# taz.de -- Markus Söders Kampf um Aufmerksamkeit: Rückfall in alte Muster
       
       > Wegen seines Bedeutungsverlusts gibt Söder wieder den schneidigen
       > Populisten. Es zeigt sich: Seine vormalige Läuterung war rein taktisch
       > motiviert.
       
 (IMG) Bild: Fast die Hälfte der bayerischen Bevölkerung ist mit Söders Arbeit als Ministerpräsident unzufrieden
       
       Markus Söder hat guten Grund, nervös zu werden. Seitdem die Union die
       Bundestagswahl verloren hat, ist nicht nur ihre Bedeutung gesunken, sondern
       auch das öffentliche Interesse an ihr. Und was davon noch übrig ist,
       befriedigt vortrefflich der neue CDU-Vorsitzende Friedrich Merz. Da bleibt
       nicht mehr viel Aufmerksamkeit für den Chef der kleineren Schwesterpartei.
       
       Für einen Mann mit einem Ego, wie Söder es hat, dürfte das schwer zu
       ertragen sein. Zumal der Franke vor gut einem Jahr noch der Ansicht war, er
       könnte der nächste Kanzler werden. Dann aber reichte es noch nicht einmal
       für die Kandidatur.
       
       Und jetzt droht auch noch in Bayern Ungemach. Fast die Hälfte der
       bayerischen Bevölkerung ist mit Söders Arbeit als Ministerpräsident
       unzufrieden. Würden die Freien Wähler die Seite wechseln, könnte laut einer
       neuen Umfrage nach der Landtagswahl im kommenden Jahr gar eine Regierung
       ohne CSU möglich sein. Sehr wahrscheinlich ist das zwar nicht, doch all das
       scheint Söder zu beunruhigen. Anders jedenfalls ist Söders Rückfall in ein
       altes Muster schwer erklärbar: Er greift tief in den rechtspopulistischen
       Werkzeugkasten.
       
       „Hilfe für die Ukraine ist wichtig“, sagte er jüngst im
       ARD-Sommerinterview, „aber natürlich müssen wir auch in erster Linie für
       unsere Bevölkerung in Deutschland Sorge tragen.“ Dieses gefährliche
       Gegeneinander-Ausspielen kann man wohl als vorauseilendes Anbiedern an
       mögliche Proteste im Herbst deuten. Im Interview mit der Bild am Sonntag
       dichtete er der Ampel den [1][„Wunsch nach Umerziehung“] an und
       unterstellte, diese würde Gendern verordnen und staatliche Vorgaben zur
       Ernährung machen. Das ist nicht nur falsch, sondern stammt im Falle der
       „Umerziehung“ aus dem Wörterbuch der Neuen Rechten.
       
       Als Söder im Landtagswahlkampf 2018 mit seiner Strategie, der AfD-Klientel
       nach dem Mund zu reden, zu scheitern drohte, vollzog er eine Kehrtwende und
       entdeckte [2][seine Zuneigung zu Bäumen und Bienen]. Lektion gelernt,
       hofften die Wohlmeinenden. Spätestens jetzt ist klar: Es war eine rein
       taktische Läuterung. Söder geht es vor allem um eines: um Macht. Gut nur,
       dass er es nicht ins Kanzleramt geschafft hat.
       
       18 Jul 2022
       
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