# taz.de -- Schwarz-rote Koalitionsverhandlungen: Jetzt geht es ans Eingemachte
       
       > Am Freitag ist die sogenannte 19er-Runde im Willy-Brandt-Haus
       > zusammengekommen. Bei den Spitzen von CDU, CSU und SPD geht es nun ums
       > Wesentliche.
       
 (IMG) Bild: Die Gar-nicht-mal-so-Gro-Ko aus SPD und CDU/CSU tritt auf der Zielgeraden der Koalitionsverhandlungen in Berlin vor die Presse
       
       Berlin taz | CDU-Chef Friedrich Merz musste am Freitag nach
       Berlin-Kreuzberg fahren. Zu allerersten Mal kam der CDU-Chef, der gern bald
       Kanzler einer schwarz-roten Koalition werden will, in das
       Willy-Brandt-Haus, die SPD-Zentrale in Berlin. Am Nachmittag ist hier die
       Spitzenrunde von CDU, CSU und SPD, die insgesamt aus 19 Personen besteht,
       zur nächsten Etappe [1][der Koalitionsverhandlungen] zusammengekommen. Der
       „entscheidenden Phase“, wie SPD-Chef Lars Klingbeil es nannte.
       
       Bevor es losging, bemühten sich die vier Vorsitzenden, vorsichtigen
       Optimismus zu verbreiten – aber gleichzeitig auch die Erwartungen zu
       dämpfen, dass nun die allermeisten Forderungen aus den [2][16
       Arbeitsgruppen] erfüllt werden könnten. „Wir wollen, dass es klappt“, sagte
       Klingbeil. Die Gespräche seien bislang von einem immer größer werdenden
       Vertrauen geprägt, betonte Merz. Er gehe „zuversichtlich“ in die nächsten
       Tage. „Wir werden es gemeinsam schon wuppen“, so CSU-Chef Markus Söder.
       
       Man werde, so Klingbeil weiter, nun die Ergebnisse der 16 Arbeitsgruppen
       kritisch diskutieren und priorisieren, aber: „Die Aneinanderreihung von
       vielen guten Forderungen macht noch keine gute Koalition.“ Alle Beteiligten
       müssten sich angesichts der Herausforderungen jetzt fragen: „Ist das groß
       genug?“ Entscheidend seien aus seiner Sicht drei Fragen: Gebe es einen
       klaren Plan, um Deutschland zu modernisieren? Das Land wettbewerbsfähig zu
       halten? Und hätten die Leistungsträger am Ende das Gefühl, dass sich ihr
       Leben verbessere?
       
       „Wir brauchen in wesentlichen Fragen der deutschen Politik einen neuen
       Anlauf“, betonte Merz. Dann nannte er, was er immer nennt: Die Eindämmung
       der irregulären Migration, die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft und die
       Finanzplanung für den Bundeshaushalt: „Wir werden umfassend sparen müssen.“
       Auch Söder betonte: „Wir müssen grundlegend etwas ändern.“
       
       ## Ergebnispapiere durchgesickert
       
       In den vergangenen Tagen waren die Ergebnispapiere der 16 Arbeitsgruppen,
       die der Spitzenrunde vorgeschaltet waren, [3][nach und nach
       durchgesickert]. In manchen von ihnen, etwa bei der [4][AG Finanzen],
       dominieren blaue und rote Passagen. Das heißt: Diese Stellen sind noch
       nicht geeint. Rot steht für die Forderungen der SPD, blau für jene der
       Union. Laut SPD-Co-Chefin Saskia Esken sei die Öffentlichkeit über den
       Stand der Verhandlungen jetzt besser informiert, „als uns lieb ist“.
       
       „Das sind sehr viele Ideen und Wünsche, aber unsere Mittel sind begrenzt“,
       so Esken und klang dabei fast ein bisschen wie Merz. Und SPD-Chef Klingbeil
       betonte, man dürfe jetzt nicht den gleichen Fehler wie die Ampel machen:
       „Viele gute Dinge aufschreiben, die am Ende aber nicht finanzierbar sind.“
       Die Spitzengruppe wird laut dem SPD-Chef nun zuerst „eine Generaldebatte“
       führen, Merz sprach von einem „gemeinsamen Bild“, das gezeichnet werden
       müsse. Am Freitag sollte es auch um die Finanzen gehen. Alles andere ist
       nachgelagert.
       
       Am Ende werden völlig sachfremde Dinge gegeneinander verhandelt werden,
       damit eine Einigung möglich ist und jede der drei Parteien Erfolge
       vorweisen kann. Wie lange die Verhandlungen dauern, ist offen. Während zu
       Beginn vor allem Merz und die CDU Druck gemacht hatten, heißt es nun,
       Gründlichkeit gehe vor Schnelligkeit. Ursprünglich war das Ziel, sich
       innerhalb der kommenden Woche auf einen Koalitionsvertrag zu einigen.
       Dieser könnte dann in der Woche vor Ostern unterzeichnet werden, in der
       Woche danach könnte Merz zum Kanzler gewählt werden. Ob das klappt?
       Öffentlich zumindest will sich zu diesem Zeitplan niemand mehr äußern.
       
       28 Mar 2025
       
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 (DIR) [4] https://fragdenstaat.de/dokumente/258026-koalitionsverhandlungen-cdu-csu-spd-ag-16-haushalt-steuern-finanzen/
       
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