# taz.de -- Steuerentlastungen für die Wirtschaft: Habeck und Lindner teilweise einig
       
       > Finanzminister Lindner bringt eine Soli-Abschaffung ins Spiel. Auch
       > Habeck will Firmen entlasten. Ökonom*innen streiten über die Ideen der
       > Ampel.
       
 (IMG) Bild: Der liberale Finanzminister und der grüne Wirtschaftsminister stecken auf der Regierungsbank im Bundestag die Köpfe zusammen
       
       Berlin taz | Die jüngsten Vorstöße aus der [1][Ampelkoalition] zur Senkung
       der Unternehmenssteuern stoßen bei Ökonom*innen auf ein geteiltes Echo.
       Den Solidaritätszuschlag abzuschaffen wäre „keine gezielte
       Unternehmensförderung und erst recht keine Investitionsförderung“, warnt
       etwa Steuerexpertin Katja Rietzler vom Institut für Makroökonomie und
       Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.
       
       Bundesfinanzminister [2][Christian Lindner] hatte am Wochenende die
       Abschaffung des Solis ins Spiel gebracht: „Wenn wir nichts tun, wird
       Deutschland ärmer, weil das Wachstum ausbleibt“, sagte der FDP-Politiker am
       Sonntag in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“. „Wenn wir wirklich etwas
       an den Steuersätzen tun wollen“, dann sei „der einfachste und schnellste
       Weg, den Solidaritätszuschlag abzuschaffen“, sagte Lindner und plädierte
       damit für Steuersenkungen.
       
       Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) will ebenfalls die
       Unternehmen entlasten. „Auch ich sehe, dass wir in der Summe eine
       Unternehmensbesteuerung haben, die international nicht mehr
       wettbewerbsfähig und investitionsfreundlich genug ist“, sagte er der Welt
       am Sonntag.
       
       Zuspruch erhielt Habeck dafür vom arbeitgebernahen Institut der deutschen
       Wirtschaft (IW). „Robert Habeck hat recht, Deutschland ist schon lange ein
       Hochsteuerland“, sagte IW-Direktor Michael Hüther. Die Abschaffung des
       restlichen Solis sei „überfällig“. Dieser sei im Grunde eine „verkappte“
       Unternehmenssteuer. Mit knapp 7 Milliarden Euro zahle die Wirtschaft den
       größten Teil des Soli-Steueraufkommens.
       
       ## 12,3 Milliarden Euro durch den Soli
       
       Habeck zeigte sich allerdings mit Blick auf die Abschaffung des Solis
       skeptisch. Ihn ganz zu streichen, würde das Haushaltsloch vergrößern, sagte
       der Vizekanzler am Sonntagabend in der ARD-Sendung Caren Miosga. Seit 2021
       wird der Solidaritätszuschlag nur noch für Spitzenverdienende und
       Unternehmen erhoben. Für dieses Jahr rechnet der Bund damit, durch ihn rund
       12,3 Milliarden Euro an Steuern einzunehmen. Etwa 4,1 Milliarden Euro davon
       entfallen auf die Lohnsteuer. Der Rest sind etwa Einkommens- und
       Körperschaftssteuern.
       
       Für IMK-Steuerexpertin Rietzler ist die Abschaffung des Zuschlags keine
       Option, da sie auch Spitzenverdienenden zugutekäme. „Sie würde 2024 über 12
       Milliarden Euro kosten, keine Investitionen garantieren und
       Verteilungskonflikte verschärfen“, so Rietzler. Stattdessen müsse der
       Schwerpunkt auf der Förderung öffentlicher wie privater Investitionen
       liegen.
       
       „Wir müssen die Transformation beschleunigen. Dabei brauchen wir einen
       Instrumentenmix“, rät sie. Gezielte Investitionszuschüsse für
       transformative Investitionen gehörten dazu, auch Subventionen seien
       teilweise sinnvoll, sollten aber nur übergangsweise gewährt werden.
       „Wichtig ist auch Planungssicherheit über einen längeren Zeitraum“, so
       Rietzler.
       
       Allerdings steht für die Ökonomin fest, dass diese Maßnahmen nicht mit den
       derzeit zur Verfügung stehenden Mitteln finanziert werden können. „Dafür
       muss die Schuldenbremse reformiert werden oder notfalls ein weiteres
       ausgenommenes Sondervermögen geschaffen werden“, sagt Rietzler.
       
       ## Uneinigkeit bei der Schuldenbremse
       
       Über solche Schritte sind sich Habeck und Lindner allerdings weiterhin
       uneins. „Ich halte es nicht für sinnvoll, jetzt Subventionen auf Pump an
       die Unternehmen zu geben“, sagt Lindner und will weiterhin unverändert an
       der [3][Schuldenbremse] festhalten. Habeck hingegen wirbt dafür, ein
       milliardenschweres Sondervermögen zu schaffen, um der Wirtschaft unter die
       Arme zu greifen.
       
       5 Feb 2024
       
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 (DIR) Simon Poelchau
       
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