# taz.de -- Länder werden zur Bad Bank: Teure Lösung
       
       > Faule Kredite der HSH Nordbank übernehmen die beiden Länder Hamburg und
       > Schleswig-Holstein. Dann soll die Staatsbank privatisiert werden.
       
 (IMG) Bild: Früher hat die HSH Nordbank als weltweit größter Geldgeber der Branche die meisten Containerschiffe finanziert
       
       Hamburg taz | Für Deutschlands skandalträchtigste Bank zeichnet sich eine
       Lösung ab. Die HSH Nordbank lobt den Kompromiss als „positiv“, so Chef
       Constantin von Oesterreich. Für den Steuerzahler ist sie aber ein Risiko.
       Den Ländern Schleswig-Holstein und Hamburg dürfte die am Montag mit der
       Europäischen Kommission in Brüssel beschlossene Vereinbarung Milliarden
       Euro kosten.
       
       Die beiden Bundesländer – denen die Bank zu über 85 Prozent gehört – haben
       sich mit der EU-Kommission auf den Umbau der seit der internationalen
       Finanzkrise ums Überleben kämpfenden Bank geeinigt. Demnach sollen die
       Länder die HSH zunächst von faulen Krediten in einer Größenordnung von 6,2
       Milliarden Euro entlasten.
       
       Es dürfte ein einmaliger Fall in der deutschen Wirtschaftsgeschichte sein,
       dass Bundesländer als Bad Bank milliardenschwere faule Kredite übernehmen.
       In einem zweiten Schritt soll die so teilsanierte Nordbank bis 2018
       privatisiert werden. Im Gegenzug akzeptiert die EU-Kommission die bereits
       2013 von Hamburg und Kiel aufgestockte Garantie der Länder über 10
       Milliarden Euro.
       
       Unklar ist, wie viel Geld die Länder die Sache kosten wird. Wie hoch die
       Verluste ausfallen werden, entscheidet sich erst 2018, wenn die Bank
       verkauft wird. Möglicherweise an eine andere öffentliche Landesbank.
       
       Mit hoch riskanten Finanzierungen von Containerfrachtern hatten sich
       frühere Vorstände der HSH verzockt. Durch den Ausbruch der
       Schiffsfahrtskrise 2008 sind viele dieser Kredite heute wenig wert. Dabei
       wollte man am Gerhart-Hauptmann-Platz einst hoch hinaus. Der
       US-amerikanische Finanzinvestor J. C. Flowers wurde 2006 als Anteilseigner
       an Bord geholt. Ein Börsengang war geplant. Später musste sich zum ersten
       Mal in Deutschland ein kompletter ehemaliger Bankvorstand wegen seiner
       Geschäfte vor Gericht verantworten. Viele Schuldfragen blieben jedoch
       unbeantwortet.
       
       ## 24 Monate für die Privatisierung
       
       Vor allem der nach Ausbruch der Krise zum Vorstandsvorsitzenden berufene
       Dirk Jens Nonnenmacher wurde Gegenstand von Negativschlagzeilen: „Dr. No“
       soll einen weiteren Katastrophendeal genehmigt haben; informierte die
       Bankenaufsicht Bafin über ein hoch riskantes Wertpapiergeschäft erst gar
       nicht und verteilte 21 Millionen Euro als Halteprämie an Manager. Im Sommer
       einigte sich die HSH mit der Staatsanwaltschaft Köln auf eine Zahlung von
       mehreren Millionen Euro Bußgeld wegen Steuerhinterziehung.
       
       Noch handelt es sich bei der nun gefundenen Lösung um eine „informelle
       Verständigung“, sagt EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Im
       Frühjahr 2016 dürfte die EU-Kommission den Deal mit „deutschen Behörden“
       verbindlich absegnen. Die Bundesländer haben dann 24 Monate Zeit, die HSH
       Nordbank zu privatisieren. Mit einer Zustimmung der beiden Landesparlamente
       für die Abwicklung auf Raten ist zu rechnen.
       
       20 Oct 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Hermannus Pfeiffer
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Hamburg
 (DIR) Niedersachsen
 (DIR) Banken
 (DIR) Schiff
 (DIR) HSH Nordbank
 (DIR) HSH Nordbank
 (DIR) Hamburg
 (DIR) Werften
 (DIR) Schwerpunkt Atomkraft
 (DIR) Schwerpunkt Finanzkrise
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Revision beginnt: Die Unschuld der Banker
       
       Zwei Jahre nach dem Freispruch durchs Landgericht Hamburg beugt sich der
       Bundesgerichtshof noch mal über den Prozess gegen die
       HSH-Nordbank-Vorstände
       
 (DIR) Länder zahlen Zeche für HSH Nordbank: Havariekommando im Anmarsch
       
       Hamburg und Schleswig-Holstein wollen für 16,2 Milliarden Euro die HSH
       Nordbank retten. Das könnte die Haushalte beider Länder nahezu ruinieren.
       
 (DIR) Bad Banker: Fragwürdige Geschäfte
       
       Die HSH Nordbank ruft schon wieder nach staatlicher Hilfe.
       Wirtschaftwissenschaftler Rudolf Hickel empfiehlt, sie einfach abzuwickeln.
       
 (DIR) Wie Werften Gewinne abwerfen: „Was schwimmt, das geht“
       
       Deutsche Schiffbauer machen auch ohne üppige staatliche Hilfen gute
       Geschäfte.
       
 (DIR) Finanzierung von Atomwaffen: Das Geschäft läuft bombig
       
       Großbanken und Versicherungen stecken laut einer Studie Milliarden in
       nukleare Technologien. Mit dabei ist auch die Deutsche Bank.
       
 (DIR) Kommentar Urteil gegen Skandalbanker: Schuldig trotz Freispruch
       
       Obwohl sie gegen ihre Pflichten verstießen, werden die Vorstände der HSH
       Nordbank freigesprochen. Das kostet drei Milliarden Euro.