# taz.de -- Baerbock in Zentralasien: Bodenschätze versus Bürgerrechte
       
       > Die Außenministerin ist in Kasachstan und Usbekistan unterwegs. Dabei
       > signalisiert Baerbock ein klares Interesse an wirtschaftlicher
       > Kooperation.
       
 (IMG) Bild: Empfang beim usbekischen Kollegen: Außenministerin Annalena Baerbock am 1. November in Taschkent
       
       Taschkent taz | Die nächste Station in Zentralasien: Taschkent. Nach
       Kasachstan reist Bundesaußenministerin Annalena Baerbock weiter nach
       Usbekistan. Auch hier gibt es engste Verbindungen nach Russland und nach
       China. [1][Noch größer sind die Schätze an seltenen Erden, an Gold, Silber
       und Kupfer.] Und noch größer sind auch die Fragen, wenn es um Bürgerrechte,
       um Versammlungsrechte, um den Kampf gegen Kinderarbeit oder Umweltschutz
       geht.
       
       Baerbock hat zudem auch nicht vergessen, wie sehr das zentralasiatische
       Entwicklungsland 2021 zu dem Drehkreuz wurde, das für Tausende Menschen die
       Rettung bedeutete. Als die Taliban im August 2021 das Regime in Afghanistan
       übernahmen, konnten viele Ortskräfte, darunter bedrohte Menschen, über
       Taschkent ausgeflogen werden. Nicht nur nach Deutschland, sondern auch in
       andere EU-Staaten, in die USA und nach Kanada. Zugleich war die Strecke der
       Versorgungsweg für Lebensmittel, Kleidung, medizinisches Material. „Für
       diese Solidarität sind wir mehr als dankbar“, sagte die deutsche
       Außenministerin nach einem Treffen mit ihrem usbekischen Amtskollegen
       Wladimir Norow in Taschkent.
       
       Auch ein gutes Jahr später soll die Aufnahme gefährdeter Menschen aus
       Afghanistan in Deutschland weiter vorangehen. Baerbock verwies auf das
       Bundesaufnahmeprogramm, das sie mit Bundesinnenministerin Nancy Faeser
       (SPD) vereinbart hat. [2][1.000 Menschen pro Monat sollen in Deutschland
       aufgenommen], und die Ausreise soll auch über Usbekistan vereinfacht
       werden. Vor allem in Pakistan warten bisher Tausende Geflüchtete auf eine
       Möglichkeit, weiterzureisen. Doch Baerbock macht auch klar: Das
       Taliban-Regime werde nicht anerkannt. Sie haben den Menschen ihre Freiheit
       genommen, sagt sie: „Den Frauen rauben die Taliban ihr Recht auf Freiheit,
       auf Zukunft, auf Leben. Denn: Überleben ist etwas anderes als leben.“
       
       Der Krisenherd Afghanistan – er liegt vor der Haustür Usbekistans. Die
       Regierung in Taschkent aber will die Taliban nicht isolieren. Man könne
       dieses Land mit diesen Problemen nicht allein lassen, sagt Norow. Aus
       usbekischer Sicht ist auch die internationale Sicherheit und die des
       eigenen Landes in Gefahr, wenn es keine guten Vereinbarungen mit den
       Taliban gibt. Norow appelliert zudem an die Weltgemeinschaft, Afghanistan
       nicht im Stich zu lassen. [3][Der Zustand für die Menschen vor Ort wäre
       katastrophal] und im Winter dürfte sich die Lage verschlimmern.
       
       ## Seitenhieb in Richtung Kanzleramt
       
       In Usbekistan will Baerbock auch über China sprechen, das verstärkt auf die
       reichhaltigen Bodenschätze des zentralasiatischen Landes zugreifen möchte.
       Wie wichtig die Unabhängigkeit von China ist, macht die
       Bundesaußenministerin in Taschkent einmal mehr mit einem Seitenhieb in
       Richtung Kanzleramt klar. Bundeskanzler Olaf Scholz will in dieser Woche
       nach China reisen. Baerbock verweist in Taschkent auf die Vereinbarungen im
       Koalitionsvertrag: Faire Wettbewerbsbedingungen, Menschenrechte, die
       Anerkennung von internationalem Recht seien die Grundlage für alle
       internationalen Kooperationen. Angesprochen auf den Zeitpunkt der Reise
       verweist sie auf die Entscheidung des Kanzlers.
       
       Wie in Kasachstan geht es Baerbock in Usbekistan auch um ein Signal an die
       Staaten: Wir wollen mit euch zusammenarbeiten – unter bestimmten
       Bedingungen. Begleitet wird die Außenministerin von einer
       Wirtschaftsdelegation. Derzeit sind rund 200 deutsche Unternehmen in
       Usbekistan tätig, viele als Zulieferer oder Ausrüster. Die Bundesregierung
       fördert zudem Aus- und Bildungsprogramme vor Ort.
       
       1 Nov 2022
       
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 (DIR) Tanja Tricarico
       
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