Urlaub verzichteten, ging nicht daraus
       hervor. Doch [1][eine Studie kam kürzlich zum Schluss], dass jeder oder
       jede Dritte von ihnen sogar auf Essen verzichtet, um über die Runden zu
       kommen. Fast drei Viertel der Befragten erklärten, die Regelsätze reichten
       nicht für ein würdevolles Leben. In dieser Stimmung hat das Bundeskabinett
       nun den Haushaltsentwurf verabschiedet.
       
       Wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage rechnet die Bundesregierung in
       diesem Jahr mit mehr Menschen, die Grundsicherung beziehen werden. Dies
       wird automatisch zu höheren Ausgaben beim Bürgergeld führen – aber für die
       Einzelnen sind keine Verbesserungen zu erwarten. Im Entwurf für den
       Bundeshaushalt werden das Bürgergeld und die Kosten für Unterkunft und
       Heizung, an denen sich der Bund beteiligt, mit insgesamt 42,6 Milliarden
       Euro veranschlagt. Zum Vergleich: [2][2023 betrugen diese Ausgaben rund
       37,4 Milliarden Euro.]
       
       Die öffentliche Debatte über das Bürgergeld, angefeuert durch die Union,
       dreht sich meist um Sanktionen bis hin zum kompletten Leistungsentzug – so
       als ließen sich dort Milliarden holen. Im Koalitionsvertrag von Schwarz-Rot
       heißt es auch, dass Sanktionen „schneller, einfacher und unbürokratischer
       durchgesetzt werden“ sollen. Menschen mit psychischen Erkrankungen sollen
       aber besonders berücksichtigt werden.
       
       ## Das Märchen der Totalverweigerer
       
       In der vergangenen Woche hatte Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD)
       [3][in einem Interview mit dem Deutschlandfunk] klargestellt, dass
       Bestrafungen keinen großen Einspareffekt erzielen werden. „Die Sanktionen
       werden nicht helfen“, sagte sie. Es sei ein Irrtum zu glauben, dass sich
       bei unkooperativen Leistungsbeziehenden große Summen einsparen ließen. Bas
       verwies dabei auch auf die Datenlage und betonte, dass die „sogenannten
       Totalverweigerer“ eine kleine Gruppe seien.
       
       Bereits seit Ende März 2024 ist es möglich, den Regelbedarf für bis zu zwei
       Monate vollständig zu kürzen, „wenn jemand sich bewusst und grundlos
       weigert, eine konkret angebotene, zumutbare Arbeit aufzunehmen – und zuvor
       bereits gegen eine entsprechende Pflicht verstoßen oder selbst gekündigt
       hat“, erklärte ein Sprecher des Arbeitsministeriums der taz. Die Erwartung,
       dadurch Geld einzusparen, beruhe primär „auf der präventiven Wirkung“.
       
       Der Koalitionsvertrag von Union und SPD sieht zudem eine Änderung für
       ukrainische Geflüchtete vor, die nach dem April 2025 eingereist sind.
       Künftig sollen diese wie andere Asylsuchende die geringeren Leistungen nach
       dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten und nicht Bürgergeld.
       
       Doch noch ist das nicht umgesetzt. Die Arbeiten für einen entsprechenden
       Gesetzentwurf hätten laut Sprecher „nach Regierungsbildung Anfang Mai
       begonnen“ und sollen zügig fortgeführt werden. Würde das umgesetzt, ließe
       sich zwar Geld einsparen – allerdings gibt es keine belastbaren Schätzungen
       über die Höhe, „da Fallzahlen und Kosten in unmittelbarem Zusammenhang mit
       der weiteren Entwicklung des Krieges stehen“, betonte der Sprecher.
       
       24 Jun 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Studie-zu-Buergergeldempfaengern/!6092944
 (DIR) [2] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1449979/umfrage/bundesausgaben-fuer-arbeitslosengeld-ii-hartz-iv-buergergeld/
 (DIR) [3] https://www.deutschlandfunk.de/interview-bas-baerbel-bundesministerin-fuer-arbeit-und-soziales-spd-100.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jasmin Kalarickal
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Haushalt
 (DIR) Bürgergeld
 (DIR) Schwerpunkt Armut
 (DIR) GNS
 (DIR) Haushalt
 (DIR) Sozialstaat
 (DIR) Bürgergeld
 (DIR) Kürzungen
 (DIR) Kürzungen
 (DIR) Haushalt
 (DIR) Schwerpunkt Armut
 (DIR) Kolumne Starke Gefühle
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Debatte um soziale Kürzungen: „Das war eine grob irreführende Aussage von Herrn Merz“
       
       Joachim Rock vom Paritätischen Wohlfahrtsverband fordert Reformen, um den
       Sozialstaat nachhaltig zu finanzieren. Mit Umverteilung könne das gelingen.
       
 (DIR) Höhere Leistungen für Arbeitslose: Spendabler Auftritt, nichts dahinter
       
       In der ARD stellte Friedrich Merz mehr Geld bei „plötzlicher
       Arbeitslosigkeit“ in Aussicht. Konkret wird er aber nicht. Die SPD reagiert
       zurückhaltend.
       
 (DIR) Berlins Bildungshaushalt: „Politisches Pokerspiel“
       
       Die Kürzungen bei Bildungsprojekten sind verheerend, meint Trainer Ed
       Greve. Denn einmal kaputte Strukturen lassen sich kaum wieder aufbauen.
       
 (DIR) Kürzungen in Berlin: „Bildung ist mehr als nur Schule“
       
       Der Kinderkulturmonat ist von Kürzungen betroffen. Wegen fehlender Mittel
       steht die Teilhabe von Kindern auf dem Spiel, sagt die Geschäftsführerin.
       
 (DIR) Erster Haushalt der neuen Regierung: Militärausgaben bald 30 Prozent des Etats
       
       Die schwarz-rote Bundesregierung präsentiert ihre ersten beiden Haushalte.
       Die Investitionen steigen kräftig – auch ins Militär. Bei den Ärmsten wird
       gespart.
       
 (DIR) Studie zu Bürgergeldempfängern: Leben in ständiger Unsicherheit
       
       Die Bundesregierung plant strengere Sanktionen für Bürgergeldempfänger.
       Eine neue Studie zeigt: Viele der Betroffenen können schon heute nicht in
       Würde leben.
       
 (DIR) Jens Spahn verzeiht sich selbst: Maskenaffäre? Milliardenschaden? Egal!
       
       Spahns Maskendeal kostet den Staat Milliarden. Trotzdem ist er
       Fraktionschef. Kein Einzelfall: Wer in der Union Mist baut, macht Karriere.