# taz.de -- EU-Bioquote für die Landwirtschaft: Brüssel überholt Berlin
       
       > Die EU will eine Bioquote von 25 Prozent der Ackerfläche. Aus Berlin
       > kommt in Sachen ökologischer Landwirtschaft seit Jahren…nichts.
       
 (IMG) Bild: Von seiner Sorte gibt es in Deutschland noch zu wenige: Bio-Landwirt Blanke aus Eickeloh
       
       Bitte, lass es bald vorbei sein. Lange 16 Jahre blockiert die Union nun
       schon das Landwirtschaftsministerium, nutzt es als Abstellgleis für alte
       Männer oder Quotenlieferant für junge Frauen.
       
       Keiner und keine von ihnen hatten jemals diejenigen im Blick, die ihrem
       Ministerium den Namen gaben: weder Verbraucher:innen noch
       Landwirt:innen und erst recht nicht gesunde Böden, Artenvielfalt und
       stabiles Klima – Voraussetzung für eine erfolgreiche Landwirtschaft.
       
       Wenn etwas fortschrittlich ist in Sachen Landwirtschafts- und
       Ernährungspolitik, dann kommt es seit Jahren sicher aus Brüssel; vom
       Parlament, von der Kommission oder aus Ländern, in denen die Industrie
       weniger Einfluss auf den Agrarsektor hat, wie jetzt die in Aussicht
       stehende [1][Bioquote von 25 Prozent] der Ackerfläche.
       
       Wenn sie kommt und zusammen mit den anderen Maßnahmen des europäischen
       Green Deal wie etwa die Strategie zur Biodiversität wirkungsvoll umgesetzt
       wird, verbessert sich etwas auf dem Land. Von den 16 Jahren Seehofer,
       Aigner, Friedrich, Schmidt und Klöckner haben hingegen ausschließlich die
       Chemie-, Lebensmittel- und Maschinenbauindustrie profitiert.
       
       Vorschläge, die Probleme der Landwirte, der Gesundheit oder der Umwelt zu
       lösen, wurden stets als ungerechtfertigter Eingriff in die unternehmerische
       oder persönliche Freiheit abgelehnt. Vorgaben für Lebensmittelkonzerne für
       den Zucker- oder Fettgehalt von Lebensmitteln, Vorgaben an Schulen oder
       Behörden, in ihren Kantinen ökologisch zu beschaffen – abgeschmettert.
       Hilfen für Bauern, die Vögel, Insekten und Gewässer schützen wollten? Nicht
       angepackt. Klimaschutz durch weniger Soja- oder Palmölimporte aus den
       Regenwaldgebieten der Erde? Hält man im Agrarministerium noch immer was für
       Ökospinner.
       
       Für wie dumm halten CDU und CSU die Wähler:innen eigentlich, wenn sie
       sich angesichts der Flutkatastrophe jetzt als Oberumweltschützer geben?
       Nach 16 Jahren reiner Industriepolitik in einem für Nachhaltigkeitsthemen
       elementaren Ministerium klingt der Klimaruck aus ihrem Mund absurd.
       
       20 Jul 2021
       
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