# taz.de -- Christopher Street Day im Norden: Regenbogen unter Druck
       
       > In Zeiten steigender Queerfeindlichkeit startet die CSD-Saison in
       > Norddeutschland mit gemischten Gefühlen. In Schwerin wollen Rechtsextreme
       > stören.
       
 (IMG) Bild: Richtig groß Flagge zeigen: Christopher Street Day Parade 2022 in Schwerin
       
       Hamburg taz | Die Organisator:innen des Christopher Street Day (CSD)
       in Schwerin in Mecklenburg-Vorpommern blicken angespannt auf die Parade für
       die Rechte von Lesben, Schwulen und queeren Menschen am kommenden Samstag.
       Im vergangenen Jahr hatte es eine rechtsextreme Gegendemonstration gegeben,
       [1][auch in diesem Jahr sind Gegenaktionen angekündigt].
       
       So richtig Zeit für Vorfreude bleibe da nicht, sagt Sebastian Witt aus dem
       Organisationsteam des 19. Schweriner CSD. „Eine sichere Veranstaltung zu
       bieten, ist gerade unsere höchste Priorität, da fällt leider einiges
       anderes runter.“
       
       Im vergangenen Jahr hatten rechtsextreme Störer:innen die
       Organisator:innen überrascht. Nach dem Schock würden sie sich in
       diesem Jahr besser auf Störaktionen vorbereiten, sagt Witt: „Wir haben
       unsere Sicherheitsvorkehrungen deutlich erhöht und stehen enger im Kontakt
       mit der Polizei.“
       
       Ausschlaggebend seien auch [2][rechte Angriffe auf den CSD im September
       2024 in Wismar] gewesen. Dort war der erste CSD in der Stadtgeschichte von
       mehreren Hundert, größtenteils jugendlichen Rechtsextremen gestört worden,
       die Teilnehmende beleidigt und bedroht hatten. [3][Ähnliche Aktionen, teils
       mit Verletzten, hatte es auch an vielen anderen, besonders kleineren und in
       Ostdeutschland gelegenen Orten gegeben].
       
       ## Schweriner Rechtsextreme wollen CSD stören
       
       Die Sorge in Schwerin hat in diesem Jahr einen konkreten Grund. Die
       rechtsextreme Gruppe „Division Schwerin“ mobilisierte schon vor Monaten
       gegen den CSD.
       
       Im Februar schrieb sie in einem Post auf Instagram unter Fotos von einem
       Demotag, auf denen junge Männer Bierdosen öffnen, Kekse essen oder das
       White-Power-Zeichen in die Kamera halten: „Gute narichten gibt bald wieder
       was schönes euch eine demo gegen denn csd schwerin“. (sic!)
       
       Daniel Trepsdorf vom Regionalzentrum Westmecklenburg für demokratische
       Kultur (RAA) nimmt die holprige Ankündigung der Gruppe sehr ernst. „Ich
       sehe die Gefahr, dass da auch tätliche Angriffe drohen“, sagt er. Das liege
       auch an der Dynamik in derlei rechtsextremen Gruppen, in denen die
       Jugendlichen mit möglichst radikalem Auftreten ein Standing entwickeln
       wollten.
       
       Daniel Trepsdorf ordnet die „Division Schwerin“ als [4][Teil der aktuellen
       bundesweiten Mobilisierungswelle rechtsextremer Jugendlicher] ein, für die
       queere Menschen ein zentrales Feindbild sind.
       
       ## Verbindungen zur „Letzten Verteidigungswelle“
       
       Die lose Gruppe aus Schwerin habe personelle Überschneidungen zur
       sogenannten „Letzten Verteidigungswelle“. Gegen fünf, teils minderjährige,
       mutmaßliche Mitglieder dieser Gruppe aus verschiedenen Bundesländern
       ermittelt die Bundesanwaltschaft wegen Terrorverdachts.
       
       Sie sollen Anschläge gegen Geflüchtetenunterkünfte und linke Kulturorte
       geplant beziehungsweise begangen haben. Unter den bei einer Razzia Mitte
       Mai Festgenommenen waren auch zwei junge Männer aus Mecklenburg-Vorpommern.
       
       Wie die „Division Schwerin“ drauf ist, zeigte sich vor rund einer Woche. Da
       beleidigten in [5][Grevesmühlen bei Wismar] Teilnehmende einer von der
       Gruppe angemeldeten Demo „gegen linke Strukturen/Positionen“ einen Fahrgast
       in einem Bus massiv rassistisch und riefen verfassungswidrige Parolen, wie
       mehrere Lokalzeitungen berichteten. Die Polizei ermittelt gegen mehrere
       Beschuldigte im Alter zwischen 13 und 26 Jahren.
       
       Eine eigentlich geplante Demonstration der „Division Schwerin“ gegen den
       CSD am kommenden Samstag haben die Behörden nicht genehmigt. Daniel
       Trepsdorf vom RAA vermutet, dass die Gruppe am Anmeldeprozedere gescheitert
       ist. Allerdings planten Mitglieder in Chatgruppen, sich mit
       Regenbogenfahnen als CSD-Teilnehmer:innen zu verkleiden und die
       Veranstaltung zu stören. „Da hilft nur, aufmerksam zu sein“, sagt
       Trepsdorf.
       
       ## Kampf um die Symbole
       
       Unter dem Symbol der Regenbogenfahne setzt sich die queere Bewegung seit
       den 1970er-Jahren am Christopher Street Day für queere Sichtbarkeit ein. Am
       Schweriner Rathaus weht sein Kurzem die Regenbogenflagge – anlässlich des
       CSD, für zwei Wochen.
       
       Selbstverständlich ist das nicht. [6][Andere Orte in Mecklenburg-Vorpommern
       wie Neubrandenburg] hissen nach Hetzkampagnen überhaupt keine
       Regenbogenfahnen mehr im öffentlichen Raum.
       
       Allerdings tobt auch in Schwerin der Kampf um die Symbole. Erst kürzlich
       hat die CDU mit den Stimmen von AfD und FDP im Stadtrat beschlossen, nicht
       mehr nur zu bestimmten Anlässen, sondern täglich die Deutschland-, sowie
       Landes- und EU-Fahnen am Rathaus zu hissen.
       
       Sebastian Witt hält den Christopher Street Day in Zeiten zunehmender
       Queerfeindlichkeit für wichtiger denn je. „Wir freuen uns auf alle, die
       kommen, um Flagge zu zeigen und solidarisch zu sein.“
       
       Etwas entspannter können die Organisator:innen in Hannover,
       Wilhelmshaven und Bad Bramstedt auf den CSD am Samstag blicken. Dort sind
       keine geplanten Gegenaktionen bekannt.
       
       4 Jun 2025
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Amira Klute
       
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