# taz.de -- Stimmen zur Gasumlage: „Auf wackligen Füßen“
       
       > SPD-Chefin Saskia Esken rechnet noch diese Woche mit dem Aus für die
       > Gasumlage. FDP-Fraktionschef Christian Dürr verteidigt das Festhalten an
       > der Schuldenbremse.
       
 (IMG) Bild: „Ich bin der festen Überzeugung, dass wir diese Woche zum Ende der Gasumlage kommen“, so Saskia Esken
       
       Berlin taz/dpa/afp | Nachdem Finanzminister Christian Lindner (FDP) die
       [1][Gasumlage in Frage] gestellt hat, äußern sich weitere Politiker*innen.
       Eigentlich soll der Mechanismus am 1. Oktober eingeführt werden.
       Privathaushalte und Unternehmen sollen sie zahlen, um Energieunternehmen zu
       stützen, die wegen des Ausfalls von russischem Gas nun teurer auf anderen
       Märkten einkaufen müssen. Allerdings lässt die Bundesregierung noch prüfen,
       ob die Umlage nach der [2][Uniper-Verstaatlichung] überhaupt
       verfassungsrechtlich zulässig ist.
       
       ## Grünen-Vorsitzender Nouripour: Gasumlage muss weg
       
       Der Grünen-Bundesvorsitzende Omid Nouripour geht davon aus, dass die
       umstrittene Gasumlage zunächst am 1. Oktober in Kraft tritt, aber dennoch
       keinen Bestand hat. „Ich muss zugeben, dass ich sogar davon ausgehe, dass
       die am 01.10. in Kraft tritt“, sagte Nouripour am Montag bei RTL/ntv.
       Gefragt danach, wann genau die Gasumlage gekippt werden könne, sagte
       Nouripour: „So schnell es irgendwie nur geht.“ Es müssten Gespräche in der
       Bundesregierung geführt werden, die Lage sei dynamisch. „Dass die jetzt weg
       muss, ist etwas, was richtig ist. Das sehen alle so.“ Mit Blick auf den
       Bundeswirtschaftsminister aus seiner Partei fügte Nouripour hinzu: „Ich
       kann versichern, dass Robert Habeck alles dafür tut, damit die Umlage so
       schnell wie möglich fällt.“ Als „sehr geboten“ bezeichnete der Parteichef
       einen Gaspreisdeckel. Alle denkbaren Nachfolgemodelle der Gasumlage
       kosteten aber Geld, das Finanzminister Christian Lindner (FDP)
       bereitstellen müsse. (dpa)
       
       ## Esken rechnet diese Woche mit „Ende der Gasumlage“
       
       Angesichts der zunehmenden Zweifel in der Koalition rechnet die
       SPD-Parteivorsitzende Saskia Esken in dieser Woche mit einem Aus für die
       umstrittene Gasumlage. „Ich bin der festen Überzeugung, dass wir diese
       Woche zum Ende der Gasumlage kommen“, sagte Esken am Sonntagabend im
       „Bericht aus Berlin“ der ARD. Sie sprach sich zudem für eine
       Verstaatlichung der Energieversorger aus. Auch Eskens Ko-Parteichef Lars
       Klingbeil sah die Gasumlage „politisch auf wackligen Füßen“ und rechnete
       damit, dass sich ihr Schicksal kommende Woche entscheiden wird. (afp)
       
       ## Mützenich: Gasumlage „nicht das Mittel der Wahl“
       
       SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich geht davon aus, dass die Gasumlage nicht
       kommt. Man könne „mit Sicherheit“ davon ausgehen, dass die Gasumlage „nicht
       das Mittel der Wahl ist“, sagte Mützenich am Montag im ARD-Morgenmagazin.
       Er verwies darauf, dass die Umlage zum 1. Oktober wirksam werden soll, aber
       erst zum 31. Oktober fällig werde. Es gebe hier in den nächsten Tagen genug
       Diskussionsstoff.
       
