# taz.de -- Kommentar Kürzung Auslandskindergeld: Dann kommen sie eben zu uns
       
       > Die Bundesregierung will für Kinder im EU-Ausland weniger zahlen. Das
       > macht sie nicht, um zu sparen – sondern um Migranten abzuschrecken.
       
 (IMG) Bild: Lieber die Kinder mitnehmen. Dann zahlt Deutschland auch besser
       
       Wer in Deutschland lebt und Kinder hat, bekommt in Deutschland Kindergeld.
       Das gilt auch für EU-Ausländer – auch wenn deren Kinder gar nicht in
       Deutschland leben, sondern zum Beispiel in Polen, Rumänien oder Bulgarien.
       
       Die Bundesregierung erwägt nun, die Leistungen für Kinder, die im Ausland
       leben, zu kürzen. Wenn dort die Lebenshaltungskosten niedriger sind, soll
       auch das Kindergeld entsprechend geringer ausfallen.
       
       Vorbild ist eine Regelung, die Großbritannien jetzt mit der EU ausgehandelt
       hat, die aber auch von anderen EU-Staaten übernommen werden kann.
       Voraussetzung dafür ist aber, dass Großbritannien überhaupt in der EU
       bleibt. Denn nur wenn die Briten im Juni gegen den Brexit stimmen, werden
       die mit Großbritannien ausgehandelten Zugeständnisse in europäisches Recht
       umgesetzt.
       
       Sozialpolitisch wäre die Maßnahme wohl vertretbar. Wenn die Ausgaben für
       ein Kind im Ausland niedriger sind, muss auch der Staat weniger
       unterstützen. Das klingt nicht unfair. Allerdings bricht es mit
       Grundgedanken des EU-Rechts. Wenn ein deutscher Rentner lieber in der
       spanischen Sonne lebt, dann wird ihm seine deutsche Rente ja auch nicht
       unter Verweis auf die günstigeren spanischen Lebenshaltungskosten gekürzt.
       
       Die Bundesregierung gibt an, dass sie mit der Kürzung des
       Auslandskindergelds nicht in erster Linie sparen will. Es gehe vor allem um
       Migrationspolitik. Das deutsche Kindergeld soll keinen Anreiz dafür bieten,
       dass Eltern ihre Heimat und ihre Kinder verlassen, um in Deutschland zu
       arbeiten. Aber die geplante Regelung könnte aus Unions-Sicht durchaus auch
       nach hinten los gehen: Wenn es nur noch für in Deutschland lebende Kinder
       volles Kindergeld gibt, dann kommt eben gleich die ganze Familie inklusive
       Kinder zu uns. Und wenn die Kinder erstmal hier in die Schule gehen, dann
       bleibt die Familie wohl auch dauerhaft.
       
       Man könnte meinen, die Union betreibe jetzt aktive Einwanderungspolitik –
       die sie ihren Anhängern aber noch als Abschreckung verkaufen muss.
       
       23 Feb 2016
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Christian Rath
       
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