# taz.de -- Ausstellungsempfehlung für Berlin: Que(e)r durch die Kunstgeschichte
       
       > Im Lockdown dürfen die Berliner Galerien offen bleiben. Sehr sehenswert
       > ist derzeit die feministische Kunst von Nadira Husain und Zoë Claire
       > Miller.
       
 (IMG) Bild: Installationsansicht „Bastard Mystical Pragmatism“, © Nadira Husain and PSM, Berlin, 2020
       
       Irgendwo muss man ja anfangen mit dem Sturz des Patriarchats. Zum Beispiel
       mit der Formel „Hindu-Gottheit Krishna = die Farbe Blau = die Schlümpfe“.
       Diese schneidige Gleichstellung von Religion [1][und Comic taucht] immer
       wieder auf in den Malereien von Nadira Husain, Inderin und Französin und
       seit vielen Jahren zu Hause in Berlin.
       
       Husain und Zoë Claire Miller begehen gerade in der Tiergartener Galerie PSM
       in [2][der gemeinsamen Ausstellung] „Bastard Mystical Pragmatism“ so einige
       ästhetische Hierarchiebrüche. Das Blau von Schlumpf und Krishna aus der
       hybriden Bilderwelt Nadira Husains ist in den Räumen von PSM quasi
       Covid-Virus-artig von der Spezies Malerei auf die Spezies Skulptur
       übergesprungen: Jetzt bevölkern blaue Schildkröten aus Ton den Boden der
       Galerie.
       
       Und sie hinterlassen auf den polyphonen Bildern an der Wand nur noch eine
       Silhouette, aus der wiederum das feine Ornament des handgefertigten
       indischen Kalamkari-Stoffs als Malgrund hervorscheint. Trotz ihrer dicht
       gedrängten Malereien zeigt Husain ihre Arbeit bei PSM in einem geradezu
       orthodoxen Ausstellungsarrangement: ein Bild je weiße Wand, Tonvasen in
       exakter Reihung auf einem Tisch.
       
       ## Überall weibliche Körperteile
       
       Aus dieser musealen Inszenierung preschen slapstickartig ihre krausen
       Bildmotive hervor, die Boops, die Laugenbrezel, die Elefanten im Stil
       historischer Mogul-Miniaturen als Embryos mit Nabelschnur oder ihre zu
       einer Masse verschlungenen Körper. Fernöstliche Mystik, fränkischer Alltag
       und allgegenwärtige weibliche Körperteile fügen sich zu einer
       hierarchielosen Ikonografie zusammen.
       
       Körperteile konstituieren auch die Keramikarbeiten der in Berlin lebenden
       US-amerikanischen Künstlerin Zoë Claire Miller. [3][In ihrer
       feministischen], que(e)r durch die Kunstgeschichte streifenden Symbolik
       wird der Penis zum ständigen Hindernis, Beine, Arme oder Brüste hingegen zu
       architektonischen Elementen.
       
       Mit einer szenischen Installation (Hey, da dringt ein Poklatscher als
       Halbrelief aus der Wand hervor!) platziert Miller die Besucher:innen der
       Galerie inmitten einer geschlechtlichen Konfliktzone: zwischen männlichem
       Korpsgeist und weiblicher Solidarität.
       
       11 Nov 2020
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sophie Jung
       
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