# taz.de -- Kitakrise in Deutschland: Ein Desaster – für alle
       
       > Es mangelt an Kitaplätzen, Personal und Kompetenz. So geht das nicht
       > weiter. Es müssen endlich genug Plätze und Erzieher:innen her.
       
 (IMG) Bild: Überall suchen Kitas Personal. Doch es fehlt auch an Kitaplätzen
       
       Man kann sich auf Kitas nicht verlassen. Dieser in einen einzigen Satz
       gegossenen Frontalkritik der [1][Wirtschaftsweisen Monika Schnitzer] ist
       nichts hinzuzufügen. Außer vielleicht ein paar wenige Beispiele, wie der
       Kitaalltag aktuell aussieht. In Bayern machen Mütter – auch dort wollen
       Frauen arbeiten – Jubelsprünge, wenn sie einen Kitaplatz ergattern. Die
       Freude trübt sich, denn viele Einrichtungen sind nur bis 12 Uhr geöffnet.
       Welch Glück, wenn ein Unternehmen eine eigene Kita hat. Aber, oh Schreck,
       den Platz ist man los, wenn man nicht mehr in dem Haus arbeitet.
       
       In Nordrhein-Westfalen fungieren Kitas lediglich als „Parkhäuser“ für
       Kinder, lautet eine Kritik. Dort sollen künftig auch Fachfremde – die Rede
       ist von Musiker:innen und Handwerker:innen – Kinder betreuen
       dürfen. In Berlin werden Kinder in „Zu-Hause-Bleiben-Gruppen“ eingeteilt
       und Eltern morgens angerufen, dass ihr Kind heute nicht kommen kann. Kurz:
       Es mangelt allerorten an Plätzen, Personal, Fachkompetenz. Das [2][Institut
       der Deutschen Wirtschaft verweist auf über 300.000 fehlende Plätze
       bundesweit], der [3][Paritätische Gesamtverband auf 125.000 fehlende
       Fachkräfte].
       
       Selbst in Ostdeutschland ist Schluss mit dem einstigen „Kitaparadies“.
       Häuser schließen, [4][ein Viertel des regulären Arbeitspensums in den Kitas
       wird ohnehin nicht geleistet: infolge von Krankheit, Urlaub,
       Fortbildungen.] Nein, so geht das wirklich nicht weiter. Das ist nicht nur
       eine Zumutung für Eltern, insbesondere für Mütter, die dadurch gezwungen
       werden, ihren Job gegen das Kinderzimmer zu tauschen – ob sie es wollen
       oder nicht. Sondern auch ein Drama für die Kinder, denen frühkindliche
       Bildung vorenthalten wird. Und es ist eine ökonomische Katastrophe, weil
       sowohl Wirtschaftskraft als auch Expertise weiblicher Fachkräfte verloren
       gehen.
       
       Wer jetzt beklagt, dass die deutsche Wirtschaft den Bach runter geht, hat
       eine simple ökonomische Logik nicht verstanden: Der Rückgang der Wirtschaft
       und der [5][Rückfall in traditionelle Familienmodelle aufgrund fehlender
       Kitas] bedingen einander. Was hilft? Auch das ist simpel: Her mit den
       Kitas!
       
       30 Dec 2024
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.tagesschau.de/wirtschaft/arbeitsmarkt/wirtschaftsweise-schnitzer-kinderbetreuung-arbeitszeit-wirtschaft-100.html
 (DIR) [2] https://www.iwkoeln.de/themen/bildung-und-qualifizierung/kinderbetreuung.html
 (DIR) [3] https://www.der-paritaetische.de/themen/soziale-arbeit/kindertagesbetreuung/
 (DIR) [4] https://www.bertelsmann-stiftung.de/en/themen/aktuelle-meldungen/2024/august/dramatisch-hohe-krankheitsausfaelle-beim-kita-personal-erfordern-antwort-der-politik
 (DIR) [5] /Frauen-und-ihre-Teilzeitjobs/!5949575
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Simone Schmollack
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Kitas
 (DIR) Personal
 (DIR) Mütter
 (DIR) Wirtschaft
 (DIR) Hausfrau
 (DIR) GNS
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Karin Prien
 (DIR) Kitas
 (DIR) Bremen
 (DIR) Schwerpunkt Armut
 (DIR) Gleichberechtigung
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Bildungsministerin Karin Prien: Rhetorischer Eskapismus
       
       Bildungsministerin Karin Prien erklärt Kita-Investitionen zur
       „Schicksalsfrage für Deutschlands“. Das verkennt die wahren Probleme im
       Bildungsbereich.
       
 (DIR) Neue Studie der Bertelsmann-Stiftung: Fachkraftquote in Kitas sinkt deutlich
       
       Immer mehr Quereinsteiger:innen arbeiten in Berliner Kitas. Die
       Entwicklung gehe zulasten der pädagogischen Qualität, warnen Expert:innen.
       
 (DIR) Expertin über kollabierende Kitas: „Lügen wir uns nicht weiter in die Tasche“
       
       Die Bremer Kita-Expertin Ilse Wehrmann fordert angesichts des
       Fachkräftemangels, ältere Kinder zu priorisieren anstatt alle schlecht zu
       versorgen.
       
 (DIR) Altersarmut bei Frauen: 400 Euro weniger Rente
       
       Klar, Staat und Unternehmen müssen geschlechterbedingte Ungerechtigkeit
       abstellen. Aber auch Frauen können mehr für eine höhere Rente tun.
       
 (DIR) Aufteilung der Arbeit in Familien: Den Alltag organisieren Frauen
       
       Dass immer mehr Mütter mit kleinen Kindern arbeiten, ist fast eine gute
       Nachricht. Denn oft arbeiten sie in Teilzeit – und regeln noch das
       Familienleben.