# taz.de -- Habeck-Werbung in München: Grüne Projektion
       
       > Am Siegestor erstrahlte das Gesicht von Habeck. Öffentlichen Raum für
       > nichtssagende Wahlwerbung zu nutzen, ist aber sowohl verboten als auch
       > unoriginell.
       
 (IMG) Bild: Im Jahr 1850 wurde das Mahnmal fertiggestellt, 2025 mit Habecks Schädel geschmückt
       
       Ja, da schau her, hieß es am Montag in München kurz nach Einbruch der
       Dunkelheit. Ein [1][riesiger Robert Habeck] war da mit einem Mal zu sehen,
       projiziert über die ganze Breite des Siegestors, dieses klassizistischen
       Eingangsportals zu Münchens Prachtboulevard Ludwigstraße.
       
       „Bündniskanzler“ stand unter dem wie immer recht mild dreinschauenden
       Spitzenkandidaten der Grünen bei der anstehenden Bundestagswahl. Dazu der
       Slogan: „Ein Mensch. Ein Wort.“ Lange war die riesige Projektion nicht zu
       sehen. Die Polizei beendete das grüne Spektakel.
       
       Die Firma, die im Auftrag der Grünen Robert Habeck an das Siegestor
       geworfen hatte, konnte keine Genehmigung vorweisen. So eine hätte es
       natürlich gebraucht. So verlangt es die „Verordnung der Landeshauptstadt
       München über das Anbringen von Anschlägen und Plakaten und über
       Darstellungen durch Bildwerfer“.
       
       Haben sich die bei Schwarz und braun als Verbotspartei verschrienen Grünen
       da einfach über eine Regel hinweggesetzt? Das wäre ja mal was. Das Wort
       Guerilla machte die Runde und die Frage stand im Raum, ob die Grünen jetzt
       wieder sponti sind, widerständig gar.
       
       ## Mehr gibt es nicht zu sagen?
       
       Doch auch gezähmte Altlinke, die zu Habeck-Fans geworden und dennoch
       aufgeschlossen sind für Revolutionsromantik aller Art, werden bei dieser
       Aktion des Guerilla-Marketings kaum an die Stadtguerilla denken, die einst
       Ulrike Meinhof besungen hat.
       
       So wie es aussieht, ist das Guerilla-Marketing der Grünen eine
       Agenturgeburt und alles andere als sponti. „Wir müssen zu Bündnissen
       zusammen wachsen. Als Bündniskanzler steht Robert Habeck genau dafür“, so
       antwortete die grüne Parteizentrale auf Nachfrage zur Aktion dem
       Bayerischen Rundfunk. Mehr gibt es nicht zu sagen?
       
       Während ein paar Kilometer außerhalb der Stadt in Kloster Seeon
       Ministerpräsident Markus Söder bei der Klausur der Bundestags-CSU munter
       eine Mütterrente verspricht, eine noch härtere
       [2][„Ausländer-Raus!“-Politik] ankündigt oder der Autoindustrie eine neue
       Elektroprämie zuschustern will, sagen die Grünen mit ihrer gewaltigen
       Plakataktion nichts, aber auch gar nichts.
       
       Für dieses Nichts haben sie das Siegestor angestrahlt. Das ist ja, auch
       wenn es im Alltag der Münchner als solches keine besondere Rolle spielt,
       ein Mahnmal gegen den Krieg. „Dem Sieg geweiht, vom Krieg zerstört, zum
       Frieden mahnend“ lautet die Inschrift auf dem Tor, die durch die Projektion
       zur Bildunterschrift für den riesigen Habeck-Schädel geworden ist.
       
       ## Vielleicht nur eine geile Location
       
       Unter dem bayerischen König Ludwig I. war das Tor ab 1843 nach antikem
       Vorbild errichtet worden und sollte an die Siege in den Kriegen gegen
       Napoleon erinnern. Im Zweiten Weltkrieg ist es zerstört und danach so
       wiedererrichtet worden, dass alle die Spuren der Zerstörung sehen mögen. Ob
       sich die Guerilla-Werber wohl damit beschäftigt haben?
       
       Vielleicht fanden sie das Siegestor einfach nur eine geile Location. Das
       wäre dann ungefähr so originell wie eine Idee von Adidas im Jahr 2020. Da
       hatte der Sportartikelhersteller mit den drei Streifen das Tor mit einer
       Werbebotschaft für die Marke nach dem Champions-League-Sieg des [3][FC
       Bayern München rot angestrahlt]. Die Stadt als Werbekulisse.
       
       Gerade gibt es in München heftige Diskussionen darüber, dass der Platz vor
       der dem Siegestor gegenüberstehenden Feldherrnhalle in diesem Jahr für eine
       teure Silvestersause abgesperrt werden soll. Und an die Internationale
       Automobilausstellung 2021, deren Aussteller am selben Platz so viel Raum
       eingenommen haben, dass kaum mehr ein Durchkommen Richtung Innenstadt
       möglich war, ist bei vielen auch nicht unbedingt in guter Erinnerung.
       
       Den ohnehin begrenzten Stadtraum den Bürgerinnen und Bürgern zu lassen, das
       wäre doch glatt mal eine Forderung, die der selbst ernannte Bündniskanzler
       im Wahlkampf formulieren könnte. Aber bitte nicht ans Siegestor
       projizieren.
       
       7 Jan 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Habecks-Bewerbungsvideo/!6047803
 (DIR) [2] /Rassismus-der-CDU/!6060700
 (DIR) [3] https://www.horizont.net/marketing/nachrichten/mia-san-triple-so-gratulieren-die-sponsoren-bayern-muenchen-zum-dreifach-triumph-185215
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Rüttenauer
       
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