# taz.de -- Quote für Chefinnen in der EU: Frauen an die Spitzen
       
       > Unter Angela Merkel war die Regelung noch an Deutschland gescheitert:
       > Jetzt wollen EU-Länder und -Parlament eine Frauenquote für Chefinnen.
       
 (IMG) Bild: Mehr Chefinnen wäre ein Schritt dahin: Demonstrantin am Frauentag
       
       Brüssel dpa | Nach jahrelanger Blockade haben sich Unterhändler der
       EU-Länder und des EU-Parlaments auf verbindliche [1][Frauenquoten] in der
       EU für [2][Leitungspositionen börsennotierter Unternehmen] geeinigt.
       Konkret sollen die Staaten bis 2026 zwischen zwei Modellen wählen können.
       Entweder sollen mindestens 40 Prozent der Mitglieder von nicht
       geschäftsführenden Aufsichtsratsmitgliedern Frauen sein, wie die
       Vize-Präsidentin des EU-Parlaments Evelyn Regner am Dienstagabend
       mitteilte. Die andere Möglichkeit sehe vor, einen durchschnittlichen
       Frauen-Anteil von 33 Prozent für Aufsichtsräte und Vorstände zu erreichen.
       Wer sich nicht an die Regeln halte, müsse zahlen.
       
       Eine solche Vorgabe sei längst überfällig: „Nach Schätzungen des
       [3][Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen] sind derzeit nur 30,6
       Prozent der Aufsichtsratsmitglieder weiblich und nur 8,5 Prozent der
       Vorstände in der EU mit Frauen besetzt“, so die als Chefverhandlerin an den
       Verhandlungen beteiligte Sozialdemokratin.
       
       Das Vorhaben ist geschlechtsneutral. Sprich: Wenn in einem entsprechenden
       Gremium mehr Frauen als Männer säßen, profitierten auch Männer von der
       Regelung. Formell müssen EU-Staaten und Europaparlament der Einigung noch
       zustimmen.
       
       Maßgeblich für die nun gefundene Einigung war auch der Regierungswechsel in
       Deutschland. Unter Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stand Deutschland
       einer Einigung noch im Weg. Bereits vor rund zehn Jahren hatte die
       EU-Kommission versucht, verbindliche Regeln einzuführen.
       
       ## In Deutschland seit 2015 Frauenquote
       
       Unter der damaligen EU-Justizkommissarin Viviane Reding gab einen
       entsprechenden Vorstoß, der jedoch auch von der Bundesregierung unter
       Merkel abgelehnt wurde. Damals waren in Deutschland nur 15,6 Prozent der
       Aufsichtsräte weiblich.
       
       Das Projekt wurde von Kommissionschefin Ursula von der Leyen Anfang des
       Jahres – also kurz nach der Vereidigung der neuen Bundesregierung – wieder
       auf die Agenda gesetzt. Als die deutsche Regierung seinerzeit unter Merkel
       das Vorhaben blockiert hatte, war die CDU-Politikerin Arbeitsministerin.
       
       In Deutschland gibt es seit 2015 eine Frauenquote für Aufsichtsräte – 30
       Prozent für besonders große Unternehmen. Zudem einigte sich die frühere
       große Koalition aus Union und SPD vergangenes Jahr auf eine Quote für
       Vorstände. Es gibt jedoch Kritik daran, dass Unternehmen diese Quote durch
       eine Umwandlung in eine Europäische Aktiengesellschaft umgehen können.
       
       8 Jun 2022
       
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