# taz.de -- Debatte Alternatives Wirtschaften: Gründet Genossenschaften!
       
       > Genossenschaften sind ein zukunftsfähiges Modell. Denn gemeinschaftliches
       > Wirtschaften ist krisenfest und die Haftung ist beschränkt.
       
 (IMG) Bild: Petri heil: Fischereibetriebe schließen sich sehr häufig zu Genossenschaften zusammen.
       
       Gemeinschaftliches Wirtschaften braucht nicht nur gute Ideen, sondern auch
       geeignete Rechtsformen. Manche Gruppen legen einfach los und werden damit
       automatisch zur Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). Kein Problem,
       solange alles gut geht. Für die Schulden einer GbR haften allerdings alle
       Gesellschafter*innen mit ihrem privaten Vermögen.
       
       Andere gründen einen Verein, der nur mit dem Vereinsvermögen haftet. Dieser
       ist jedoch – mit wenigen Ausnahmen – ideellen Zwecken vorbehalten. Schon
       die Eintragung ins Vereinsregister kann schwierig werden, wenn es um
       wirtschaftliche Ziele geht.
       
       Für eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) sind mindestens
       25.000 Euro Eigenkapital erforderlich, eine Unternehmergesellschaft (UG)
       ist ohne Mindestkapital möglich. Bei beiden muss der Ein- und Ausstieg von
       Gesellschafter*innen notariell beurkundet und beim Amtsgericht eingereicht
       werden. Die Stimmrechte richten sich nach der Höhe der Einlage.
       
       Wenn Gesellschafter*innen gehen, kann es passieren, dass sie neben der
       Auszahlung ihrer Einlage auch einen Anteil an den Wertsteigerungen, den
       stillen Reserven, beanspruchen. Das lässt sich anders regeln, aber im
       schlimmsten Streitfall, wenn die Trennung vor Gericht verhandelt wird,
       zählt dort das Recht auf Eigentum oft mehr als die schönsten solidarischen
       Vereinbarungen.
       
       ## Beschränkte Haftung
       
       All diese Probleme gibt es bei Genossenschaften nicht. Sie dienen nicht der
       Erwirtschaftung von Gewinnen, sondern den wirtschaftlichen, sozialen oder
       kulturellen Zwecken ihrer Mitglieder. In Genossenschaften lässt sich die
       Haftung der Mitglieder auf ihre Einlage beschränken, und ein Mindestkapital
       ist nicht vorgeschrieben. Der Vorstand führt die Mitgliederliste. Jedes
       Mitglied hat eine Stimme, unabhängig von der Höhe der Einlage. Gewinne
       können an die Mitglieder ausgeschüttet werden, jedoch muss ein Teil des
       Gewinns in die gesetzliche Rücklage eingestellt werden. Ausscheidende
       Mitglieder haben nur Anspruch auf Auszahlung ihrer Einlage, Rücklage und
       stille Reserven verbleiben in der Genossenschaft.
       
       Trotzdem wird für Neugründungen die Rechtsform der Genossenschaft nur
       selten gewählt, denn sie gilt als kompliziert und teuer. Vor allem deshalb,
       weil zur Gründung und später – je nach Größe – alle ein bis zwei Jahre eine
       Pflichtprüfung nötig ist. Diese ist mit Kosten verbunden, die aber sehr
       unterschiedlich ausfallen können, je nach Prüfungsverband.
       
       Genossenschaftsbanken, Landwirtschafts- oder Wohnungsbaugenossenschaften
       sind teilweise schon über 100 Jahre alt. Ein neueres Beispiel ist die
       [1][Genossinnenschaft Schokofabrik], der ausschließlich Frauen angehören.
       Mit dem Kauf eines Hausanteils in Berlin-Kreuzberg konnte sie das dort
       ansässige Frauenzentrum Schokofabrik vor dem Verkauf an einen Investor
       bewahren. Oder die [2][Solargenossenschaft Lausitz], die nach einem
       verlorenen Volksentscheid gegen das Abbaggern von Dörfern durch Vattenfall
       gegründet wurde. Sie installiert Solaranlagen auch auf Gebäuden, die dem
       Braunkohletagebau weichen sollen. Oder [3][Fairmondo] in Berlin, die erste
       Genossenschaft 2.0, die sich online organisiert und einen fairen Marktplatz
       als Alternative zu Amazon und eBay aufbaut.
       
       Auch die taz ist bekanntlich eine Genossenschaft. Die
       Gestaltungsmöglichkeiten von Genossenschaften sind noch lange nicht
       ausgeschöpft und bieten viele Chancen für Gruppen, die gemeinschaftlich
       solidarisch wirtschaften möchten.
       
       Die Autorin ist Betriebswirtin und Publizistin
       
       4 Sep 2015
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] http://www.genossinnenschaft-schokofabrik.de/
 (DIR) [2] http://www.solar-lausitz.de/
 (DIR) [3] https://www.fairmondo.de/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Elisabeth Voß
       
       ## TAGS
       
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