# taz.de -- Soziale Gerechtigkeit: Haushaltshilfe auf Staatskosten
       
       > Die Linkspartei legt einen Sechs-Punkte-Plan vor, um Alleinerziehende
       > besser zu unterstützen. Diese sind besonders stark von Armut gefährdet.
       
 (IMG) Bild: Wäre Idylle: mehr Unterstützung für Alleinerziehende
       
       Berlin taz | Hohe Mieten, steigende Preise für Lebensmittel und Strom:
       davon sind Alleinerziehende besonders betroffen. Vätern und Müttern, die
       sich alleine um ihre Kinder kümmern, will die Linke stärker unter die Arme
       greifen. „Keine Gruppe ist stärker von Armut betroffen als
       Alleinerziehende“, sagt Parteichefin Janine Wissler. Am Montag stellte sie
       in Berlin einen [1][6-Punkte-Plan] vor, um das Armutsrisiko von
       Alleinerziehenden zu senken und deren Kindern bessere Startchancen zu
       geben.
       
       [2][Rund 1,6 Millionen Alleinerziehende mit minderjährigen Kindern gibt es
       in Deutschland], davon sind 85 Prozent Frauen. Mehr als ein Drittel von
       ihnen ist auf Grundsicherung angewiesen. Viele Alleinerziehende seien
       chronisch überlastet, hätten kaum Zeit für sich, und meistens kämen noch
       Geldsorgen dazu, sagte Wissler. Die Parteivorsitzende der Linken fordert
       für sie eine „echte Kitaplatz-Garantie“. Jede*r vierte Alleinerziehende
       finde trotz Bedarfs keinen Kitaplatz, rechnete Wissler vor, und sprach von
       einer „Kitastrophe“.
       
       Die Linke will auch die Schulen stärken, damit Kinder mit überforderten
       Eltern oder wenig Platz zuhause trotzdem die Chance auf einen guten
       Abschluss haben. Zudem fordert die Linke ein kostenfreies Schulmittagessen
       für alle Kinder. Auch eine Lernmittelfreiheit käme vor allem ärmeren
       Familien und Alleinerziehenden zugute. Das Konzept der Ampel-Koalition für
       eine [3][Kindergrundsicherung] kritisierte Wissler scharf: es würde
       Alleinerziehende benachteiligen. Viele [4][Verbände sehen das ähnlich].
       
       ## Höhere Renten, vollen Unterhalt
       
       Darüber hinaus will sie Alleinerziehende bei der Altersvorsorge
       unterstützen. „Die Absenkung des Rentenniveaus und die Teilprivatisierung
       der Altersvorsorge führen bei vielen Alleinerziehenden direkt in die
       Altersarmut“, heißt es im Sechs-Punkte-Plan. Minijobs sollten in
       sozialversicherungspflichtige Arbeit umgewandelt, der Mindestlohn soll auf
       15 Euro erhöht und bei Müttern sollen 3 Erziehungsjahre bei der Rente
       anerkannt werden. Auch der Unterhaltsvorschuss sollte reformiert und
       künftig nicht mehr auf das Bürgergeld angerechnet werden. Dieser Vorschuss
       wird vom Staat gezahlt, falls der nicht erziehende Elternteil nicht oder zu
       wenig für sein Kind zahlt. Laut Wissler erhalten nur ein Viertel aller
       Alleinerziehenden den Unterhalt, der ihnen zusteht.
       
       „Die Lebenssituation von Alleinerziehenden müsste nicht so schwierig sein,
       wenn es vernünftige Rahmenbedingungen gäbe, die die Menschen nicht alleine
       lassen würden“, betonte Wissler. „Aber Alleinerziehende haben keine Lobby
       und ihre Stimme wird nicht so laut gehört.“
       
       Nicht zuletzt fordert die Linke eine staatlich finanzierte Haushaltshilfe
       für berufstätige Alleinerziehende. Diese sollen bei gemeinnützigen
       Agenturen fest angestellt werden, um selbst sozial abgesichert zu sein.
       „Derzeit können Alleinerziehende nur bei akuten Erkrankungen und nach
       Operationen eine Haushaltshilfe beantragen“, so Wissler. Diese Möglichkeit
       wolle ihre Partei nun ausweiten.
       
       ## Zweistellige Milliardenbeiträge
       
       Der Anspruch solle für „berufstätige Alleinerziehende mit schulpflichtigen
       Kindern bis zu einer bestimmten Einkommensgrenze“ gelten, stellte Wissler
       klar. Die Haushaltshilfe soll dann vollständig oder anteilig durch den
       Staat finanziert werden und einmal pro Woche in Anspruch genommen werden
       können.
       
       Die Kosten dieser Reformideen werden im Sechs-Punkte-Plan nicht
       aufgeschlüsselt. Die Pläne würden laut Wissler „zweistellige
       Milliardenbeträge“ kosten. „Aber angesichts dessen, was Alleinerziehende in
       diesem Land leisten und für welchen Unfug in diesem Land Geld da ist, darf
       das nicht zu teuer sein“, fügte sie hinzu.
       
       11 Mar 2024
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.die-linke.de/start/presse/detail/alleinerziehende-besser-unterstuetzen/
 (DIR) [2] /Alleinerziehende-Muetter/!5921402
 (DIR) [3] /Antworten-zur-Kindergrundsicherung/!5981082
 (DIR) [4] https://www.die-linke.de/start/presse/detail/alleinerziehende-besser-unterstuetzen/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Daniel Bax
       
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