       Mützenich verwies auf Instrumente wie einen Nachtragshaushalt oder „andere
       Mittel“. Auf die Frage nach einem weiteren Sondervermögen sagte Mützenich:
       „Zum Beispiel, das sind Möglichkeiten. Das haben wir bei der Ausrüstung der
       Bundeswehr gezeigt.“ (dpa)
       
       ## FDP-Fraktionschef Dürr verteidigt Festhalten an Schuldenbremse
       
       FDP-Fraktionschef Christian Dürr hat das Festhalten seiner Partei an der
       Schuldenbremse verteidigt. „Die Schuldenbremse ist eine Inflationsbremse
       und damit das beste Instrument zur Abmilderung der Preissteigerungen“,
       sagte er der Rheinischen Post. „Ein Aussetzen der Schuldenbremse verbunden
       mit neuen Ausgabeprogrammen des Staates, wie es derzeit einige fordern,
       würde die Inflation weiter anheizen.“
       
       Stattdessen müsse man an die Wurzeln der Probleme ran, meinte Dürr. „Die
       Preise sind deshalb so hoch, weil es zu wenig Energie gibt. Eine
       Preisbremse auf dem Strom- und Gasmarkt, verbunden mit einer Ausweitung des
       Energieangebots, ist die richtige Antwort“, erklärte er. „Eine
       Gaspreisbremse muss daher in Kombination mit einer Laufzeitverlängerung der
       Kernkraftwerke kommen.“ Eigentlich sollten zum Jahresende alle deutschen
       Atomkraftwerke vom Netz gehen. Pläne von Wirtschaftsminister Robert Habeck
       (Grüne) sehen vor, zwei Kraftwerke für den Fall von Energieengpässen noch
       bis Mitte April einsatzbereit zu halten – der FDP reicht das allerdings
       nicht. (dpa)
       
       ## Mittelstand dringt auf Wegfall der Gasumlage
       
       Der Bundesverband Mittelständische Wirtschaft (BVMW) dringt wegen der
       Energiekrise auf einen Verzicht auf die Gasumlage. „Wiederholt haben wir
       die insbesondere aus Sicht des Mittelstandes vielfältigen
       Unzulänglichkeiten der Einführung einer Gasumlage aufgeführt“, sagte
       Verbandsgeschäftsführer Markus Jerger dem Handelsblatt. Er begrüßte, dass
       Finanzminister Christian Lindner (FDP) die Umlage infrage gestellt hat.
       
       „Endlich scheint nun auch die Einsicht in der Bundesregierung zu reifen,
       dass ein solches Instrument mehr schadet als nutzt“, sagte Jerger der
       Zeitung. Jetzt müsse schnell Vernunft in die politische Diskussion
       einziehen. „Der Gaspreis muss sinken und nicht künstlich hochgetrieben
       werden.“ Es sei niemandem zu vermitteln, warum die Verbraucher für ein nun
       bald verstaatlichtes Unternehmen aufkommen sollen, fügte Jerger mit Blick
       auf die geplante Verstaatlichung des großen Gasimporteurs Uniper hinzu.
       
       Die Unternehmen und Haushalte im Land brauchten bezahlbares Gas. Schon
       jetzt stehe vielen mittelständischen Betrieben und Haushalten das Wasser
       bis zum Hals. „Immer mehr Branchen zeigen sich daher resigniert und
       enttäuscht von der Orientierungslosigkeit vieler Politiker“, sagte Jerger
       dem Handelsblatt.
       
       Der BVMW-Bundesgeschäftsführer zeigte sich offen für eine weitere
       Aussetzung der Schuldenbremse. „Die deutsche Wirtschaft muss diesen nie
       dagewesenen Härtetest Energiepreiskrise überstehen und gestärkt daraus
       hervorgehen“, sagte er. „Wenn dazu eine zeitlich eng begrenzte Lockerung
       der Schuldenbremse um ein weiteres Jahr erforderlich ist, unterstützen wir
       dies.“ Eine zusätzliche Schuldenaufnahme müsse aber an die Bedingung
       geknüpft sein, öffentliche und private Investitionen zu unterstützen. (afp)
       
       26 Sep 2022
       
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