# taz.de -- Folgen des Maskenskandals in der CDU: Grund zur Verunsicherung
       
       > Der Maskenskandal erschüttert die CDU massiv. Mit ihren Pannen in der
       > Coronapolitik nicht genug, gerät die Partei nun auch noch moralisch ins
       > Abseits.
       
 (IMG) Bild: Die Kanzlerin, oft Fels in der Brandung, scheint aus dem Tritt, wirkt plötzlich machtlos
       
       Gitta Connemann, Vizechefin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, hat in dieser
       Woche einen bemerkenswerten Satz gesagt. „Wir befinden uns in der
       schwersten Krise seit der Spendenaffäre“, sagte die CDU-Politikerin und
       bezog sich damit auf die sogenannte [1][Maskenaffäre], die ja eigentlich
       eine Korruptionsaffäre ist. Das ist ein gewagter Vergleich.
       
       Die CDU-Spendenaffäre, mit der der [2][ehemalige Kanzler Helmut Kohl] sich
       und seine Partei Ende der 90er Jahre an den Abgrund führte, ist [3][der
       bislang größte Parteispendenskandal in der bundesdeutschen Geschichte].
       Dagegen muten einige Unionsabgeordnete, die bei Maskendeals sechsstellig
       kassierten, so unmoralisch und möglicherweise justiziabel das auch sein
       mag, deutlich leichtgewichtiger an.
       
       Warum aber versetzen diese Abgeordneten und plötzlich auch jene, die
       vielleicht [4][vom autoritären Aserbaidschan geschmiert] worden sind, die
       CDU derart in Verunsicherung, wenn nicht gar in Panik, wie sie aus
       Connemanns Äußerung spricht? Vielleicht kann an dieser Stelle ein Vergleich
       mit dem Ende der Ära Kohl dann doch weiterhelfen: Die CDU ist zutiefst
       verunsichert. [5][Angela Merkels Abschied aus dem Kanzleramt] bedeutet, wie
       einst der von Kohl, eine Zäsur.
       
       Damals wie heute weiß die Partei nicht mehr so recht, wofür sie steht und
       wohin sie will. Und scheint den Herausforderungen der Zeit nicht gewachsen
       zu sein. In den 90er Jahren war dies die Arbeitslosigkeit, heute ist es die
       Pandemie. Der CDU droht quasi ihre Kernkompetenz, die Regierungsfähigkeit,
       abhandenzukommen. Ein Problem hat sich auf das nächste geschichtet, die
       Partei strauchelt. Und das eine ganze Weile schon. Zuletzt hat Corona die
       Krise, in der die Partei steckt, überdeckt.
       
       Die Zustimmung zur CDU, zuvor dramatisch abgesackt, stieg plötzlich wieder.
       Die Mehrheit der Bevölkerung traute der Kanzlerin und ihrem gemeinhin
       sachlichen und pragmatischen Kurs zu, Deutschland gut durch die Pandemie zu
       steuern. Es lief zunächst ja auch gut. Doch jetzt häufen sich Versäumnisse
       – bei den [6][Apps], beim [7][Impfen], zuletzt bei den [8][Schnelltests].
       Selbst die Kanzlerin, oft Fels in der Brandung, scheint aus dem Tritt,
       wirkt plötzlich machtlos.
       
       ## Quo vadis CDU?
       
       Zuletzt warnte sie vor der Gefahr, die von den Virusmutationen ausgeht, und
       stimmte gleichzeitig Lockerungen zu. Wer soll da noch mitkommen? Und die
       Baustellen aus der Vor-Corona-Zeit, sie sind ja alle noch da. Auch wenn die
       CDU vor knapp zwei Monaten einen neuen Vorsitzenden gewählt hat, der
       Richtungsstreit in der Partei ist nicht entschieden, [9][Friedrich Merz]
       lauert weiter im Hintergrund.
       
       Die Gefahr im Osten, wo ein Teil der CDU lieber mit der AfD als mit den
       Grünen oder gar der Linken Politik machen würde, ist nicht gebannt. Und das
       Profil der Partei, es bleibt verwaschen. Zu alldem kommt nun das moralische
       Versagen. Das erschüttert das Vertrauen der ohnehin erschöpften
       Bevölkerung. Dass [10][der neue Parteichef] der Richtige ist, um diese
       Krise in den Griff zu kriegen, muss er erst noch beweisen.
       
       Zwar hat Armin Laschet mit markigen Worten im Fernsehen verkündet, er werde
       mit den „Raffkes“ in den eigenen Reihen aufräumen. Doch er sagte auch, dass
       Philipp Amthor nun in Mecklenburg-Vorpommern Spitzenkandidat der CDU für
       die Bundestagswahl ist, das gehe schon klar. Amthor, von dem im vergangenen
       Sommer bekannt wurde, dass er für ein US-Start-up lobbyierte und im
       Gegenzug Aktienoptionen erhielt.
       
       Das Bewusstsein für all das, was man umgangsprachlichlich als „Filz“
       zusammenfasst, scheint Laschet zu fehlen. Dafür spricht auch, dass er in
       NRW einst den WAZ-Unternehmer Holthoff-Pförtner zum Minister mit
       Zuständigkeit für Medien machte – und nichts dabei fand. Ob man so
       Vertrauen zurückgewinnen kann? Die Landtagswahlen an diesem Wochenende
       werden auch dazu erste Hinweise geben.
       
       Die Umfragen deuten für die CDU auf nichts Gutes. Nach Kohl kam bekanntlich
       Rot-Grün. Was auf Merkel folgen wird, scheint in diesen Tagen offener zu
       sein, als es lange möglich erschien
       
       12 Mar 2021
       
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