# taz.de -- Besonders klimaschädliche Lebensmittel: Neuer Agrarminister Rainer gegen höhere Steuer auf Fleisch
       
       > Umweltschützer kritisieren den CSU-Politiker Alois Rainer: Selbst der
       > Bauernverband habe einer leichten Erhöhung der Mehrwertsteuer zugestimmt.
       
 (IMG) Bild: Der Niederbayer Alois Rainer wird Bundeslandwirtschaftsminister
       
       Berlin taz | Der designierte Bundesagrarminister [1][Alois Rainer] hat
       höhere Steuern auf Fleisch ausgeschlossen. „Im Koalitionsvertrag wurde
       vereinbart, dass keine Steuererhöhungen durchgeführt werden. Daran werde
       ich mich als zukünftiger Minister halten“, zitierte die [2][Bild-Zeitung]
       den CSU-Politiker am Mittwoch.
       
       Der scheidende Agrarminister Cem Özdemir (Grüne) hatte sich im vergangenen
       Sommer für eine leichte Anhebung der Mehrwertsteuer auf Fleisch
       ausgesprochen. Die zusätzlichen Einnahmen sollen Landwirte erhalten, die
       ihre Ställe für mehr Tierwohl umbauen. Umweltschützer versprechen sich von
       höheren Fleischpreisen auch, dass der Konsum dieses klimaschädlichen
       Lebensmittels sinkt.
       
       Rainer hält laut Bild stattdessen sogar sinkende Fleischpreise für möglich:
       „Ich bin ein großer Freund der sozialen Marktwirtschaft. Das bedeutet:
       Fleischpreise macht nicht der Minister, sondern der Markt“, sagte der
       gelernte Metzgermeister und derzeitige Bundestagsabgeordnete.
       
       Der Niederbayer will offenbar zudem auf die Speisepläne von Kindergärten
       und Schulen einwirken: Dort solle auch Fleisch aufgetischt werden, forderte
       Rainer. „Eine ausgewogene Ernährung ist wichtig“, so der künftige Minister.
       [3][In manchen Kindertagesstätten und Schulen wird kein Fleisch mehr
       angeboten], weil der Verzehr im Schnitt so hoch ist, dass er Experten
       zufolge Gesundheit und Klima schadet. Die Befürworter der vegetarischen
       Speisepläne argumentieren auch, das Essen in Kita oder Schule sei nur ein
       kleiner Teil der Ernährung, zu Hause könne selbstverständlich auch Fleisch
       gegessen werden.
       
       ## Verbände sehen Informationsbedarf
       
       Den Bauern will Rainer Bild zufolge mehr Freiheiten lassen: „Landwirte sind
       keine Kinder, die man bevormunden muss“, sagte der künftige Minister. Er
       werde in der Agrarpolitik eher auf Anreize statt Verbote setzen.
       
       Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Deutsche
       Tierschutzbund kritisierten Rainers Äußerungen überwiegend. „Ich kann Herrn
       Rainer nur raten, bevor er jetzt klare Aussagen macht, sich zu erkundigen,
       was schon geeint ist“, sagte Tierschutzbund-Präsident Thomas Schröder der
       taz. Die [4][Zukunftskommission Landwirtschaft, an der sowohl der Deutsche
       Bauernverband als auch Umwelt- und Tierschützer beteiligt waren, habe
       einstimmig beschlossen, dass der Konsum und die Produktion tierischer
       Lebensmittel] sinken müssen. „Das sollte Alois Rainer nicht ignorieren. Nur
       weil sein Parteichef Markus Söder viel Döner isst, muss Döner nicht zur
       Allgemeinernährung werden“, so Schröder.
       
       BUND-Vorsitzender Olaf Bandt wies Rainer darauf hin, dass die
       Landwirtschaft laut Koalitionsvertrag im Geiste eines
       gesamtgesellschaftlichen Konsenses auszugestalten sei. „Und Fleisch zu
       verbilligen ist nicht der gesellschaftliche Konsens, den wir bisher haben“,
       so Bandt. Die Zukunftskommission habe sogar vorgeschlagen, die
       Mehrwertsteuer auf Fleisch etwas zu erhöhen, um den [5][Umbau der
       Tierhaltung] zu finanzieren. „Da sagt Herr Rainer gerade etwas anderes.
       Deswegen würden wir gern mit ihm sprechen.“
       
       Eine Kalorie aus tierischen Lebensmitteln belastet das Klima stärker als
       eine aus pflanzlichen Produkten. Für die Fleischerzeugung werden auch mehr
       Ackerflächen benötigt, es fallen große Güllemengen an, die das Grundwasser
       gefährden. Außerdem leiden die Tiere. Getreide etwa ernährt zudem mehr
       Menschen, wenn es direkt gegessen und nicht erst verfüttert wird. Weiterhin
       steht zu viel Fleisch im Zusammenhang etwa mit Krebs und
       Kreislauferkrankungen.
       
       30 Apr 2025
       
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       ## AUTOREN
       
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